Viel mehr braucht es nicht, um einen tollen Abend zu erleben: ein Glas Wasser, ein gestimmtes Klavier und eine coole Lucy. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Die Musikkabarettistin und Klavierpädagogin Corinna Fuhrmann liefert im Kloster eine Show ab, die gute Laune macht

Das ist eine echt coole Lucy, diese Lucy van Kuhl, die eigentlich Corinna Fuhrmann heißt und dieser Tage zum ersten Mal in Horb zu Gast war.

Horb. Das Projekt Zukunft hatte die junge Dame mit den Modellmaßen – zumindest was die Körpergröße angeht – eingeladen, im Kloster ihre Visitenkarte abzugeben. Und, kaum hatte Ewald Loschko, der schnell noch etwas Werbung für die anstehenden Friedenstage machte, die Bühne freigegeben, legte die coole Lucy auch gleich richtig los. Sie marschierte strammen Schrittes in Richtung des verschrammten Schimmel-Klaviers, hinter dem schon viele Künstler saßen und auf die Tasten einschlugen, setzte sich hin und begann in geistreicher Selbstironie ein Lied über die Nachteile ihrer Körpergröße zu singen und zu erzählen. "Ich bin groß, wie die Berge von Davos" reimte sie, um irgendwann festzustellen "ob lang, dünn, cool oder dicker Po – jetzt geht sie los, meine Show."

Doch die Show war schon lange im Gange. Gleich im ersten Song schaffte sie es mit einem "Mitsingendingsbums", also einer einfachen Lalala-Zeile im Text, das Publikum zum Backgroundchor und damit zum Bestandteile ihrer Show zu machen.

Artig bedankte sie sich auch bei den Gastgebern, dass man ihr tatsächlich ein richtiges Klavier zur Verfügung stellte, denn "hinter den kleinen elektrischen Keyboards sehe ich immer aus wie eine Giraffe am Futtertrog." Und damit war das Eis, falls überhaupt vorhanden, schon gebrochen.

Die in Köln geborene Künstlerin, die in Linz Klavier studiert hat und ihren Magister in Literaturwissenschaft im sonnig-bierseligen München machte, heute in Berlin und in Südfrankreich lebt und seither eine silberne Bahn-Comfort-Karte besitzt, punktete sofort mit ihrem Können und ihrer symphytischen Art, wie sie ihre Songs anmoderierte, spielte und sang.

Musikkabarett stand zwar als Überschrift über diesem Abend, doch was die studierte Klavierpädagogin mit Stimme und Instrument ablieferte, das war absolut konzertreif. Und wenn man ihr bei ihren selbst geschriebenen Texten genau zuhörte, dann glaubt man ihr die Aussage, das Worte und Musik ihre Steckenpferde sind, aufs Wort.

Leben im hippen Kiez

In Berlin lebt sie in einem so hippen Kiez, dass sie dort ständig fürs "ohne" – also ohne Zucker, ohne Kohlenhydrate, ohne Geschmack – mehr bezahlen muss, als für irgendetwas "mit" und nur bakterienvernichtende, geistige Getränke machen die gesunden Lebensmittel verträglich, so eine ihrer Beobachtungen.

Und die coole Lucy, gerne auch als Kölner Dom oder "Lucy in the Sky" benannt, ist eine verdammt gute Beobachterin. So hat sie über einen Rentner namens Herr Schmidt ein ganz bezauberndes Lied geschrieben. Eine Geschichte, in der sie erzählt, dass sich der Herr Schmidt seit sieben Jahren jeden Morgen zwei Brote schmiert, Wasser in Flaschen abfüllt und mit dem Bus zum Flugplatz Tegel rausfährt, um dort die Maschinen mit dem Fernglas zu beobachten. "Er liebt den Duft der Maschinen und wenn sie starten, dann zieht ihm das Fernweh in den Magen – Herr Schmidt würde so gern mal mit." Man fühlte beim Zuhören richtig mit dem alten Mann mit, der sich nichts als Sehnsucht leisten kann.

Sehr fein auch die Story von Lotte, dem Lesezeichen, das seinem Job nachtrauert. In digitalen Zeiten ist kein Platz mehr zwischen Goethes Faust, Dantes Mephisto oder Simmels Regenbogen. Lotte findet es auch schade, dass sie Asterix nie kennenlernte und nun zusammen mit der hochnäsigen "Gala" und ein paar alten Zeitungen zu Klopapier verarbeitet wird. Eine tolle Idee und eine tolle Umsetzung, die voller Rhythmus und Swing daherkam und eindrucksvoll zeigte, wie viel Sound man dem alten Klavier entlocken kann, wenn man nur in der richtigen Zeit mit der richtigen Kraft und vor allem auf die richtigen Tasten haut. Lucy van Kuhl kann das. Sie hat es bei vielen Auftritten auf Kreuzfahrtschiffen – für sie sind das Flatrate-Fress-Frachter – aber auch auf Luxuskreuzern unter Beweis gestellt.

Liebesleben vertont

Dass eine so sensible Künstlerin auch ihr Liebesleben vertont und das Erlebte in ihre Texte packt, das erfuhren ihre Besucher spätestens bei ihren Chansons: "Küssen ohne Kaviar, Liebe ohne Lachstatar und träumen mit dir ohne Trüffelöl." Sie wünscht sich eine Liebe, in der wieder die Sterne am Himmel zählen und nicht nur die Sterne im Restaurantführer. Vielleicht hat jemand die Botschaft verstanden, denn jetzt ist ihr Glück auf einen kleinen Raum von 2 mal 1,4 Metern beschränkt und ihre Leberflecken zeichnen die Landkarten der Liebe im Titellied ihres aktuellen Programms "Flieg mit mir."

Und man flog gerne mit ihr. Lucy van Kuhl fasziniert. Sie lieferte bei ihrer Premiere in Horb einen vergnüglichen Abend voller sinnvollem Tiefgang und Können ab. Es war ein Auftritt, den man auch einem guten Freund mit ruhigem Gewissen empfehlen kann. Denn diese coole Lucy macht glücklich.

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