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Horb a. N. Ein Blick auf das winterliche, verschneite Horb des 19. Jahrhunderts

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Die beiden Kultur- und Museumsvereinsvorsitzenden Joachim Lipp und Heinrich Raible übergaben an Agnes Maier, Kustodin des Stadtmuseums, als Leihgabe ein Ölgemälde von Sally Wiest aus dem Jahr 1895. Leider reichen die Wände im Bürger-Kultur-Haus schon längst nicht mehr aus, um alle Horber Veduten zu zeigen. Foto: Kultur- und Museumsverein Foto: Schwarzwälder Bote

Horb. Von privater Hand hatte der Kultur- und Museumsverein ein 80 x 100 Zentimeter großes Ölgemälde erworben, das mit "Sally Wiest Horb 95" signiert ist. Das in Öl auf Leinwand geschaffene Gemälde stellt eine Bereicherung der Vedutensammlung des Stadtmuseums im Bürger-Kultur-Haus dar, die in den vergangenen Jahren vom Kultur- und Museumsverein stetig erweitert worden ist.

Das Bild mit einer authentischen Stadtansicht entstand im Winter 1895 und findet sich als Reproduktion in der ersten Folge der Veröffentlichungen des Kultur- und Museumsvereins, die zum Stadtfest anlässlich der Erhebung Horbs zur Großen Kreisstadt im Jahr 1981 erschienen ist.

Herausragende Landschaftsmalerin erwarb sie sich den Namen "Grüne Sally"

Im Vordergrund der Vedute steht die alte hölzerne Neckarbrücke, die 1904 der stählernen Wilhelmsbrücke weichen musste. Die Reihe der gründerzeitlichen Häuser auf der Wilhelmsinsel führt das von Richard Raible 1874 eröffnete Gasthaus zur Bierhalle an, das bei der Entstehung des Gemäldes noch zweistockig war und über ein Mansardwalmdach verfügte. Noch im Jahr 1895 erhielt das Gasthaus ein drittes Stockwerk mit einfachem Satteldach und firmierte später nach weiteren Um- und Ausbauten unter dem Namen Hotel Raible. Hier hatte das großformatige Bild zunächst eine Heimat gefunden.

Die 1882 erbaute Turnhalle, die 1977 der Abrissbirne zum Opfer fiel, schließt die Häuserreihe am Flößerwasen ab. Auf dem gegenüberliegenden Neckarufer findet sich im Bereich der oberen Au eine jener mächtigen, uralten Linden, die der ersten Neckarkorrektion zum Opfer gefallen sind. Den Hintergrund bildet der verschneite Schüttebergausläufer, der alles trägt, was der Neckarstadt einst zu Rang und Namen verholfen hat.

Das Gemälde stammt aus der Hand der Malerin Sally Wiest (1866-1952), die offensichtlich einige Zeit in Horb verbracht haben muss. Ein Bruder von ihr war jedenfalls beim siebten Königlich Württembergischen Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 125 im Fruchtkasten stationiert, in dem bis zum Ersten Weltkrieg Horbs erste Kaserne untergebracht war. Sally Wiest gehörte zu jenen Künstlerinnen, die draußen in der Natur malten und als herausragende Landschaftsmalerin erwarb sie sich den Namen "Grüne Sally".

Wiest wurde als Tochter von schwäbischen Eltern in Trier geboren und wuchs in Stuttgart auf. Ihr erster Lehrer war der Maler und Lithograf Albert Kappis, der 1880 als Nachfolger von Karl Ludwig die Professur für Landschaftsmalerei an der Königlichen Kunstschule Stuttgart erhielt, wo er zum Lehrer der schwäbischen Impressionisten wurde. Den Weg zur Freilichtmalerei erschloss ihr in München der Landschaftsmaler Peter Paul Müller.

Zurück in Stuttgart nahm Wiest nochmals das Akademiestudium bei dem impressionistischen Maler und Hochschullehrer Robert Haug auf. Auch der damals in Stuttgart lehrende Maler und Grafiker Leopold Karl Walter Graf von Kalckreuth übte seinen Einfluss auf das Schaffen der immer mehr zu eigener Ausdrucksform gelangenden Malerin aus.

Wiest hat sich auch um die gesellschaftliche und ökonomische Anerkennung der künstlerisch arbeitenden Frauen verdient gemacht. Noch im ausgehenden 19. Jahrhundert waren die Kunstakademien meist nur männlichen Studierenden vorbehalten. Je öffentlicher die Kunst wurde und je bürgerlicher der Kunstmarkt, umso mehr wurden Frauen abgedrängt.

Dabei war man in Württemberg der Zeit voraus. An der Königlichen Kunstschule in Stuttgart wurden im Wintersemester 1864/65 immerhin schon acht Studentinnen gezählt. Als mit wachsendem weiblichem Zustrom die Duldung vonseiten der Männer nachließ, wurden die Damenklassen allerdings ausgelagert und obendrein benachteiligt.

In Stuttgart ergriffen Anna Peters und Sally Wiest die Initiative und verschafften den Frauen einen öffentlichen und gesellschaftlich respektierten Auftritt.

1893 war Wiest eine von drei Gründungsmitgliedern des Württembergischen Malerinnenvereins, der unter der Schirmherrschaft von Königin Charlotte von Württemberg stand und den Künstlerinnen Ausstellungsmöglichkeiten bot, die mit der Möglichkeit zum Verkauf verbunden waren. Aus diesem Verein ging der heutige Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs hervor, der 2016 mit einer Jubiläumsausstellung an den 150. Geburtstag von Sally Wiest erinnerte.

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