Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Die Ursuppe, die Sonne und Horb

Von

Von Peter Morlok

Horb. Jan Zeitler griff zur Pastellkreide! Bei der Vernissage zur Ausstellung des Kölner Künstlers Ulrich Wilhelm Röpke wurde Bürgermeister Jan Zeitler am Sonntagvormittag von einer (vielleicht) etwas voreilig gemachten Aussage aus dem letzten Jahr eingeholt.

Wie in Goethes "Zauberlehrling" kann er nun behaupten: "Die ich rief, die Geister – werd’ ich nun nicht los". Während einer Podiumsdiskussion, die im Kloster zu dem provokanten Thema "Kunst interessiert keine Sau" stattfand und bei der er sich unversehens als Ersatz für Peter Rosenberger auf dem Podium wiederfand, stellte er in bemerkenswerter Offenheit, ja für ihn geradezu lockerer Leichtfertigkeit fest, dass Vernissagen immer dem gleichen Ablauf folgen. "Ein paar Grußworte, der Professor Dingsbums spricht – das war’s. Hier muss sich was ändern! Lasst doch beispielsweise den Bürgermeister einfach mal ein Bild malen", hatte er gleich einen marketingtechnischen Vorschlag in petto.

Dreieck von Verwaltung, Bürgern und Kunstschaffenden

Dass das jemand ernst nehmen könnte, daran hatte er nicht geglaubt. Doch bei der ersten Vernissage des Kunstvereins Oberer Neckar in diesem Jahr kam’s, wie’s kommen musste. Ursel Bähr, die Vorsitzende des Vereins, drückte ihm einen Malblock und Kreide in die Hand und sagte freundlich: "Dann mal mal schön."

Als Limit bekam er genau die Zeit zugestanden, die die Kunsthistorikerin Marta Cencillo Ramirez brauchte, um die Vernissagen-Gäste in die Bilder- und Farbenwelt ihres Schwagers Ulrich Röpke einzuführen. Zeitler schwitzte und Ramirez fachsimpelte über Farben in strukturierter Tiefe, über intensive Augenblicke, die durch das hineinzoomen ins Bild, durch die Face-to-Face-Situation, durch das Alleinsein mit sich und dem Bild entstehen. Jan Zeitler war auch allein mit sich und seinem Bild, das am Ende in geradezu naiver Bildgestaltung, dafür als kleine Liebeserklärung an das blühende Horb und das längst vergangene Neckarblühen, daherkam. Eins steht aber seit Sonntag fest: Rechnen kann er sicher besser als malen, und falls man ihn nochmals auf einen heißen Diskussionsstuhl setzt, bei dem es um die Kunst im Dreieck von Verwaltung, Bürger und Kunstschaffenden geht, wird er seine Worte sicher noch einen Tick sorgfältiger abwiegen.

Marta Cencillo Ramirez hat dies nicht nötig. Sie kennt die Bilder von Ulrich Wilhelm Röpke bis ins letzte Detail. Nur mit einem kleinen Spickzettel bewaffnet, referierte sie frei und gestenreich über Techniken und Ergebnisse der intensiven Auseinandersetzung mit der Ölfarbe auf unbehandeltem Leinengrund. Sie sah die Farbe als Materie, als Ursuppe, der vom Künstler Leben eingehaucht wird. Leid und Verletzlichkeit findet man in den Bildern ebenso wie den offenen Blick, der dem Betrachter den Weg bis tief ins Innerste, in die Seelenlandschaft des Abgebildeten weist.

Bei Jan Zeitler sah man ein Blümchen und ein schraffiertes Horb, bei Ulrich Röpke Farbexplosionen und Pinkler, bei denen sich der Betrachter schämt, dass er dem Pinkler beim Pinkeln zuschaut. Zwei völlig konträre Ansätze und doch lagen beide Maler – der eine ist im Hauptberuf Zahnarzt, der andere Bürgermeister – vom künstlerischen Grundstein her auf einer Ebene – zumindest dann, wenn man einem Zitat von Röpke folgt: "Ich mag die Idee, Bilder zu malen, die es irgendwie und irgendwo schon gibt und von denen man nicht weiß, warum sie noch einmal gemalt werden". Röpke interpretiert Klassiker der Kunstgeschichte in seinem Stil um und Zeitler malt Blumen, Horb und die Sonne – wie selbstverständlich in die rechte Ecke des Bildes. Alles schon mal dagewesen und doch neu. Röpke und Zeitler – eine Maler-Duo, das Pep in die Ausstellung und deren Eröffnung brachte.

Und für Zeitlers – nennen wir’s bildnerisch, kreativen Einsatz –, bekam Horb ein wunderbares Geschenk vom Kunstverein. Der Verein lässt die inzwischen verblassten Farben der Skulptur "Neckarblühen, die an ihrem exponierten Platz die meisten Horb-Besucher begrüßt oder verabschiedet, in neuem Glanz erstrahlen. Horb bekommt somit ein tolles Geschenk, die Verwaltung zieht mit, denn Jan Zeitler gab spontan die Genehmigung für die Aufstellung eines Gerüstet und die Kunst bekommt ein neues Kleid – und so schließt sich das Dreieck von Verwaltung, Bürger und Kunstschaffenden. Vernissage einmal ganz anders.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.