Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Der Linolschnitt als Lieblingsfeind

Von
Ein künstlerisches Quartett: Ursel Bähr, Günter Baumann, Robert Förch und Meisterschüler Norbert Stockhus (von links) freuen sich über eine gelungene Ausstellungseröffnung. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Peter Morlok

Horb. Vernissagen von Kunstvereinen haben ihre Gesetzmäßigkeiten und sind doch immer völlig unterschiedlich. Dies zeigte sich am Sonntagvormittag sehr deutlich bei der Eröffnung zur Werkschau des 83-jährigen Künstlers Robert Förch. Freunde des Künstlers reisten nach Horb, mischten sich unter die Besucher, die sonst jedesmal kommen; man kam ins Gespräch, erinnerte sich an längst zurückliegende Ereignisse und frischte Momente früherer Begegnungen auf. Die große "Förch-Familie" traf sich im kleinen Horb und eigentlich war’s wie immer – nur eben anders.

Der große Saal der Galerie des Kunstvereins Oberer Neckar im Obergeschoss des Klosters wurde schnell noch bestuhlt, damit man wenigstens einem Teil der oft recht betagten Besucher Sitzplätze anbieten konnte, und wer nicht mehr in den Saal reinpasste, hörte sich die Begrüßungsworte von Ursel Bähr und Günter Baumann vom Gang aus an.

"Originalgraphiken und Zeichnungen aus sechs Jahrzehnten" wurde die Ausstellung betitelt, in der der als Grafiker und Zeichner bekannt gewordene Mann 75 Arbeiten, die in unterschiedlichen Techniken entstanden, präsentierte. "Förch war es, der es schaffte, dem Linolschnitt in beindruckender Weise eine solch malerische Wirkung abzutrotzen, dass die Folgegenerationen das Linoleum lieber wieder abstrakt bearbeitete". Dieses Zitat aus der Laudatio des Stuttgarter Kunsthistorikers Günter Baumann ist eigentlich für Jeden, der im Kunstunterricht mit Linolschnitt gequält wurde, sofort nachvollziehbar.

Jeder Anlauf, irgend etwas auch nur einigermaßen Ansehnliches am Ende der Schulstunde aufs Papier drucken zu können, scheiterte in der Regel an den Widerständen des Materials, der eigenen Unzulänglichkeit, das Schnitzmesser rechtzeitig auszubremsen, bevor es durchs Material in den Hand rutschte, oder einfach an der Vorstellungskraft und dem bildlichen Sehen, die beide unverzichtbarer Bestandteile sind, wenn man ein Negativmuster ins Material schneiden wollte. Schaute man sich dagegen die Bilder des Professors an, bei dem beispielsweise auch Norbert Stockhus studierte, dann ist das Baumann-Zitat mehr als nur nachvollziehbar. Alle Bilder dieser Ausstellung, ob im Linolschnitt, als Lithografie, Zeichnung, Radierung oder im Prägedruck entstanden, überzeugen durch ihre Natürlichkeit.

Die teils federleicht erscheinenden Pastelldrucke, denen man die schwere Handarbeit, in der sie entstanden, nicht ansieht, laden geradezu zu einer Reise nach Italien ein. Sie stehen mit ihrer Fragilität im Kontext zu den düster wirkenden, meist einfarbigen Mauern und Hausansichten aus den Anfangszeiten von Förch. Günter Baumann formuliere daraus die Erkenntnis: "So ist das Thema seines Schaffens rasch gefunden: Orte. Förch nähert sich ihnen nicht mit den Augen des Touristen, der die baulichen Highlights abklappert, sondern mit dem Blick des Künstlers, der zu finden hofft, was er im tiefsten Inneren bereits gesehen hat – einen Spiegel seiner selbst." Und Baumann weiter: " Die Orte dieser Welt sind voller Überraschungen. Robert Förch spürt ihnen nach, in den heimatlichen Gefilden oder am gedachten Ende der Welt, wo sich der Kontinent nach außen öffnet wie durch ein Fenster. Nicht nur der Stein hat es dem Künstler angetan, als Sinnbild der Natur und – in der architektonischen Verbauung – als Sinnbild der Kultur. Auch das Wasser übt seinen Reiz auf ihn aus: an der Atlantikküste oder an der Loire, in der Wattlandschaft von Sylt oder am irischen Meer". Förch war nicht nur ein Weltreisender auf der Suche, sondern auch ein guter Freund des Altheimer Künstlers Alfred Appenzeller, in dessen Atelier er ein und aus ging. "Sein Bild ›Altheim‹ habe ich in meinem Arbeitszimmer hängen", erklärte Andreas Bronner, der die Gelegenheit nutzte, zusammen mit seiner Frau Claudia den Künstler im Rahmen dieser Vernissage zu begrüßen.

"Originalgraphiken und Zeichnungen aus sechs Jahrzehnten" ist eine Werkschau, die diesen Namen wirklich verdient. Die Retrospektive ist zu den üblichen Öffnungszeiten (Samstag und Sonntag 15 Uhr bis 18 Uhr) noch bis zum 27. Juli in der Galerie des Kunstvereins Oberer Neckar zu sehen.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.