Abgang von Siegfried Luft sorgt für Turbulenzen. Öffentlichkeit von Hauptversammlung ausgeschlossen. Mit Kommentar.
Horb - Zwei Minuten war Siegfried Luft im Raum. Dann war der nächste altgediente Ritter von Bord. Am Dienstagabend kam es im Maximilian Ritterspieleverein zum Eklat – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Seit Monaten brodelte die Gerüchteküche, dass die Chemie im Vorstand nicht mehr stimmt, in den vergangenen Wochen wurden die Differenzen immer offensichtlicher. Dabei war das Team Siegfried Luft und Matthias Ertel vor fast zwei Jahren harmonisch gestartet. Man habe mittlerweile unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des Vereins, sagt Ertel heute. Gegenseitige Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten machten unter der Hand die Runde. Wohl auch um diese Differenzen nicht völlig in die Öffentlichkeit zu ziehen, wurde am Dienstagabend aus der Hauptversammlung mit Vorstandswahlen eine Sitzung nur unter Mitgliedern, aber ohne weitere Öffentlichkeit vollzogen. Die örtliche Presse musste draußen bleiben.
Hinter den beiden zerstrittenen Vorsitzenden Luft und Ertel hatten sich zwei Lager gebildet. Die neue Phase der Fluktuation im Vorstand ist die letzte in einer Reihe von Personalwechseln. Werner Grotzke sei aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden, so Ertel. Auch Frank Friedrichson hörte auf. Für ihn rückte kommissarisch Benjamin Breisinger nach.
Neue Führung ist auf MPS-Linie
Am Ende hat sich am Dienstagabend das Ertel-Lager durchgesetzt. Während Luft wohl die Idee hatte, die Ritterspiele wieder allein in Vereinshand zu organisieren, wollten Ertel und seine Gefolgsleute anscheinend lieber den Veranstalter MPS als Partner behalten. Lieber weniger Geld, aber dafür auch ein kleineres Risiko des Scheiterns, so könnte man das interpretieren. Auf der anderen Seite (möglicherweise) mehr Einnahmen für den Verein, aber dafür das größere Risiko auf der Vereinsseite. Vorsitzender Ertel sieht die aktuelle finanzielle Situation des Vereins als Argument auf seiner Seite. "Wir haben rund 10.000 Euro Plus auf unserem Konto. In den vergangenen fünf Jahren hatten wir ein Minus." In früheren Zeit sprach der Verein erst recht nicht gerne über Geld. Die Schuldenlast soll kräftig gedrückt haben. Auch deshalb holte man sich damals MPS an Bord.
Dass nach der Versammlung nicht alle Gräben zugeschüttet sind, zeigt die Abstimmung. 47 Stimmberechtigte seien anwesend gewesen, so Ertel ("Die Teilnehmerzahl ist ein tolles Signal für den Verein"). Ertel erhielt 29 Stimmen, sein Vorstandskollegen Benjamin Breisinger 27 und Neu-Vorstand Dominik Kimmich 24 Stimmen, so Ertel. "Für diese schwierige Situation bin ich mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Es ist für mich ein Vertrauensbeweis." Insgesamt sieben Kandidaten hätten sich für den Vorstand beworben – auch Siegfried Luft stand noch zur Wahl, obwohl er da schon nicht mehr im Raum war. Luft wollte gestern nichts zu den Geschehnissen sagen: "Ich beglückwünsche meine Nachfolger und wünsche ihnen viel Erfolg. Mehr kann ich dazu nicht sagen", sagte er auf Anfrage.
Spiele zu neuer Blüte gebracht
Ertel sieht den Verein auf einem guten Weg. In den vergangenen zwei Jahren habe der Ritterspieleverein eine gute Entwicklung genommen. Man habe mit ehrenamtlichen Engagement die Spiele "zu neuer Blüte" gebracht. Auch die Wiederbelebung des Luziferturms habe positive Resonanz gefunden. Die Kritik von manchen, dass man mit diesem "Turm-Engagement" zu viel Energie verschwende, die dafür lieber in die Ritterspiele selbst stecken solle, akzeptiert Ertel, teilt sie aber nicht: Durch den Luziferturm sei das Vereinsleben belebt worden, über das ganze Jahr hinweg. Derzeit hat der Verein den Turm gepachtet. Ein neutrales Wertgutachten soll Aufschluss darüber geben, ob sogar ein Kauf in Betracht gezogen wird.
Der neue Vorstand hat einige Baustellen zu bearbeiten. Er muss versuchen, die entstandenen Risse wieder zu kitten. Ertel hat sich aber auch das Ziel gesetzt, an die besten Jahre der Ritterspiele 2005 bis 2007 anzuknüpfen. Und die neuen Mitglieder und Gruppen (teilweise aus dem Luft-Lager) müssen eingebunden werden. Anscheinend muss aber auch noch die Mitgliederliste auf den aktuellen Stand gebracht werden. Denn nicht jedes Mitglied hat wohl eine Einladung zur geheimen Versammlung bekommen. "Ich habe keine Einladung erhalten", sagt der frühere Vorsitzende Daniel Wochner, der darüber hinaus die Nichtöffentlichkeit der Versammlung kritisiert. Ein weitere Ex-Vorsitzender, Manfred Bok, sieht die geheime Versammlung ähnlich kritisch. Ertel verspricht, dass der Verein nicht zum "Geheimbund" wird. "Die nächsten Versammlungen werden wieder öffentlich sein. Ich bin für Transparenz."
Kommentar: Im Mittelalter
Von Florian GanswindEigentlich macht der Ritterspieleverein seinem Namen alle Ehre. Gehörten Fehden nicht früher, im rauen Mittelalter, einfach dazu? Tatsächlich wirken die aktuellen Geschehnisse mittelalterlich. Nicht zum ersten Mal gibt es Zoff bei den Rittern. Doch warum nur immer in diesem Verein?
Tatsächlich ist den Horber Rittern schon vor einigen Jahren die Großveranstaltung über den Kopf gewachsen. Deshalb holte man den Veranstaltungs-Partner MPS an Bord. Geld und Eitelkeiten sorgen aber weiterhin für Missgunst und Zwietracht im Verein. Aus der alten Rittergilde ist mit dem Abgang von Siegfried Luft fast niemand mehr übrig. Sie sind den vielen Schlachten zum Opfer gefallen. Der neue Vorstand muss nun zeigen, ob er Gräben zuschütten kann. Mittelalterlich sollten die Ritterspiele sein, aber nicht der Umgang im Verein miteinander. Es wird langsam Zeit.