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Horb a. N. Der doppelte Monsieur und die Adelsfrage

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Porträt des Antoni Gerbert im Horber Stadtmuseum. Der standesbewusste Handelsherr und Stadthauptmann von Horb, legte sich den Adelstitel selbst zu mit dem Verweis auf die in den Reichsadelsstand berufene schlesische Verwandtschaft, die dieselbe Abstammung besaß. Foto: Kultur- und Museumsverein Foto: Schwarzwälder Bote

Im ersten und zweiten Teil der historischen Abhandlung ging es um die Aufsteigerfamilien Gerbert und die ebenfalls aufstrebende Familie Liesch, die eine Verbindung eingingen. Denn Martins Sohn Johann Gerber heiratete Euphemia Liesch. Ihr Bruder Johann Jakob Liesch und seine Frau Klara hatten sieben Kinder – unter anderem Johann Balthasar, der Kirchen-Karriere machte und Grausamkeit in der Hexen-Verfolgung zeigte.

Ho rb. Das bischöfliche Fürstentum Neisse zählte unter den 17 Erbfürstentümern Schlesiens zu den reichsten. Der langjährige Besitz reicher Pfründen und der höchsten kirchlichen Ämter des Landes hatten Johann Balthasar Liesch von Hornau, Weihbischof in Breslau und Titularbischof von Nicopolis in Armenien, ansehnliche Güter sammeln lassen. Aufgrund seines Vermögens rief er mehrere Stiftungen ins Leben.

In Breslau sorgte die "Lieschianische Stiftung" für den Unterhalt von zwölf Klerikern, die in eigenem Hause nach gemeinsamer Regel lebend, die Vikarien bei den Gottesdiensten in der Dom- und in der Kreuzkirche unterstützen sollten. In Neisse hinterließ er den Armen- und Krankenanstalten ansehnliche Summen.

Den Riedlinger Kapuzinerkonvent, dem sein Bruder Hans Jacob angehörte, unterstützte der Breslauer Weihbischof mit stattlichen 1700 Gulden beim Bau des neuen Kapuzinerklosters.

Seine drei Schwestern unterstützte der Bistumsadministrator ebenfalls in vielfältiger Weise. Maria Martha wurde Priorin im Breslauer Dominikanerinnenkloster St. Katharina. Maria Barbara verheiratete sich mit dem schlesischen Freiherren Adam Leopold Printz von Buchau. Für seinen Schwager, den bischöflich breslauischen Rat und Landeshauptmann des Fürstentums Neisse, richtete Johann Balthasar Liesch aus seinen 1635 erworbenen Gütern Kühschmalz und Zindel ein Familienfideikommiss ein.

Die Schwester Anna Margaretha ehelichte Johann Christoph Metzinger von Kaltenstein, den Hofkanzler des Erzherzogs Karl von Österreich. Zusammen mit dem verschwägerten Bistumsadministrator machte dieser eine Stiftung an das Jesuitenkollegium Glatz, die bürgerlichen und adligen Studenten ein Stipendium gewährte. Von solch einem Stipendium profitierte Johann Franz Albrecht von Gerbert und Hornau, der ältere Bruder des Fürstabts, der seine ersten Studienjahre von 1719 bis 1721 bei den Jesuiten in Glatz verbrachte.

1651 löste der Breslauer Bistumsadministrator die infolge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges auf 5000 Gulden angewachsenen Steuer- und Kontributionslasten ab, die auf der Hornau ruhten. Er überließ das Rittergut mit "Sitz, Zugehör, Gebäuden, Häusern, Scheuern, Hofraiten, Gärten, Weihern, Halden" zwei Jahre später den noch vorhandenen Erben der Familie Liesch von Hornau, die allerdings kein Interesse mehr an dem Besitz zeigten.

Magistrat erwirbt das Hornaugut und lässt es abreißen

Im Jahr 1660 verkauften der Offenburger Stettmeister Johann Schenk und der badische Keller Adam Gendt, deren Ehefrauen der Familie Liesch entstammten, als Erbenverwalter das Hornaugut für 1600 Gulden an die Stadt Horb. Das Ende der Hornau ging ziemlich schnell über die Bühne, da es der Horber Magistrat offenbar sehr eilig hatte, den im Stadtgebiet als Fremdkörper empfundenen Adelssitz von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Bereits einen Monat nach dem Kauf beschloss der Stadtrat, "dass das Hornauische Schloß und Gebeuw ohneingestelt abgebrochen" werden sollten.

Johann Balthasar Liesch von Hornau starb nach längerer Krankheit am 13. September 1661 in Neisse und wurde in der dortigen St.-Jakobs-Kirche bestattet. Sein Epitaph zeigt die etwas gedrungene Gestalt des Verstorbenen, ein Kruzifix in der Rechten, Buch und Rosenkranz in der Linken, den Bart etwas geckenhaft gekämmt, als Halbfigur lebensgroß in poliertem Rahmen. Das Breslauer Kapitel setzte ihm in der Domkirche am Pfeiler zwischen der Elisabeth- und der Mansionarienkapelle ein Denkmal mit einer Büste aus grauem Marmor.

