Grüner Verkehrsexperte unterstreicht jedoch Stellenwert der Hochbrücke. Radweg in der Diskussion.
Horb - Dass sich in einer Stadt, die noch auf lange Sicht den Verkehrsströmen durch den Talkessel ausgesetzt ist, variantenreich und emotionsgeladen, aber doch ergebnislos über Verkehrspolitik diskutieren lässt, das weiß der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzender des Arbeitskreises Verkehr der Grünen im Landtag spätestens seit Montagabend.
Kristina Sauter eröffnete das zweistündige Forum, bei dem Andreas Schwarz zu Gast war, mit der Feststellung, dass nachhaltige Mobilität nicht nur für Baden-Württemberg wichtig sei, sondern ein wegweisendes Thema in der gesamten Bundesrepublik darstelle. "Von der fußläufigen Anbindung bis zum ICE brauchen wir gute Verkehrsverbindungen", lautete ihre Forderung. Sie betonte, dass die grüne Politik nicht immer die bequemste Variante, dafür aber die ehrlichste Auseinandersetzung mit den verkehrspolitischen Fragen darstelle und wunderte sich darüber, dass derzeit Politiker der CDU und FDP den Gesehenvermerk für die Horber Hochbrücke als ihren Verdienst feiern, obwohl die Brücke ursprünglich von Grün-Rot auf die Agenda gebracht worden sei. Der jetzige Verkehrsminister Winfried Hermann und die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Gratistanac seien daran maßgeblich beteiligt gewesen, berichtete Sauter den knapp 20 Zuhörern, die sich im "Goldenen Adler" trafen.
Sie betonte, dass man zu diesem wichtigen Gesprächs-Thema auch die Vertreter des Kreises sowie den Landrat eingeladen habe, aufgrund der Urlaubszeit jedoch niemand zugesagt hätte. "Verkehrsfragen interessieren in Horb sowieso nicht", kommentierte ein Zuhörer das komplette Fehlen der Horber Stadtverwaltung sowie der Gemeinderäte, die bis auf Dieter Rominger-Seyrich durch Abwesenheit glänzten.
Nach diesem "Grüß Gott der besonderen Art" gab der 34-jährige Verwaltungsjurist Schwarz, der einer Einladung des Freudenstädter Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen und deren Bundestagskandidaten Dietmar Lust aus Glatten gefolgt war, einen Abriss über den politischen Rahmen der geplanten Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen im Land.
Das vielleicht wichtigste Kapitel des Abends war jedoch die zukünftige Straßenbaupolitik des Landes und des Bundes. "Erhalt vor Neubau, Ausbau vor Neubau" gilt als oberste Prämisse in Baden-Württemberg. Man werde sich auf dringliche Maßnahmen konzentrieren, die aufgrund transparenter Entscheidungen auf fachlicher Grundlage, der neu eingeführten Priorisierung, in die Wege geleitet werden. Aktuell sind 160 Straßenprojekte mit einem Finanzvolumen von 9,4 Milliarden im Maßnahmenpool des Bundesverkehrswegeplanes. "Die Horber Hochbrücke ist eines dieser Projekte, die im vordringlichen Bedarf mit besonderem naturschutzfachlichen Auftrag in der Kategorie C angesiedelt sind", erklärte Schwarz. Wann die Brücke jedoch realisiert wird, dass entzog sich auch seinen Kenntnissen, gab er zu.
Im Rahmen der Diskussions- und Fragerunde spielte die Brücke jedoch eine entscheidende Rolle. Ob die Anlieger an der vielbefahrenen B14, der Neckarstraße, irgendwann eine Alternative zu Feinstaub und dem Lärm von täglich 20.000 Autos bekommen, hängt für viele Horber einzig und allein von diesem mit 48 Millionen Baukosten angesetzten, zwei Kilometer langen Großprojekt über den Neckar ab. Was nutzt den B14-Anliegern die Gewissheit, dass man aufgrund erhöhter Feinstaubwerte eine Umweltzone einrichten könnte, wenn man den Verkehr nicht umleiten kann? Tempo 30 km/h oder LKW-Nachtfahrverbot durch den Talkessel sind vermutlich nur schwer realisierbar, schätzte Verkehrsexperte Schwarz auf Nachfrage, da überall Autos fahren, die Krach machen und überall Kinder auf den Straßen spielen. "Horb ist hier keine Ausnahme."
Und dann durfte bei den Horber Grünen natürlich nicht das Thema Radweg fehlen. "Ein Radweg würde den Bau der Hochbrücke nicht gefährden", erklärte Schwarz auf Nachfrage von Sauter. Lediglich der Baulastträger würde diese Zusatzoption nicht bezahlen, so stehe es sinngemäß im Kommentar zum "Gesehenvermerk" vom 23. Juli 2013. "Wenn sie also jemand finden, der ihnen den Radweg bezahlt, wäre das toll für sie", sagte er abschließend, bevor er eiligst Richtung Bahnhof entschwand, denn die letzte Gäubahn fuhr pünktlich um 21.20 Uhr ab.