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Horb a. N. Erinnerung an schicksalhafte Stunde im Bürgerbräukeller

Von
Josef Seibold (links) und Heinz Högerle im Museum Jüdischer Betsaal in Horb beim Vortrag "Ich habe den Krieg verhindern wollen" Foto: Trommer Foto: Schwarzwälder Bote

Horb. Im Museum Jüdischer Betsaal Horb ist derzeit die Wanderausstellung "Ich habe den Krieg verhindern wollen" zu sehen, die das Attentat vom 8. November 1939 behandelt. Josef Seibold von der Georg-Elser-Gedenkstätte führte in die Ausstellung ein.

Benedict von Bremen begrüßte die sehr zahlreich gekommenen Besucher. Der 27. Januar ist internationaler Gedenktag für das Verbrechen des Holocaust. Die Ausstellung wird vom Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen und der Kreisvolkshochschule Freudenstadt getragen.

Benedict von Bremen betonte die Wichtigkeit, die Demokratie zu bewahren und verurteilte jeden Rassenhass.

Seibold rief die schlechten Zeiten in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Erinnerung, als ein Laib Brot 300 Milliarden Mark kostete, und betonte, in welcher Situation sich viele Menschen damals befanden.

Auch Georg Elser lernte im Ersten Weltkrieg Not und Hunger kennen – obwohl die Familie eine kleine Landwirtschaft betrieb, mussten sie hungern. Seibold erinnerte daran, dass während dieses Krieges in Deutschland 700 000 Menschen verhungert sind. Georg Elser lernte Eisendreher, wurde aber krank vom Metallstaub. Er machte noch eine Schreinerlehre und arbeitete als Feinmechaniker. Während einer Zeit in Konstanz wurde er Vater, hat sich aber nicht viel darum gekümmert.

Im atemberaubenden Tempo wurde in Deutschland seit 1933 die Demokratie abgeschafft, seit 1934 war Hitler Kanzler und Präsident in einer Person, und im selben Jahr wurden Judikative, Legislative und Exekutive außer Kraft gesetzt und in seiner Person vereinigt. Die Soldaten wurden auf den Führer vereidigt, die Diktatur beherrschte bald die ganze Gesellschaft. Auch die Kinder wurden im Bund Deutscher Mädel und in der Hitlerjugend auf Linie getrimmt, für die Jugendlichen waren die Aktivitäten oft anziehend, konnten sie so der elterlichen Kontrolle entkommen.

Parolen wurden lauter

Im März 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs, unter anderem mit Drohungen Hermann Görings, deutsche Soldaten einmarschieren zu lassen. Im selben Jahr verschwand das Land Tschechoslowakei von der Landkarte, das Sudetenland ging an Deutschland. Georg Elser ahnte bereits, dass ein Krieg kommen würde. Die Parolen wie "Heim ins Reich" wurden immer lauter. Für Elser war klar: Der Krieg kann nur durch die Beseitigung der Führung vermieden werden.

Es war bekannt, dass der 8. November von Hitler feierlich begangen würde. An diesem Tag im Jahre 1923 hatte er versucht zu putschen, was blutig niedergeschlagen wurde und ihm Festungshaft einbrachte. Im Gefängnis schrieb er sein berühmtes Buch. Elser begann mit der Erkundung des Bürgerbräukellers, wo Hitlers Rede gehalten werden sollte. Er höhlte eine Säule aus und versteckte darin eine Bombe mit Zeitzünder, den er konstruiert hatte. Die Explosion fand am 8. November 1939 statt, 21.20 Uhr, wie geplant. Jedoch Hitler hatte zusammen mit Goebbels bereits um 21.07 Uhr den Saal verlassen, um nach Berlin zu fahren.

Bei der Explosion kamen acht Menschen um Leben, die feierlich bestattet wurden. Elser wurde bereits um 20.45 Uhr auf der Flucht nach Konstanz von Grenzbeamten festgesetzt – er hatte einen Plan des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders bei sich. Die Verhöre zogen sich lange und qualvoll für ihn hin, er wurde zuerst ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und schließlich kurz vor Kriegsende in Dachau ermordet. Seibold berichtete, Elser habe eine Drehbank in der Zelle gehabt und er habe Zither spielen dürfen. Es gab Verdachtsmomente, das Attentat sei von den damaligen Herrschern simuliert worden, was sich aber nicht beweisen lässt. Die Nationalsozialisten wollten das Attentat als von dem britischen Geheimdienst geplant darstellen.

Heinz Högerle vom Förderverein Ehemalige Synagoge überreichte dem Redner Bücher, die die Geschichte der Juden in Württemberg beleuchten und bedankte sich für den spannenden Vortrag.

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Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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