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Horb a. N. Einbrecher dürfen zurück in die Heimat

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Nach dem Einbruch hatte die Polizei Spuren am Tatort gesichert. Foto: Lück

Horb - Immer wieder ist in deutschen Medien von Einbrecherbanden aus Georgien zu lesen, die möglicherweise aus ihrer Heimat gesteuert werden. Auch in Horb brachen drei Georgier in ein Wohnhaus ein. Professionell stellten sie sich dabei allerdings nicht an.

Drei Männer sitzen auf der Anklagebank. 43, 44 und 34 Jahre sind sie alt. Doch es sieht so als, als hätten die vergangenen Monate Spuren bei ihnen hinterlassen. Ihre Gesichter sehen von schweren Zeiten gezeichnet aus. Seit fünf Monaten sitzen die drei Georgier in Untersuchungshaft. "Keiner im Gefängnis kann ihre Sprache. Sie weisen alle große Haftsensibilität auf und sie haben keine Angehörigen vor Ort", berichten die drei Verteidiger der Angeklagten, Inga Berg, Carolin Hierstetter und Harald Stehr. Sie machen deutlich: Ihre Mandanten wollen einfach nur nach Hause – zu Frau und Kindern.

Polizist kommt zufällig am Haus vorbei

Sie zeigen sich von Anfang an geständig. Am 11. April dieses Jahres waren sie am helllichten Tag in ein Haus in der Hornauer Straße in Horb – in der Kurve, wenn es von Horb in Richtung Nordstetten geht – eingebrochen. Die Hauseigentümerin – eine ältere Dame, die mittlerweile gestorben ist, aber laut einer Familienangehörigen den Einbruch gut weggesteckt hatte – war zu diesem Zeitpunkt einkaufen. Einer der drei hebelte ein Fenster auf, stieg in das Haus ein und klaute 50 Euro. Weiter kam er aber nicht, denn ein Polizist, der nicht im Dienst gewesen war, kam zu diesem Zeitpunkt am Haus vorbei und informierte seine Kollegen.

Einer der Täter versuchte, über die Böschung zu flüchten. Die Flucht endete aber bereits nahe des Tatorts. Die beiden anderen stiegen in das Auto, das gegenüber bei einem Gewerbebetrieb abgestellt war, und fuhren los. Auf der Autobahn bei Sindelfingen war dann auch für die beiden anderen Schluss. Richter Albrecht Trick lobte deshalb am Verhandlungstag auch die gute und schnelle Polizeiarbeit.

Im Auto der Männer fanden die Ermittler noch einzelne Schmuckstücke, die man aber anderen Einbrüchen nicht direkt zuordnen konnte, Western-Union-Belege und geringe Geldbeträge. Eine Kette aus "Autobahngold" – gefälschtes Gold, das oft auf Autobahn-Rastplätzen angeboten wird – gehörte wohl einem der Täter selbst.

Männer zuvor seit einigen Wochen in Deutschland

Seit mehreren Wochen hatten sich die drei Männer in Deutschland aufgehalten. Sie hielten sich beispielsweise auch in Duisburg, aber auch an anderen Orten des Bundesgebiets auf, wie unter anderem Blitzerfotos von Bußgeldstellen bewiesen.

Dass es sich bei den dreien um eine professionell aus Georgien gesteuerte Einbrecherbande handelte – darauf deutet eher nichts hin. Zwar warf die Staatsanwältin den Angeklagten gewerbsmäßigen Diebstahl vor, doch dem folgte auch das Gericht am Ende nicht. "Gesteuerte Einbrecherbanden haben meistens irgendwo eine Wohnung angemietet, von der aus sie ihre Einbrüche planen", berichtete Verteidiger Stehr nach der Verhandlung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Richter Trick attestiert den drei Männern darüber hinaus, dilettantisch ans Werk gegangen zu sein. Hätten sie den Tatort lange ausgekundschaftet, hätten sie wohl gemerkt, dass ganz in der Nähe eine Polizeigarage ist. "Einer der Angeklagten wäre beim Fluchtversuch auch fast überfahren worden. Das zeigt auch, dass das Fluchtfahrzeug nicht gerade geschickt geparkt war."

Männer bedanken sich für "faires Verfahren"

Deswegen gibt es nur ein Ziel für alle Seiten: Die Männer sollen unverzüglich zurück in ihre Heimat. "Ich glaube, die drei Angeklagten sind beeindruckt vom deutschen Rechtssystem", erklärt Richter Trick. Sie würden keine große kriminelle Energie zeigen, ihre Sozialprognose sei gut. Schon zum Auftakt der Verhandlung war es zu einer Verständigung des Strafrahmens gekommen.

Der Gericht bleibt in diesem Rahmen und verurteilt die Georgier zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Vor dem Urteil hatten sich die Männer für das "faire Verfahren" bedankt und sich entschuldigt.

Innerhalb einer Woche müssen sie nun ausreisen und das auch nachweisen. "Sind denn die Flugtickets schon gekauft?", fragt Richter Trick in die Runde. "Ich habe gerade mit der einen Ehefrau geschrieben. Das Geld ist da, die Tickets wollen sie erst kaufen, wenn das Urteil gesprochen ist", berichtete Verteidigerin Berg. Trick kommentiert schmunzelnd: "Ja, so sind die Frauen. Erst einmal abwarten, ob es auch wirklich klappt."

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