Bildechingens Ortsvorsteher Ulrich Beuter vor den Plänen des Wohnbau-Ensembles. Foto: Morlok

Anliegern ist geplanter Komplex Dorn im Auge. Protest schriftlich an OB Peter Rosenberger gerichtet.

Horb-Bildechingen - Der Ortschaftsrat hat vergangenen Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung die Bebauung des sogenannten Zink-Areals befürwortet. Ein Votum, mit dem einige Anlieger nicht glücklich sind.

 

"Wir sind zwar tendenziell grundsätzlich dafür, können jedoch beim derzeitigen Bearbeitungsstand natürlich noch keinen Beschluss fassen", so Ortsvorsteher Ulrich Beuter zum aktuellen Sachstand.

Ein dreiteiliges Häuser-Ensemble soll direkt auf der bisher freie Wiese neben dem neuen Dorfplatz entstehen. Ein Baukörper, der in 16 bis 17 Einheiten Platz für neues Wohnen bietet.

Von Seiten des Ortschaftsrates wurde als erste Modifikation vorgeschlagen, dass man das als "Haus Nr. 1" bezeichnete Gebäude mit seiner rechten Frontseite nicht ganz so dicht wie vorgesehen an die neu angelegten Parkplätze in der Lindenbrunnen baut, sondern den gesamten Baukörper etwas zurücknimmt und dafür den Platz zwischen den beiden Häusern etwas weniger großzügig dimensioniert. Wohlbemerkt nur ein Vorschlag, keine zwingende Vorgabe. Auch außerhalb des Ortschaftsrates ist man in der Bildechinger Bevölkerung von diesem Bauvorhaben überzeugt. "Genau dort gehören die Häuser hin", so ein Bildechinger Unternehmer, und ein anderer Mitbürger zeigte sich ebenfalls froh darüber, dass es nach vielen Jahren gelang, einen Investor zu finden, der auf dieser Wiese ein Häuser-Ensemble modernsten Zuschnitts bauen möchte.

"Und Gegner gegen irgendetwas wird es immer geben", glaubt ein anderer Bürger. Er spricht damit den Protest einiger Bildechinger an, denen dieses geplante Bauvorhaben, für das derzeit noch nicht einmal ein Baugesuch vorliegt, ein Dorn im Auge ist.

Der Plan hat gleich nach bekanntwerden einige Angrenzer im Bereich Lindenbrunnen/Hartmannstraße auf den Plan gerufen, die per Plakat, das an einer Scheuer direkt gegenüber des Grundstücks, das bebaut werden soll, gut sichtbar angebracht wurde, ihren Protest gegen diese Art der Bebauung kundtun. In der Nacht zum 1. Mai hängten sie ein Großplakat mit der Aufschrift "Bauen ja – Aber: Keine 16 Wohnungen und keine 14,50 m Höhe. Die Angr." auf.

Im Wesentlichen richtet sich diese Aktion gegen den Zuzug vieler Menschen, da man heute davon ausgehen kann, dass jeder Erwachsene ein Auto hat und durch den Neubau die ohnehin schon recht prekäre Parkraumsituation nochmals belastet wird.

Die Art der Parkraumgestaltung wurde bereits bei der Projektvorstellung vom stellvertretenden Ortsvorsteher Edwin Zimmermann hinterfragt, und die Argumentation, dass man mit Stapelgaragen, die in einem Parkhaus untergebracht sind, die Parkraumsituation abfedert, wurde von Ortsvorsteher Ulrich Beuter ebenfalls kritisch gesehen. Und genau diese Parkraumsituation sorgt, nicht nur beim Ortsvorsteher, für einiges Kopfzerbrechen.

Ansonsten würde sich der Bau, der im Vorfeld vom Bauträger und den Verantwortlichen der Stadtverwaltung in mehreren Gesprächen intensiv beraten wurde, gut ins Ortsbild fügen, so Edwin Zimmermann in einem Telefonat anfang des Monats. Zimmermann fügte damals an, dass auch die von den Anliegern kritisierte Höhe von 14,5 Meter nicht wirklich ein Punkt sei, der gegen diese Art der Bebauung spricht. "Der ›Adler‹ ist 15 Meter hoch und das ›Volzhaus‹ direkt gegenüber noch höher." Auch Baufachmann und Ratsmitglied Eckhard Schäffner stellte fest, dass der Bau sich sehr gut in das Gesamtbild der Lindenbrunnenstraße einfügt. "Wenn man sich mal die Zeit nimmt und das Modell, das im Rathaus ausgestellt war, zwei Minuten auf sich wirken lässt, dann hat man den Eindruck, der Neubau würde schon immer dort stehen."

In der Bevölkerung, die bei ihrer Ortsteilkonferenz ein Neubaugebiet mit hoher Priorität gefordert hatte, wird der geplante Bau zwar diskutiert, jedoch nicht so kontrovers, wie zu erwarten war. Außer den direkt Betroffenen, den Anwohnern einiger Häuser in der Nähe des geplanten Neubaus, die auch durch den Bau eine stärkere Verschattung ihrer Häuser und Wohnungen befürchten, hört man in der Bevölkerung fast nur Zustimmung.

Trotz allen positiven Tendenzen nehmen der Ortsvorsteher und sein Gremium die Argumente der Gegner dieser Neubebauung ernst. Für sie heißt es nun, den schwierigen Spagat zwischen notwendigem Wohnungsneubau und Anliegerinteressen hinzubekommen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen.

Fakt ist, dass die Anwohner ihren Protest schriftlich formuliert direkt an Oberbürgermeister Peter Rosenberger übergeben haben. Für ihn sei dies zwar der richtige Schritt, doch machen könne er erst dann etwas, wenn der Bauantrag formell vorliegt und ein Bebauungsplan erstellt wird, so Rosenberger. Momentan ist man also noch in der Findungs- und Planungsphase, doch kann man dem Bauträger bereits heute Hinweise mit auf den weiteren Planungsweg geben, die später ein gedeihliches Miteinander einfacher machen.

Dass der Bau kommen wird, das ist eigentlich so gut wie sicher. Doch wie er letztendlich aussehen wird, das steht noch auf einem anderen Blatt Planungspapier, und es werden sicher noch einige Sitzungen stattfinden, bis wirklich grünes Licht für diese infrastrukturell wichtige Baumaßnahme gegeben wird.