"Rexingen könnte auch als Wohnlage für Stuttgarter interessant sein", sagt der freie Architekt Martin Wypior. Foto: privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Entwicklungsplaner aus Stuttgart berät Rexinger / Idee des Rexingen-Tags schon einmal umgesetzt

Horb-Rexingen. Der freie Architekt Martin Wypior aus Stuttgart hat Rexingen auf seinem Weg zur ELR-Schwerpunktgemeinde begleitet. Er hat die Idee des Aktionstages, der am Sonntag, 27. September, in Rexingen stattfindet, entwickelt. Im Interview spricht er über das Potenzial Rexingens, als Wohnlage für Menschen aus dem Stuttgarter Ballungsgebiet.

Herr Wypior, am Rexingen-Tag sollen Interessenten für Immobilien – oft sanierungsbedürftig – in den Ort gelockt werden. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich habe das schon einmal umgesetzt in Laudenbach bei Weikersheim (Main-Tauber-Kreis). Auch dort habe ich bei der örtlichen Entwicklungsplanung beraten, dazu gehört die Einbindung von Eigentümern. Ein Eigentümer, der verkaufen wollte, hat mir gesagt: Wie sollen die Leute mein Haus überhaupt finden? Deshalb haben wir gesagt, wir müssen mit einem Aktionstag Interessenten gezielt in den Ort einladen. Das kam gut an, etwa 1000 Besucher dürften im Juni 2014 nach Laudenbach gekommen sein. Wie viele sich wirklich für die Häuser interessieren, wissen wir natürlich nicht.

Hat der Aktionstag dort den erhofften Erfolg erbracht?

Das ist nicht wie beim Tag der offenen Tür im Autohaus, wo man gleich den Kauf in die Wege leitet. Der eigentliche Erfolg war, dass sich die Leute viele Gedanken gemacht haben, wie der Ort attraktiv sein kann – für sie selbst und andere.  

Warum braucht es einen aufwendigen Aktionstag, um Interessenten anzulocken?

Für eine größere Auswahl an Häusern fährt man eher mal eine lange Strecke in ein Dorf. Außerdem sorgt der Tag dafür, dass sich Eigentümer, die ihr Haus bisher noch gar nicht zum Verkauf angeboten hatten, aufraffen. Sie bieten ihr Haus dann probeweise an. Solche Fälle sind auch in Rexingen dabei. Das heißt, die Häuser sind ganz neu auf dem Markt. Das ist attraktiv.

Wie beurteilen Sie als Fachmann die Immobilien, die in Rexingen angeboten werden?

Die Spanne ist groß. Da sind Häuser dabei, die ab sofort bewohnbar sind, andere sind erst mal sanierungsbedürftig. Es ist ein Einfamilienhaus dabei, aber mit dem Café Göttler auch ein Objekt mit mehreren Wohnungen und einem Laden. Das ist dann eher was für Investoren. Dann wird noch eine ehemalige Zimmerei angeboten – wer die nicht nutzen will, könnte sie abreisen und hätte einen tollen Bauplatz mit Blick übers Neckartal.

Was für Leute erwarten Sie als potenzielle Interessenten beim Rexingen-Tag?

Zum einen habe ich gemerkt, dass es eine große Nachfrage seitens handwerklich begabter Leute gibt, die Häuser kaufen, herrichten und dann vermieten oder wieder verkaufen. Rexingen könnte aber auch als Wohnlage für Stuttgarter interessant sein. In Stuttgart ist der Immobilienmarkt total überhitzt. Es gibt zu wenig Wohnraum. Das gilt auch für die ganze Region um Stuttgart herum, die Probleme reichen ein ganzes Stück nach Süden, in die Kreise Böblingen und Tübingen. Bis Horb reicht es noch nicht. Dabei fahre ich unter einer Stunde von Stuttgart nach Rexingen.

Die Fragen stellte Lena Müssigmann.

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