Petticoats und Pomade hieß das Motto in Dettingen im "Adler". Moni Francis und Buddy Olly lieferten den Sound. Foto: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote

Petticoat und Pomade: Moni Francis und Buddy Olly lassen im Gasthaus Adler die Kultur der 1950er-Jahre aufleben

Von Angela Baum

Horb-Dettingen. Moni Francis und Buddy Olly sind ein begnadetes Gesangsduo. Sie mischten am Samstag mit einer 50er-Jahre-Show das Publikum im "Adler" auf. Sie im Petticoat, er in Jeans und abgewetzter Lederjacke – so heizten sie den Zuhörern ein und legten dazu noch eine flotte Sohle aufs Parkett.

Das Publikum hatte sich teilweise ebenfalls mit Petticoat, Pomade und Kleidung im Rockabilly-Stil herausgeputzt, doch tanzten wollte keiner. Lieber zuhören, denn Songs wie "We’ve Got Married In a Fever" oder "Ich will keine Schokolade" performten die beiden Akteure zum Dahinschmelzen. Auch "schöner fremder Mann" holte die Zeit der 1950er-Jahre zurück. Zwischen den Songs plauderten Moni Francis und Buddy Olly aus dem Nähkästchen, erzählten etwa aus ihrer Vergangenheit, die sich angeblich teilweise in Grabenstetten abgespielt haben muss, oder hatten Anekdoten aus der Zeit der Pomade und Petticoats parat. Schlagerperlen der 50er- und 60er-Jahre wurden an diesem tollen Abend wieder zum Leben erweckt, allen voran Songs von Elvis Presley, etwa "Always On My Mind" oder das legendäre "Fever". Hier sang Moni Francis eine deutsche Adaption, die von Fieber und einem Blasenkatarrh handelt, "Fieber – je länger je lieber, Fieber – und ein Kribbeln im Bauch".

Irgendwann gestand Moni Francis, dass sie neidisch auf den Bizeps der Männer ist, doch sie geizte nicht mit ihren eigenen Reizen – in einer Strip-Persiflage ging sie schließlich mit Mütze, warmen Socken und Pantoffeln von der Bühne ab. Zuvor entledigte sie sich lasziv ihres Leopardenmantels, sodass einige Männer im Publikum schon mit der Zunge schnalzten. Doch wer sich mehr erhofft hatte, wurde enttäuscht, denn sie zog sich warme Sachen drüber. Man erfuhr auch, dass der ursprüngliche Rock ‘n’ Roll eine Rebellion der Jugend war, die sich gegen das Spießbürgertum gewehrt hatte. "Rock ’n’ Roll war Emotion, war laut, aggressiv und obszön", erklärte Buddy Olly. Doch der eigentliche Rock­ ’n’ Roll fand bereits in den 1940er-Jahren von schwarzen Musikern statt. Launige Sprüche wie "Damen tragen Kleider, Männer die Kosten" lockerten den Abend auf, und das Publikum erfuhr sogar, was sich hinter der Zölibatsklausel verbarg: So durften verheiratete Frauen in den 50er-Jahren nicht arbeiten, und wenn, dann nur mit Genehmigung ihrer Ehemänner. Bis spät am Abend wurde im "Adler" getwistet, flogen Petticoats und auch der Be-Bop wurde wiederbelebt. Mit "Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Darling" und "Johnny Be Good" endete die musikalische Zeitreise in die 1950er-Jahre und in die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders.

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