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Horb a. N. Coronakrise: Betriebe blicken mit Sorge in Zukunft

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Die Bäckerei Saur verkauft ihn ihrem Geschäft in Empfingen auch waren der Walz-Mühle aus Altheim. Foto: Lück

Eutingen/Empfingen/Horb - Es sind gespenstische Szenen in der Raumschaft: Zwei Securitys im Auftrag der Deutschen Bahn bewachen den menschenleeren Vorplatz des Horber Bahnhofs. Das Ordnungsamt läuft Streife auf der Panoramastraße. Blumenhändler Gerhardt in Empfingen räumt die Pflanzen ein.

Malermeister Martin Killing steht im Stillarbeitszimmer der Lehrer im MGG. Anatoli Semke ist gerade dabei, die Wand zu streichen. Killing sagt: "Wir sind froh über jeden Tag, an dem wir noch arbeiten können!"

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Sogar auf dem Bau ist die Stimmung schon ernst. Obwohl die Auftragsbücher voll sind. Killing: "Ein Heizungsbauer hat seine Mitarbeiter in Überstunden geschickt. Ein Fliesenleger hat mir gesagt, dass er nicht weiß, wie lange es noch geht. Weil er hauptsächlich italienische Fliesen verarbeitet. Wir haben auch einen Auftrag in der Kaserne in Stuttgart – ich weiß nicht, wie lange meine sechs Mitarbeiter dort noch reindürfen. Inzwischen habe ich meinen Mitarbeitern ein paar Szenarien aufgestellt, wo sie in welchem Falle ihr Geld herbekommen. Einem Kollegen, der Hallenbodenbauer ist, wurden drei Aufträge abgesagt. Weil sich die Kommunen die Hallen für Not-Hospitäler vorhalten wollen. Man merkt, die Schlinge zieht sich zu. Möglicherweise weniger Aufträge aus der öffentlichen Hand, die Frage: Wie lange bekommen wir noch unser Material?"

Gut: Das Rathaus hat nach den Schulschließungen letzte Woche Killing den Auftrag gegeben, Aufträge, die eigentlich in den Osterferien laufen sollten, vorzuziehen.

Killing: "In unserer Branche würde ich die Lage insgesamt trotzdem als stabil sehen. Die Krisen der Vergangenheit haben gezeigt: Auf dem Bau wird nach der Krise ein bis anderthalb Jahre alles abgearbeitet, dann kommt erst das große Loch!"

Bäcker Tobias Plaz aus Eutingen hat den Sonntag damit verbracht, seinen Web-Shop neu aufzustellen: "Seit dem Wochenende haben wir eine ganz neue Situation. Die Kunden sind verunsichert, was sie überhaupt noch dürfen. Dabei ist klar: Bäckereien und Metzgereien sind weiterhin offen. Ich hoffe, unsere Kunden sind sich bewusst, dass sie mit jedem Einkauf oder jeder Bestellung bei uns dabei helfen, die Hoffnungen unserer 25 Mitarbeiter nicht zu enttäuschen!"

Kurzarbeit trifft auch Bäckerei

Plaz zeigt auf das Schild: "Eingangstür bitte immer freihalten". Sagt: "Das Thema Kurzarbeit trifft uns auch. Gerade in der Konditorei – weil die ganzen Kommunionen und -firmungen jetzt abgesagt sind. Ein Stück Kuchen, Brot und Backwaren bei uns darf man immer kaufen!"

Auf nach Empfingen. Hier steht Mathias Saur – Bäcker-Kollege von Plaz – in der Filiale. Mit der Kollegin Xenia Hauck hat er den Café-Bereich komplett umgestaltet: Ein Riesen-Tisch mit Mehl der Walz-Mühle aus Altheim, Eier vom Geflügelhof Nisch und Milch von Hofgut – einer Molkerei aus dem Hohenloschen. Saur: "Da wir die Cafés nicht mehr öffnen dürfen, verkaufen wir jetzt hier die Ware von unseren Kooperationspartnern. Aus Solidarität, denn wir halten auch in der Krise zusammen!"

