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Horb a. N. Beute und Fehler im Mordfall Riecher

Von
Krügerrand – beliebte Goldmünzen, von denen Michael Riecher viele besaß. (Symbolbild) Foto: Weigel

Horb - Laut der Anklage haben Mohammed O. und Iyad B. lediglich 3000 Euro Bargeld beim Mord an Michael Riecher erbeutet.

Das Geld –­ so die Aussage von Iyad – soll der syrische Flüchtling ihm auf der Fahrt auf dem Bahnhof aus der Tasche gezogen haben und dann gesagt haben: "Halbe, halbe."

Doch am gestrigen Prozesstag kommt ein neues Beute-Rätsel ans Licht.

Der Ermittlungsbeamte, den der Schwarzwälder Bote am 7. November vor dem Haus bei der Spurensuche fotografiert hat, berichtet: "Ab Donnerstag waren wir dafür zuständig, zu schauen, was im Inneren der Wohnung auffällig war."

Er schildert: Im Schlafzimmer von Riecher finden die Ermittler auf der Kommode vor dem Bett ein Glas mit zwei Zentimeter Wasser. Und einem Rand, der nach Blut aussieht.

Laut Ermittlern hat Iyad ausgesagt, nach seinem ersten Überfall auf Riecher das Opfer in sein Schlafzimmer gebracht zu haben, ihm ein Glas Wasser gebracht zu haben.

Das Glas steht auf der schreibtischartigen Kommode links am Rand. Darunter befinden sich drei Schubladen. Die untere abgeschlossen. Der Kripo-Beamte nimmt sich das Schlüsselbund, das neben der Leiche von Michael Riecher gefunden wurde. Einer der Schlüssel passt.

In der Kommode findet er mehrere Bündel von 50-Euro-Scheinen. Und eine orangene Geldkassette. Auch den Schlüssel dazu: am Schlüsselbund. Er öffnet die Geldkassette. Dann werden im Gerichtssaal die Bilder des Inhalts der Geldkassette gezeigt.

Besonders auffällig: viele Krügerrand-Goldmünzen. Ein Prozessbeteiligter: "Die haben einen Wert von knapp 20 .000 Euro." Was sich noch in der Schublade befindet? Eine üppige Goldkette. Notizen mit Liebes-Botschaften, Schuldscheine. Zahngold, aber auch Silbermünzen und Militaria.

Auch in der Kassette: über 7000 Euro Bargeld. Und eine von Riecher handgeschriebenen Liste, in denen er seine Goldkäufe eingetragen hatte. Über Jahrzehnte. Mehrere Einträge stehen untereinander. Es ist eine immense Menge an Gold.

In einem Eintrag aus 2004 – so liest eine Richterin vor –­ notiert das Opfer, dass ihn eine Person um 2000 Euro geprellt hatte. Das Gold habe er nie erhalten.

War das restliche Gold woanders im Haus versteckt? Ein anderer Kripo-Ermittler von der Kriminaltechnik untersucht am 7. November den dunklen antiken Schrank im französischen Stil im Wohnzimmer auf Spuren. Ihm fallen die vielen Schuhspuren in dem Bereich auf –­ der kein Durchgangsbereich war. Der Ermittler: "Spur Nummer 72. Er zeigt blutverdächtige Ablagerungen vor dem Schrank. Kleine Spuren und Wischer. Auf dem Boden sind Handflächenspuren." Die seien zum Teil dem Geschädigten zuzuordnen. Wurde Riecher hier gezwungen, sein Goldversteck zu offenbaren?

Einen Abend vorher war schon ein Kripo-Kollege aus Rottweil da. Er wurde gleich nach der Obduktion losgeschickt. Die hatte ergeben: Verdacht auf Tötung.

Er fotografiert alles durch, entdeckt auch die ersten Schuhspuren im Haus. Interessant: Im "kleinen Büro" des Opfers – liegen zwei Banderolen auf dem Tisch. Von der Kreissparkasse Freudenstadt. Auf den Banderolen steht: 1000 Euro und 5000 Euro. Die Geldnoten – weg. Waren hiervon die 3000 Euro, von denen Iyad in seinem Teilgeständnis als Beute nennt?

Auch interessant: Neben dem Computer – der an war – fotografiert der erste Kripo-Ermittler den Terminkalender des Opfers. Aufgeschlagen ist der 2. November – der Tag des Mordes. Ganz am Schluss des Tages – ab 20 Uhr hängt ein gelber Post-It Zettel. Darauf in Schwarz geschrieben: "O. Gold".

Das Beute-Rätsel. Warum haben die Täter nicht die Geldkassette im Schlafzimmer gefunden, obwohl der Schlüssel neben der Leiche lag? Haben sie die Wohnung des Opfers überhaupt intensiv durchsucht? Oder sind sie an andere Stelle fündig geworden?

Was bedeutet der gelbe Notizzettel? Sollte Mohammed O. für das Opfer Gold auf dem Schwarzmarkt besorgen, wie das schon der dritte Mann und Mitwisser des Raubplans –­der "Friseur" –­ im Prozess vor dem Horber Amtsgericht behauptet hatte? Hatte Mohammed O. das Geld von Riecher –­ angeblich 30. 000 Euro –­ genommen und keine Ware geliefert?

Fakt ist: In O.s Wohnung wurde auch eine Kaufbeleg für Krügerrand gefunden. Einer der Verteidiger fragt: "Ergibt sich aus dem Beleg, das gekaufte Ware abgeholt wurde?" Der Ermittler kann an diesem Tag keine Antwort dazu geben.

Alle Artikel zum Mord in Nordstetten finden Sie auf unserer Themenseite.

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Florian Ganswind

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