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Horb a. N. Fällt die Notfallversorgung endgültig weg?

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Das Ärzteblatt steckt noch im Briefkasten, doch die Praxis ist leer - der Empfänger hat aufgehört. Böses Omen für Horb? Foto: Hopp

Horb - Jetzt beginnt der letzte Kampf der Stadt um das Krankenhaus. Bei der Kreistagssitzung am Montag, 23. September, könnte die Hoffnung der Bevölkerung auf eine akute Notfallversorgung endgültig begraben werden.

Das Ameos-Angebot steht vor der Ablehnung (wir berichteten). Der Aufsichtsrat der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) soll die Empfehlung abgegeben haben, nicht mit den einzigen Bieter des Markterkundungverfahrens zusammenzuarbeiten. Landrat Rückert scheint die Mehrheit im Kreistag hinter sich zu haben. Alles andere wäre eine große Überraschung. Doch wie geht es dann weiter mit der medizinischen Versorgung in Horb?

Gefragt, ob dieser Aufsichtsrats-Beschluss auch den Passus enthalte, dass das Medizinische Versorgungszentrum beispielsweise mit zusätzlichen Ärzten bestückt werde, um eine gute medizinische Versorgung der Horber Bevölkerung zu gewährleisten, antwortet Rückert-Sprecher Hannes Bewersdorff: "Zu Ihrer Anfrage, die letzte Sitzung des Aufsichtsrats der KLF gGmbH betreffend, kann ich Ihnen mitteilen, dass es sich bei dieser Sitzung um eine nichtöffentliche Sitzung handelte und Landrat Dr. Rückert somit keine Aussagen zum Inhalt der Sitzung trifft. "

Rosenberger erklärte auf Anfrage: "Ich werde die Unterlagen zur Kreistagssitzung sehr genau studieren. Dazu werde ich über die Lage im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss informieren." Der fand gestern statt.

Wird Horb zur medizinischen Diaspora?

Dabei wird es wohl auch darum gehen, wie man eine bestmögliche gesundheitliche Versorgung für die Horber Bevölkerung erreicht. Die KLF plant, das Klinikum in Horb als Geriatrische Reha fortzuführen. Ameos wollte einen Mix zwischen Geriatrischer Fachklinik, Suchtbehandlung und eine 24-Stunden-Notfallversorgung in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten.

Reiner Klinger, Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Horb, sagt: "Horb scheint immer mehr zur medizinischen Diaspora zu werden. Jetzt fällt demnächst der hausärztliche Notdienst weg. Dabei braucht die Bevölkerung eine ärztliche Versorgung rund um die Uhr, denn die Horber können nicht immer nach Nagold, Tübingen oder Freudenstadt fahren."

Klinger kritisiert dabei auch die KLF: "Falls es wirklich so sein sollte, dass der Aufsichtsrat das Ameos-Konzept abgelehnt hat, dann wäre das schon bemerkenswert: Erst werden die Bedingungen bewusst so hochgeschraubt, dass nur private Anbieter zum Zuge kommen können. Und dann wird dieses Angebot offenbar nicht berücktsichtigt."

Horb hat zwei Probleme: Falls der Kreistag das ursprünglich geplante KLF-Konzept beschließen sollte, dürfte die 24-Stunden-Notfallversorgung der Bevölkerung endgültig wegfallen. Dazu brechen auch die Hausärzte weg.

Richard Brems, Organisator des bisherigen durch einen Verein organisierten Hausärztlichen Notdienst, hatte angekündigt, dass dieser Notdienst zum 31. Dezember eingestellt wird (wir berichteten). Dazu schreibt er, dass "bereits im kommenden Jahr mit großer Sicherheit bei uns weitere Praxen ohne Nachfolger schließen werden". Das heißt: Von den bisher vorhandenen 16 Hausärzten in der Raumschaft Horb dürften es bald einige weniger sein. Volker Kühne beispielsweise schreibt seine Praxis schon bei der Kassenärztlichen Vereinigung aus. Auch die ehemalige Praxis von Sylvester von Bülow, in der Roland Müssle bis April seine Hausarzt-Praxis aufgemacht hatte, ist inzwischen wieder geschlossen.

Die Folge für Patienten: Findet sich kein Nachfolger für ihren bisherigen Hausarzt, kommen sie auf eine Warteliste. Allgemeinmediziner Werner Bösch aus Dettingen: "Die Grundvergütung in Baden-Württemberg sieht vor, dass bei einer Patientenzahl von 170 bis 200 Prozent über dem Durchschnitt es lediglich 10 Euro pro Quartal gibt. Das gibt große ethische Probleme, mit diesem Betrag einen Patienten verantwortungsvoll zu versorgen."

Doch wo soll die medizinische Versorgung der Horber Bevölkerung in Zukunft sein? Im Hospital zum Heiligen Geist gibt es noch die Möglichkeit für zusätzliche Ärzte. Einmal die Interimspraxis, in der zwischenzeitlich Karl Gasiorek untergekommen war, bevor er nun seine neuen Räume beziehen konnte, und dann Räumlichkeiten, die bisher nicht auf dem Umbauplan gestanden haben.

OB Rosenberger: "Wir wissen, dass das MVZ positiv für die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist. Es dient auch dazu, Lücken, die hier vorhanden sind, zu schließen. Je mehr Fachrichtungen hier angesiedelt sind, umso besser."

Ähnlich argumentierte bisher auch die Kreistagsfraktion der SPD. Sie fordert, dass in Horb eine zentrale Einrichtung für Altersmedizin eingerichtet wird. Diese soll durch medizinisches Personal und mindestens zwei Ärzte betrieben werden. Zusätzlich soll ein Fachärztezentrum mit mehreren niedergelassenen Fachärzten vom Allgemeinmediziner bis zum Hals-Nasen-Ohrenarzt angegliedert werden. Eine 24-Stunden-Ambulanz, so der Vorschlag der Sozialdemokraten, soll als Anlaufstelle die akute Versorgung vor Ort sichern. Die Ambulanz soll tagsüber durch niedergelassene Ärzte mit Unterstützung der geriatrischen Ärzte betrieben und nachts vom Notarzt oder dem diensttuenden Arzt der Altersmedizin übernommen werden. Dazu sagt Allgemeinmediziner Bösch: "Das MVZ in Horb weiterhin mit Fachärzten zu bestücken, löst das Hausärzte-Problem nicht."

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Florian Ganswind

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