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Horb a. N. Etiketten dokumentieren Wirtshaussterben

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In der Zündholzetikettensammlung der Horber Nachtwächter finden sich allein neun Horber Gaststätten, die längst von der Bildfläche verschwunden sind. Die Sammlung belegt längst nicht alle Schließungen.Foto: Lipp Foto: Schwarzwälder Bote

Die Phillumenie bezeichnet das Sammeln von Streichholzschachteln und insbesondere deren Etiketten. Die Nachtwächter vom Kultur- und Museumsverein haben bei ihren Recherchen zu den beiden Horber Wirtshausführungen eine Sammlung von Zündholzetiketten erstanden, die eindrucksvoll das Wirtshaussterben in Horb belegt.

Horb. Die Sammlung soll das Horber Stadtarchiv erhalten.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Zündhölzer, die mit weißem Phosphor und Kaliumchlorat versehen waren. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es, den weißen Phosphor gegen den etwas ungefährlicheren roten Phosphor auszutauschen. Anders als bei den herkömmlichen Zündhölzern befand sich der Phosphor dabei nicht mehr in der Zündmasse, sondern wurde zusammen mit Braunstein und Leim auf einer besonderen Zündfläche aufgetragen. Er wurde nur noch im Moment der Zündung der jetzt phosphorfreien Zündmasse benötigt.

Phosphor und Kaliumchlorat waren so voneinander getrennt. Aus diesem Grund wurden die Hölzer auch Sicherheitszündhölzer genannt. Große Mengen dieser Sicherheitszündhölzer exportierte man damals aus Schweden nach Deutschland. So wurde der Begriff "Schwedenhölzer" zu einem Synonym für Streichhölzer.

Solche Sicherheitshölzer wurden auch in Horb am unteren Mühlkanal hergestellt. 1852 erwarb Michael Schlayer aus Ohmden im Oberamt Kirchheim die am Reibegässle gelegene Öl- und Gipsmühle und richtet eine Zündholz- und Holzwarenfabrik ein. Allerdings scheint die schwedische Konkurrenz zu mächtig gewesen zu sein, denn bereits vier Jahre später musste Jakob Greiner, Inhaber der Schlayerschen Fabrik, Konkurs anmelden.

Ein Stück Geschichte

1903 wurde letztlich auch in Deutschland die Anwendung von Phosphor für alle Zündwaren verboten. Der Zündkopf heutiger Sicherheitszündhölzer besteht aus etwa 60 Prozent Kaliumchlorat, 7 Prozent Schwefel, 4 Prozent Kaliumchromat und 25 Prozent Glasmehl. Die restlichen 4 Prozent sind Bindemittel und Farbstoffe.

Mit den Zündhölzern ist ein spannendes Stück Wirtschaftsgeschichte verbunden. Im Januar 1930 hatte Deutschland mit den sich immer ruinöser auswirkenden Folgen der Reparationen zu kämpfen. Um die aufgenommen Kredite zurückzuzahlen, brauchte man dringend Geld. Dies wiederum hatte der schwedische Zündholzmagnat Ingvar Kreuger im Übermaß und so kam es zu einem Geschäft zwischen dem damaligen Deutschen Reich und Kreugers Imperium. Kreugers Firma erhielt für eine Anleihe in Höhe von 125 Millionen Dollar das Zündwarenmonopol für das gesamte Reichsgebiet.

Das Zündholzmonopol überdauerte die Nazi-Zeit, den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Teilung. Erst 1983 wurde das Monopol aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Zündhölzer aber schon längst aus der Mode gekommen. Die Wegwerf-Feuerzeuge aus Plastik hatten nämlich ihren Siegeszug ab den 60er-Jahren angetreten. Damit gerieten die Streichholzschachteln als Werbeträger in den Hintergrund.

Die Etikettensammlung der Horber Nachtwächter besteht aus 50 Exemplaren, wobei einige abgegangene Wirtschaften mit unterschiedlichen Motiven doppelt oder dreifach belegt sind. Die Sammlung belegt eindrucksvoll das Horber Wirtshaussterben, das immer mehr um sich greift. Manche Horber Teilorte verfügen über kein einziges Wirtshaus mehr und die Wirtshausszene der Kernstadt ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war.

Seit Anfang der 90er-Jahre ist die Anzahl der traditionellen Wirtshäuser stetig gesunken. Die ältesten Horber Zündholzetiketten weisen mit "724" noch eine dreistellige Postleitzahl für Horb aus. Das neue Postleitzahlensystem der Bundesrepublik wurde im März 1962 eingeführt und die Horber Postleitzahl wurde durch eine "0" zum vierstelligen System ergänzt. Die heutige fünfstellige Postleitzahl erhielt Horb 1993 und findet sich auf keinem Etikett mehr, weil wohl die Zündholzwerbung mehr oder weniger ein Auslaufmodell geworden war.

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