In der Filiale Wilhelmsplatz in Horb wird gerade noch gemalert, doch auch hier sollen die Waren der Saur-Lieferanten verkauft werden. Saur hofft natürlich, dass die Kunden den Appell seines Kollegen Plaz ernst nehmen und weiter bei ihrem Stamm-Bäcker einkaufen.

Gegenüber sehe ich Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner an seinem Hochschreibtisch im Arbeitszimmer. Ich rufe ihn, er winkt aus dem Fenster. Sagt: "Ich sortiere gerade die Angebote für die 1250-Jahr-Feier von Empfingen. Auch wenn die Welt untergehen sollt – ich glaub an die Zukunft!"

Gegenüber räumt Blumenhändler Alexander Gerhardt gerade die Pflanzen vor dem Schaufenster weg. Die Stimmung bei ihm – zwischen Verzweiflung und Gelassenheit.

Gerhard in der ersten Reaktion: "Es ist Feierabend bei mir. Noch vier Wochen, dann muss ich zumachen. Ich weigere mich, mir Obst- und Gemüsekisten in den Laden zu stellen, damit ich weiter aufhaben darf."

Blumenhändler hofft auf Lieferaufträge

Doch dann kommt der Kämpfergeist beim Blumenhändler raus. Gerhardt: "Ich kümmere mich jetzt darum, meinen Lieferservice aufzubauen. Ich bin auch froh, dass mein Vater mit den Wochenmärkten angefangen hat –­ das werden wir jetzt hochfahren! Zwar war letzte Woche in Freudenstadt weniger los, dafür haben die Menschen aber mehr gekauft. Ich hoffe darauf, dass jetzt – angesichts des Besuchsverbotes – mehr Angehörige auf die Idee kommen, ihren Eltern oder Großeltern Blumen zu schicken. Dorthin darf ich liefern. Und ich kann auch den passenden Text in die Geschenkkarte drucken!"

Thomas Müller, Stiftungsdirektor der Spitalstiftung Horb und damit auch verantwortlich für zwei Pflegeheime in Horb: "Das ist eine tolle Sache. Bei uns – und wahrscheinlich allen anderen Pflegeheimen – ist das natürlich möglich. Damit können sie den Bewohnern garantiert eine Freude machen!"

Im KÖ23 sitzt Bernd Rausch. Der Gastronom: "Es ist überwältigend. Am Sonntag hatte ich so viel Stress wie noch nie. Weil der Solidaritätsaufruf der SG Mühlen/Ahldorf und anderer Vereine meinen Lieferdienst und Abholservice richtig in Schwung gebracht haben. Ganz toll. Für Donnerstag habe ich selbst gemachte Maultaschen, eingeschweißt in Folie und Hähnchenschenkel im Angebot. Da habe ich schon 400 Vorbestellungen. Klasse. Bitte schreib das in die Zeitung: Damit will ich meinen Gastro-Kollegen Mut machen, auch ihren Lieferdienst- und Abholservice aufrecht zu erhalten!"

Die Metzgerei Blocher in Empfingen meldet auch: "Der Lieferservice läuft sehr gut!"

Für Rausch ist jetzt schon klar: Wenn die Krise vorbei ist, wird es bei mir nur noch einheimische Biere geben. Schon jetzt hol ich mein Brot beim Plaz, die Kartoffeln und Eier vom Straub, das Fleisch vom Metzger Simon Klink und das Gemüse von Gaiser. Gerade jetzt in der Krise müssen wir uns in der Region gegenseitig unterstützen und stark machen. Ich habe auch so tolle Jäger in Mühringen oder Mühlen – auch die gehören unterstützt!" Bäcker Plaz hatte dem Reporter erzählt, das teilweise schon die Hefe knapp wurde. Mathias Saur: "Dann kann Tobias bei mir anrufen – ich helf ihm."

Die Corona-Krise in Horb. Sie lässt die Menschen zusammenrücken.

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