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Horb a. N. Bilder, die zu den Besuchern sprechen

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Ausstellungen im jüdischen Betsaal in Horb hinterlassen bei den Besuchern immer wieder Entsetzen, Trauer und Sprachlosigkeit über die Gräueltaten im Dritten Reich. Die neue Ausstellung "In schwindendem Licht" ebenda, bei der es um die Juden in Osteuropa geht, machte dies wieder spürbar.

Horb. Die osteuropäischen Juden bildeten bis zur Shoa die größte jüdische Bevölkerungsgruppe weitweit. Sie entwickelten eine eigene Gelehrsamkeit und besondere Formen der religiösen Praxis.

Der Kölner Fotograf Christian Herrmann hat sich auf seinen Reisen in Osteuropa diesem Thema angenommen und sich auf die Spuren der Juden in Osteuropa gemacht. Seine Eindrücke und Erkenntnisse dokumentierte er in eindrucksvollen Bildern. Eine Auswahl davon hat er für diese beeindruckende Ausstellung im jüdischen Betsaal zusammengestellt, dies unter dem Thema "In schwindendem Licht – Spuren jüdischen Lebens in Osteuropa". Schon allein die Formulierung zeigt, dass die Gefahr da ist, dass die Spuren jüdischen Lebens in Osteuropa immer mehr verblassen, ja verschwinden.

Eine Form des Erinnerns

Barbara Staudacher eröffnete die Ausstellung mit sehr beeindruckenden Worten. Auf die Idee zu dieser Ausstellung kam sie durch ein Buch mit vielen Bildern von Christian Herrmann. Sie habe gewusst, dass diese Bilder auch in Horb ausgestellt werden sollten. Im Bukowina-Institut in Augsburg gab es dazu eine Wanderausstellung, die jetzt im jüdischen Betsaal in Horb zu sehen ist. "Es ist gut, dass die Ausstellung jetzt im ehemaligen jüdischen Betsaal hängt. Diese Räumlichkeiten haben ihre eigene tragische Geschichte", so Staudacher.

Anschließend berichtete Christian Herrmann im Rahmen eines Gespräches mit Michael Zerhusen. Viele Fragen wurden dabei von Zerhusen aufgeworfen: Was fasziniert Sie an Osteuropa? Welche Rolle spielt für Sie das Erinnern. Hat die moderne Welt verlernt sich zu erinnern? Was ist des Erinnerns wert, was dürfen wir vergessen? Schleppen wir in unseren Köpfen immer noch Grenzen mit? Herrmann erklärte: "Juden in Osteuropa sind anders als in Deutschland. Auch die heutige Fotografie ist neben der Aktualität immer noch eine Form des Erinnerns." Seine Kontakte vor Ort seien vor allem ältere Leute gewesen. Diese hätten noch Erinnerungen an Früher, sie hätten viel zu erzählen (aus erster, aus zweiter Hand).

Auf ein Zitat des Schriftstellers Edgar Hilsenrath (gestorben im Dezember 2018 im Alter von 92 Jahren) eingehend "Die Spuren waren zurückgeblieben. Aber die Zeit würde sie allmählich verwischen, und es würde nichts zurückbleiben. Nichts." Es sei eine pessimistische Sicht, so Herrmann. Ist alles verloren, oder nimmt das Interesse am jüdischen Leben in Osteuropa wieder zu? Auch dieser Frage ging man an dem Abend nach.

Christian Herrmann will mit seinen Bildern nicht die Orte des Todes zeigen, sondern die Orte, an denen die Opfer gelebt haben. Überall gibt es bauliche Spuren, zerfallende oder ungenutzte Synagogengebäude, versinkende Friedhöfe, verblichene Beschriftungen an Häusern.

Eine Ausstellungsbesucherin meinte beeindruckt: "Tolle Bilder, wenn man sie länger anschaut, sprechen sie."

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