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Horb a. N. Blutkrebs: Betroffener erzählt über sein Schicksal

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Der 36-jährige Norman Weiß (Mitte) aus Horb erzählte dem Publikum bei "Rock gegen Gewalt", wie ihm eine Stammzellenspende das Leben rettete. Foto: Wagner

Horb - Einsatz gegen Leukämie haben Musikfans beim Benefiz-Festival "Rock gegen Gewalt" bewiesen. Bewegend war dabei die Geschichte des erkrankten Norman Weiß, der über sein Schicksal erzählte.

Bereits zum siebten Mal fand am Samstag das "Rock gegen Gewalt" im Steinhaus in Horb statt. Getreu der Namensgebung des Festivals, spendete der Veranstalter die kompletten Einnahmen in den vergangenen Jahren an Organisationen und Vereine, welche sich für Opfer von Gewalt sowie für präventive Maßnahmen gegen Gewalt einsetzen. In diesem Jahr widmeten sich Christian Ott (Musikschule Lautpegel) und Sascha Lopez (Jugendreferat der Stadt Horb) der "höheren Gewalt", die in Form von Blutkrebs zuschlägt. Deshalb sollen die Spendeneinnahmen des Konzerts heuer dem Lions Club Horb-Sulz zugute kommen, der damit die Arbeit der deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) unterstützen will.

Verfahren ähnlich wie bei Blutplasmaspende

Damit konnten die Veranstalter und der Lions Club gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit insgesamt zwölf Helfern führte der Lions Club vor Ort eine Typisierung zur Feststellung von geeigneten Stammzellenspendern durch, die mittels Spendengelder finanziert wurde. Zur Typisierung waren drei Speichelentnahmen notwendig, wofür die Musikfans lediglich circa sieben Minuten ihrer Zeit opfern mussten.

"Eine Verpflichtung müssen die potenziellen Stammzellenspender nicht eingehen", erklärte Martin Killing den Gästen. Ebenso klärte Killing dahingehend auf, dass für eine Stammzellenspende kein Knochenmark beim Spender entnommen werden muss. Das Verfahren sei ähnlich einer Blutplasmaspende, wobei im Vorfeld dem Spender ein Medikament zum Aufbau von Stammzellen verabreicht wird. Die Entnahme erfolgt direkt über das Blut und dauert nur wenige Stunden.

Ein geringfügiger Aufwand, der dem betroffenen Norman Weiß aus Horb das Leben rettete. Der 36-Jährige nahm sich am Samstag die Zeit, um den Musikfans seine Geschichte zu erzählen. Am 28. Januar 2011 erhielt Weiß in Tübingen die Diagnose, dass er an Leukämie erkrankt ist. "Ich habe keine Zeit zum Sterben. Ich werde Vater", sagte er damals zu den Ärzten. "Es ist zwar keine Grippe, aber wir können trotzdem etwas dagegen tun", stellte ihm der Professor damals in Aussicht.

73 Menschen ließen sich beim Konzert typisieren

Nach einem halben Jahr der Behandlung durch Chemotherapie nahm Weiß im November wieder seine Arbeit auf. Zwischenzeitlich stabilisierte sich sein Zustand, doch die Krankheit schlug zurück. Über die deutsche Knochenmarkspenderdatei suchten die Mediziner nach geeigneten Stammzellenspendern für den Erkrankten.

Vier potenzielle Spender kamen zunächst in Frage. "Drei bekamen kalte Füße", bedauerte Weiß. Hierbei sei erwähnt, dass die statistische Wahrscheinlichkeit bei nur 1:100 liegt, dass ein genetischer Zwilling gefunden wird, der einem Blutkrebskranken das Leben retten kann. "Viele haben wohl Angst davor, dass Knochenmark entnommen wird. Das wird es aber nicht", erklärte der mittlerweile zweifache Familienvater. "Es ist stattdessen wie bei einer Blutspende. Das Blut wird über die Venen entnommen und läuft durch eine Maschine, woraus die Stammzellen gewonnen werden. Die Konserven sehen dann lachsfarben aus", verriet Weiß.

Glücklicherweise rückte eine Spenderin aus dem Stuttgarter Raum von ihrem Vorhaben nicht zurück und ließ die harmlose Prozedur über sich ergehen. "Am 21. Oktober 2014 bekam ich die Stammzellen verabreicht", freute sich Weiß. Zur Spenderin hält er seitdem Kontakt. Mindestens einmal im Jahr treffen sie sich. Seine Geschichte schien die Musikfans zu berühren. Anschließend begaben sich nämlichen viele Besucher zu den Tischen, um ihre Speichelproben abzugeben.

Der Lions Club führte bereits am Gymnasium sowie an der Berufsschule in Horb zwei Typisierungen durch, womit circa 130 Spender registriert werden konnten. "Lasst uns die 200 voll machen. Damit können wir statistisch gesehen zwei Menschen das Leben retten", motivierte Killing das Publikum. Insgesamt 73 Personen ließen sich letztlich beim Benefizkonzert typisieren. Am kommenden Freitag, 15. November, muss Norman Weiß zu seiner letzten Kontrolle ins Krankenhaus. Erst nach fünf Jahren könne nämlich diagnostiziert werden, ob er vollständig genesen sei und der Blutkrebs seiner Vergangenheit angehört.

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