Angesichts der zur Zeit der Hexenverfolgungen lebensbedrohlichen Horber Mischung aus Missgunst, Neid, Habgier und Herrschsucht wanderten auch die Nachkommen des Johannes Gerber und der Euphemia Liesch vom westlichen an das östliche Ende des Habsburgerreiches ab, wo ihr Vetter Johann Balthasar Liesch von Hornau im Zuge der Gegenreformation eine große Karriere gemacht hatte.

So kam dessen vornamensgleicher Vetter Johann Balthasar Gerber als Domprobst nach Breslau, und seine Schwester Maria Jacobine Gerber stieg dort zur Äbtissin des fürstlichen Jungfrauenstifts St. Clara auf. Zum Stiftsverwalter des schlesischen Erbfürstentums Brieg, das 1675 an die Krone Habsburgs gefallen war, brachte es der Vetter Johann Franz Gerber, der im Juni 1686 von Kaiser Leopold I. per Diplom eine Wappenverleihung in besserer Form erhielt und nun als von Gerbert und Hornau zum Reichsadelsstand gehörte.

Sein Sohn Johann Franz Albrecht von Gerbert und Hornau verheiratete sich mit Ludovica Freiin von Fitschen, die einem mährisch-böhmischen Freiherrengeschlecht entstammte, das vornehmlich in der Grafschaft Glatz begütert war. Sie trat zwischen 1706 und 1718 in Abwesenheit als Taufpatin der älteren Geschwister von Fürstabt Martin II. Gerbert in Erscheinung.

Mit dem in Prag geborenen Garnisonsauditor Wilhelm Ritter von Gerbert und Hornau erlosch dieser mittlerweile dem böhmischen Adelsstand angehörige Familienzweig im Jahr 1842. Den Titel "Gerbert von Hornau" übernahm ein Mitglied aus dem Rottenburger Zweig der Horber Familie Gerber, der als österreichischer Rittmeister im Husarenregiment 7 in Linz an der Donau diente. Nachfahren aus dieser Linie leben heute noch in Österreich.

Fürstabtvater zeigt sich als Persönlichkeit von exponiertem Stand

Das um 1700 entstandene Porträt des Fürstabtvaters Antoni Gerbert belegt in barocker Manier, dass sich der angesehene Handelsherr und Stadthauptmann von Horb den erneuerten Adelstitel der schlesischen Verwandtschaft mit dem Verweis auf dieselbe Abstammung gleichfalls zugelegt hatte. Der Porträtierte zeigt sich im Horber Stadtmuseum als Persönlichkeit von exponiertem Stand in reicher, silberbestickter Kleidung mit kostbarem Gürtel und Degen nebst silberdurchwirktem Griff. Er hält einen Zettel in der Hand, der ihn auf Französisch zeittypisch eindeutig identifiziert: "Monsieur Monsieur Antoine de / Gerbert et Hornau Capitai(ne) / de la Ville Horb." Das doppelte "Monsieur" sollte jedenfalls seinen adeligen Stand betonen.

In einem Hand- und Reisebüchlein, mit dem sich der ältere Bruder des Fürstabts auf seiner Reise nach Glatz in der Fremde ausweisen und legitimieren konnte, ließ sich der Vater "Antonio de Gerbert et Hornau“ mit einer 1719 in Latein verfassten "Attestatio" von dem Stiftskanoniker Joseph Steinwand und dem Horber Notar und Stadtschreiber Franz Joseph Erath bescheinigen, dass er wie die geadelte schlesische Verwandtschaft aus demselben Stamm hervorgegangen und blutsverwandt sei.

Die Innenseite des Büchleins ziert ganzseitig das farbig gemalte Wappen derer "von Gerbert und Hornau", das Kaiser Leopold I. 1686 in besserer Form zusammen mit dem Adelsdiplom ausstellen ließ. Es zeigt im quadrierten Schild auf rotem Grund einen halben silbernen Widder, der einen grünen dreiblättrigen Zweig hält, sowie auf silbernem Grund drei auf einem grünen Dreiberg stehende Rohrkolben. Im Herzschild wie auch auf der Brust des die Helmzier krönenden schwarzen Adlers findet sich als redendes Wappenbild das silberne Jagdhorn der Hornau.

Das erste in Horb 1706 geborene Patenkind der aus mährisch-böhmischem Adel stammenden Patentante Ludovica Freiin von Fitschen trug sicherlich nicht ohne Absicht genau dieselben Vornamen wie deren Ehegatte Johann Franz Albrecht Ritter von Gerbert und Hornau. Die Namensänderung der Horber Familie Gerber bewerkstelligte jedenfalls nicht der Fürstabt von St. Blasien. Sie erfolgte bereits durch seinen Vater eine Generation früher in Anlehnung an die schlesische Verwandtschaft, die 1686 mit der Ritterwürde bedacht worden war.

Der Familienname des Fürstabts Martin II. Gerbert von Hornau geriet in den Hintergrund, als dieser im Spätsommer 1736 in das Benediktinerkloster St. Blasien eintrat, im September 1737 die klösterliche Profess ablegte und dabei den Ordensnamen Martin annahm.

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