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Horb a. N. Corona-Krise: Mittelalter-Fest in heimischen Garten verlegt

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Mittelalter-Fest im heimischen Garten. Foto: Morlok

Horb - Seit genau 20 Jahren treffen sich Menschen mit einem Faible für das Mittelalter in der Ritterspiel- und Tuchmacherstadt Horb.

Das "Forum für Gewandete", wie sie sich selbst nennen, trifft sich eigentlich immer im März, doch auch den Freunden alter Sitten und Gebräuche aus längst vergangener Zeit hat das Corona-Virus heuer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachten sich Michael Widmann, Chef der Horber Tuchwebery und seine Partnerin Sylvia Lippmann, die beide Spaß am gelebten Mittelalter haben und auch schon mal auf Mittelalter-Märkten im Süden von Baden-Württemberg die Produkte der Tuchwebery feilbieten.

Sie luden am Samstag ihre Freunde in ihren Garten in der Schillerstraße ein. Ein sehr passender Termin, hätten doch an diesem Wochenende die Horber Ritterspiele stattfinden sollen, die aus den bekannten Gründen ja leider abgesagt werden mussten. Horb ohne Ritter, das geht eventuell. Doch Horb ohne Gewandete, das darf‘s nicht geben, dachten sich die beiden und holten den im März verschobenen Termin exakt zum richtigen Zeitpunkt nach.

Lagerleben wie vor 1000 Jahren

Zwei große Zelte – ein Küchenzelt, das scheinbar magische Anziehungskraft hatte, da jeder Gast zuerst schnurstracks dorthin marschierte – und ein Aufenthaltszelt boten genug Platz, damit sich die edlen Damen und ihre Begleiter auch Corona-gerecht auseinandersetzen konnten.

Ein Lagerfeuer brannte, wer den Hof betrat bekam eine Handwaschung und wurde mit Rosenwasser bespritzt und mit großem Hallo begrüßt. Wenn man dann noch kurz ausblendete, dass man sich im Jahr 2020 befand, dann fühlte man sich schnell um mehr als 1000 Jahre in der Zeitgeschichte zurückversetzt.

Man sah drei mittelalterlich gekleidete Marktfrauen um einen Tisch sitzen und sich das Essen offensichtlich gut schmecken lassen, das Handwerkerehepaar aus Villingen-Schwenningen, das immer zu den Treffen kommt, Besucher aus Osterburgen, Braunschweig und Heidelberg, und selbst aus der Schweiz kamen die Freunde und Kunden der Horber Tuchwebery angereist, um sich im lockeren Gespräch über so mancherlei überlieferte Geschichten auszutauschen. Themen im Forum waren beispielsweise, wie man mit Naturpflanzen die Tücher färbt oder was die mittelalterlichen Redewendungen, die man zum Teil heute noch benutzt, ursprünglich bedeuteten. Etwas "auf dem Kerbholz haben" hieß, dass man Schulden hat und das "Kerbholz" das Schuldenbuch war. Auch der Begriff "etwas auf die hohe Kante legen" stammte aus jener Zeit. Der Begriff bedeutet, dass die gut betuchten Bürger Goldmünzen oder andere Wertgegenstände auf die Holzumrandung ihres Baldachins im Schlafzimmer legten. Der Baldachin (Betthimmel) schützte die Schlafenden vor herabfallendem Ungeziefer und das Gestell des Himmels diente als Versteck für die Wertgegenstände.

Man diskutierte auch, wie viel Authentizität, sprich reine Handarbeit, im Gewand sein muss oder was man auch mal mit der "schnellen Magd", der Nähmaschine, erledigen kann. Einig war man sich, dass grundsätzlich alle sichtbaren Nähte von Hand gemacht werden und kein Stoff vom Polyester-Schaf stammt. Für ihre Kleider nehmen die Freunde des Mittelalters Naturstoffe, Baumwolle, Wolle, Leinen und vieles mehr. Man legt auch Wert darauf, die alten Regeln beim Anziehen zu beachten. So ging im Mittelalter keine Frau ohne Kopfbedeckung aus dem Haus und unter jedes Kleid gehört immer ein Unterkleid. Selbst beim Schmuck und den Verzierungen an den Gewändern wird streng auf die Gepflogenheiten der damaligen Zeit geachtet. Man legt Wert auf das Original. Fantasiekostüme sind dagegen verpönt.

Im Mittelalter wurde meist Bier getrunken

So ein Lagerleben macht natürlich auch Durst. Mit mittelalterlichen Gemischen, wie dem Tuchweber-Trunk, der aus Schlehengeist, Minze und Wasser bestand oder dem "gesüßten Bier", dem durch Vermengung mit Birnen-Quittengeist und Mirabellenwasser der Hauch der Leichtigkeit beigefügt wurde, konnte dieser gestillt werden. "Im Mittelalter trank man meistens nur Bier", wusste eine junge Maid. "Denn Bier war reiner als Wasser", schob sie die Begründung gleich hinterher.

Mit Lauten- und Harfenspiel, mit Gesang und Geschichten holten die Mitglieder des "Forum für Gewandete" an diesem besonderen Tag ein kleines Stück Mittelalter zurück nach Horb.

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Florian Ganswind

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