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Horb a. N. Bossert: Reisen ist für mich Leben

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Sibylle Bossert führt mit ihrem Mann Günter Reisegruppen durch Europa. Ihre Gehbehinderung hält die 58-Jährige nicht davon ab, mit ihren technischen Begleitern, einem dreirädrigen Fahrrad und einem Scooter, ist sie mobil. Foto: privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Sibylle Bossert (58) hat eine Muskelkrankheit und ist dadurch gehbehindert. Sich deshalb daheim verstecken? Kommt für sie nicht in Frage. "Fahrt weg, schaut euch die Welt an!", ist ihr Rat an andere Menschen mit Handicap. Sie macht vor, wie das geht.

Horb. Am 19. Mai geht es wieder los: Sibylle Bossert und ihr Mann Günter aus Nordstetten fahren in knapp 40 Tagen von Horb entlang des Jakobwegs nach Santiago de Compostela. Ihrem Wohnmobil folgen auf den geführten Reisen bis zu 15 weitere Gefährte. Seit fünf Jahren arbeitet das Paar als Reiseleiter bei einem oberschwäbischen Reiseveranstalter – sie bieten Fahrten für Ältere und Menschen mit Handicap an.

Denn Sibylle Bossert will anderen eingeschränkten Personen zeigen, was auch mit einer Gehbehinderung noch alles möglich ist. Von ihrer Muskeldystrophie, die sie von Geburt an hat, lässt sie sich nicht stoppen.

"Ich bin eine Kämpferin", sagt Bossert. Statt sich auf die Couch zu legen und sich zu schonen, macht sie das Gegenteil, möchte aktiv sein, so gut es geht. "Das ist nicht immer leicht für mich", gibt sie zu. Das Reisen bedeutet für sie Leben. Ein Reiseteilnehmer habe sie mal beim Abschied in den Arm genommen und ihr gesagt: "Meine Liebe, du bist ein Beispiel für uns alle."

Ihre wichtigsten technischen Begleiter auf Reisen: ein dreirädriges Fahrrad, ein Rollator und ein "Scooter" – so nennt sie ihr zusammenklappbares Elektrofahrzeug, mit dem sie sogar Städtetouren mitmachen kann, bei denen schon Gesunden irgendwann die Beine schmerzen. Mit ihrem Dreirad hat sie zuletzt sogar eine 38 Kilometer lange Radtour in Spanien angeleitet, während ihr Mann den Shuttleservice mit dem Auto übernommen hat. Die Teilnehmer seien baff gewesen, dass sie sich das zutraut.

Bei den Reisen unter Leitung der Bosserts ist jedes Paar im eigenen Wohnmobil unterwegs. "Wir vermeiden Autobahnen, die Leute sollen ja was sehen." Zunächst haben sie Sizilien und Sardinien bereist. Dann kam die Idee mit dem Jakobsweg auf.

Den Jakobsweg, eine der berühmtesten Wanderrouten weltweit, wollte Sibylle Bossert schon lange mal bereisen. "Ich wusste, ich kann den nie laufen", sagt sie. Deshalb hat sie mit ihrem Mann entlang des Weges eine Route auskundschaftet, die fürs Wohnmobil geeignet ist. Ihr gehe bei der Fahrt durch die französischen und spanischen Landstriche das Herz auf. "Es geht eine Faszination von dem Weg aus", sagt sie.

In den Reisegruppen sind laut Bossert oft Paare, bei denen ein Partner noch fit ist, der andere aber schon Probleme hat, mit den Knien zum Beispiel.

Wenn jemand bei einer Wanderung oder Radtour zurückbleibt, lässt Sibylle Bossert die Person nicht allein. "Und wenn man nur gemeinsam Kaffeetrinken geht", sagt sie. Das Gefühl des Zurückgelassenwerdens will sie niemandem geben.

Auch dieses Jahr startet die Jakobsweg-Tour in Horb, wo die Teilnehmer aus ganz Deutschland in Horb. "Für die Leute ist das richtig toll", sagt Bossert. Während der fünf Reisewochen ist ihr Leitspruch "Es ist wichtig, dass man nicht nur das Ziel im Auge hat, sondern auch den ganzen Weg." Wenn sie mit der Reisegruppe in der Wallfahrtsstadt Santiago de Compostela angekommen ist, spürt Reiseleiterin Sibylle Bossert immer Erleichterung, alle Leute sicher ans Ziel gebracht zu haben.

Weitere Informationen: Der Jakobsweg in zwei Reiseabschnitten: 19-tägige Reise von Horb bis Lourdes, 1220 Kilometer; 18-tägige Reise von St. Jean-Pied-de-Port bis Kap Finisterre, 1000 Kilometer; www.siwatours.de

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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