Ein Stück unwiederbringliche Natur: Die Ahldorfer Bürgerinitiative macht sich weiter für den Erhalt des Waldes – und des Bodens – stark. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder Bote

Bürgerengagement: Aufruf vor der entscheidenden Sitzung zu Hau und Holzwiese: "Nichts spricht für ein neues Gewerbegebiet!"

Vor der Gemeinderatsitzung am kommenden Dienstag hat die BI Hau und Holzweise einen Appell an die Gemeinderäte verfasst. Der Schwarzwälder Bote druckt ihn in Auszügen.

H orb-Ahldorf . Die Gemeinderäte kennen beileibe die aktuellen Statistiken, die belegen, dass der Flächenverbrauch in 2017 wiederum zugenommen hat. Völlig konträr zu den beabsichtigten Zielen der Bundes- und Landesregierung.

Die Statistik legt dar, dass es in Deutschland bereits mehr Gewerbegebiete als nötig gibt – auch in Baden-Württemberg und auch an der A 81 entlang. Oder es handelt sich wie in Horb um Gewerbeparadiese mit riesigen nicht benötigten Parkflächen, einstöckigen Hallen, riesigen Lagerhallen oder Garagenparks, die nur wenige oder gar keine Arbeitsplätze generieren (siehe Heiligenfeld).

Die dort schon vorhandene Infrastruktur für weiteres Gewerbe sowie die baldige Anbindung an die neue Hochbrücke und damit an die A 81 plus bestehender Schienenanbindung lässt keinen logischen Schluss zu, weitere Ökogebiete zu zerstören, erst recht nicht, wenn man das neue interkommunale Gewerbegebiet Horb/Empfingen berücksichtigt, das nochmals eine 50 Hektar große Gewerbefläche generieren soll.

So viel benötige Gewerbefläche bei Vollbeschäftigung und in Zeiten der Digitalisierung, des Fachkräftemangels sowie der geburtenschwachen Jahrgänge lässt den Schluss zu, dass hier wie in vielen Kommunen üblich, auf Vorrat und Verdacht Fläche gebunkert wird, weil es sich abzeichnet, dass die Landes- und Bundesregierung irgendwann den Hebel umlegt und den Flächenverbrauch stoppt.

Leider ist im Bewusstsein der meisten Menschen noch nicht angekommen, dass Boden nicht vermehrbar und endlich ist! Ein Zentimeter Waldboden bildet sich nun mal erst nach 200 Jahren.

Als Betroffener kommt man aber an diesem Thema nicht vorbei und stellt erschreckend fest: Ahldorf scheint überall zu sein und kann morgen woanders stattfinden! Es wird Fläche zubetoniert, was geht!

Der Bürgerentscheid in Rottenburg zum geplanten Gewerbegebiet Galgenfeld/ Herdweg hat gezeigt, dass auch die Rottenburger aller Teilorte diesen Sachverhalt so einzuschätzen wussten.

Ja, Ausgleichsflächen für Wald gibt es Gott sei Dank, nicht jedoch für landwirtschaftliche Flächen. Deshalb beklagt der Kreisbauernverband auch die stets abnehmende landwirtschaftliche Fläche in Deutschland. Mittlerweile bauen wir für unseren Lebensbedarf in Entwicklungsländern an und verbrauchen ihre Fläche, was die Versorgung der Menschen dort gefährdet und zu Hungersnöten führt.

Was nutzt uns eine Ausgleichsfläche für Wald irgendwo, wenn wir selbst im Smog und Lärm ersticken. 98 Prozent der Weltbevölkerung lebt in viel zu schmutziger Luft. Wir wollen das nicht, und wir wollen auch nicht dazu beitragen!

Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind leider drei Viertel aller Ausgleichsflächen in einem jämmerlichen Zustand und viele Flächen werden mehrfach als Ausgleichsfläche für unterschiedliche Projekte missbraucht.

Die Bürgerinitiative Hau und Holzweise in Ahldorf forderte aus vielen der oben genannten Gründen den sofortigen Stopp der Untersuchungen und erwähnte dabei noch die Gattung Mensch, der die Zerstörung der letzten Naherholungsgebiete und der Verlust der Heimat außerdem noch zu schaffen macht. Die BI wünschte sich, dass die frei werdenden Mittel für die nötige Stadtentwicklung und zur Verbesserung der Lebensqualität der Horber Bürger genutzt werden.

Auch der Nabu äußerte sich dahingehend mit der Anmerkung, dass bei der Planung von neuen Gewerbegebieten alle bekannten Planungen zu Brücken, Straßenausbau, Baugebieten, etc. einbezogen werden sollten. Nur so könne durch optimierte Planung der Flächenverbrauch reduziert werden.

Schließlich werden sich nächste Generationen auch noch Lebensqualität, -grundlage, -raum und dessen Gestaltung wünschen.

Nachdem der politische Trend glücklicherweise in Richtung Verdichtung von bestehenden Gewerbegebieten geht – in Höhe und Tiefe zu bauen, Baulücken zu schließen und Industriebrachen zu nutzen – so fragt sich der eine oder andere, welche Argumente für ein neues Gewerbegebiet sprechen könnten.

Antwort der Stadt hierzu: Argumente sind weniger die Gewerbesteuer als die hohe Auspendlerzahl und die Einkommenssteuer.

Die Bürgerinitiative Hau und Holzwiese hat bei der Podiumsdiskussion in Rottenburg, die vor dem Bürgerentscheid stattfand, gelernt, dass nur ganz wenige Gemeinden in Baden-Württemberg höhere Einpendlerzahlen als Auspendlerzahlen zu verzeichnen haben. Solche Gemeinden heißen Sindelfingen wegen der Industrieanhäufung, Tübingen wegen des Klinikums und Metzingen wegen des Outlets. Alle anderen Gemeinden stellen "schöner Wohnen" dar.

Das heißt: Die Menschen möchten gerne dort zuhause sein, wo Lebensqualität und gute Lebensgrundlagen vorherrschen.

Also bitte, liebe Kommune, nicht in Horb unsere schönsten Landschaften zerstören! Die Wünsche der Bürger nach guter Ärzteversorgung und Einkaufsläden erfüllt sich nicht durch Lager- und Logistikhallen und zusätzlichem Verkehr.

Arztpraxen und Läden entstehen durch Zuzug starker Steuerzahler, die Lust haben in Horb zu leben und zu investieren. Deshalb ist das Gebot der Stunde, die Schönheit und Einzigartigkeit Horbs auszubauen, zu bewerben und damit Horb zu beleben.

Jetzt hat der Leser immer noch nicht erkannt, was dafür sprechen könnte, ein weiteres Gewerbegebiet auszuweisen, was daran liegt, dass einfach gar nichts dafür spricht.