Wie viel Uhr ist es? Die Flüchtlinge lernen am Hermann-Hesse-Kolleg die Uhrzeiten auf Deutsch. Foto: Hopp

Deutsch-Kurse: Innerhalb von zwei Wochen stellte das Hesse-Kolleg Unterricht für 150 Schüler auf die Beine.

Horb - Das kann mal wohl fix nennen: Innerhalb von zwei Wochen hat unser Hermann-Hesse-Kolleg die Deutschkurse für 150 Flüchtlinge aus dem Boden gestampft!

Leiter Eden Volohonsky: "Mitte November kam der Anruf vom Landratsamt. Seit Ende November laufen die Kurse." Er ist glücklich, dass die private Sprachschule allein am Tempo zeigen konnte, wie flexibel sie ist.

Und das heißt: Das Steinhaus ist seitdem immer voll. Und auch am Bahnhof ist seitdem richtig Betrieb, denn die Schüler kommen aus der ganzen Umgebung in Gruppen an. 

Deutschkurse für alle Flüchtlinge in der Umgebung

Eden Volohonsky: "Wir machen die zentralen Deutschkurse für alle Flüchtlinge in der Umgebung. Egal, ob Eutingen, Empfingen oder Waldachtal – in zwei Schichten haben wir die jeweils dreistündigen Kurse angelegt."

Das heißt: morgens von 9 bis 12.30 Uhr und nachmittags von 13.30 bis 17 Uhr wird hier fleißig die Schulbank gedrückt. Da drehen die Syrer an der Uhr, die aus einem Pappteller hergestellt sind. Müssen die Zeit erst drehen und dann ansagen. So sieht man, wie Eritreer und Syrer andächtig nachsprechen: "Fünf nach halb drei."

Lehrerin Sigrid Schulze hat währenddessen einen Dialog an die Tafel geschrieben. Muhamad steht da und spielt den Ober, der ihr eine Tasse Tee bringt. Sie sagt: "Der Tee ist kalt." Der Syrer schaut auf die Tafel und versucht, den Text nachzusprechen. "Oh. Verzeihung." Die Lehrerin dreht ihn um – soll das Symbol sein, dass er eine neue Tasse holt. Die Schüler lachen. Egal, ob das Gesicht nach 18 aussieht oder nach 50 Lebensjahren.

Dann wird ein bunter Ball herumgeworfen. Die Lehrerin sagt "hell", der ihn auffängt: "dunkel". Auch die anderen sprechen mit.

Es ist also glaubhaft, wenn Volohonsky sagt: "Die Schüler sind hoch motiviert. Und wohlerzogen. Viele von ihnen sind oft auch akademisch vorgebildet." Und auch die Schüler fühlen sich wohl im Hermann-Hesse-Kolleg. Wie beispielsweise Muhamad aus Syrien.

Der gelernte Maurer schaut staunend auf die Balkenkonstruktion im Steinhaus. Und sagt: "Es ist sehr schön hier. Ich liebe lernen Deutsch." Nach zwei Wochen doch schon kein schlechter Lernerfolg…

Und Eden Volohonsky, Leiter des Hermann-Hesse-Kollegs, schaut mit leuchtenden Augen zu. Er sagt: "Es ist natürlich ganz schön stressig, alles vorzubereiten. Auch, weil die Schüler immer wieder mit Fragen zu den Anträgen bei den deutschen Behörden ankommen. Aber wenn man sieht, wie sie lernen, bin ich stolz auf mein Lehrerteam und froh, dass alles so gut läuft."

Das Ziel des Hermann-Hesse-Kollegs: Die gut 150 Flüchtlinge sollen bis Ende März, in dem der erste Sprachkurs endet, auf dem A2 oder B1-Sprachlevel sein.

Letzte Frage noch: In Horb ist ja eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 223 Flüchtlinge geplant. Und ein "Flüchtlings-Dorf". Würde das Hermann-Hesse-Kolleg auch diese Sprachschüler bewältigen? Eden: "Von den Räumlichkeiten her haben wir derzeit die Kapazität. Uns mangelt es eher an Tischen und Stühlen."