Ärgerliche Falle für Behinderte: Die Rollstuhlfahrerinnen Caren Totzauer (links) und Siska Teichert-van der Ploeg zeigen noch einmal, wie schwer es für sie ist, Horber Bordsteine zu überwinden. Foto: Hopp

Bürgermeister Jan Zeitler: "Barrierefreiheit gibt es nicht für lau". Kommt 6-km/h-Zone vor dem Bahnhof?

Horb - Hat "Horbs fieseste Radarfalle" bald noch mehr zu tun? Laut Bürgermeister Jan Zeitler überlegt die Stadt derzeit, vor dem Bahnhof den Verkehr noch mehr runterzubremsen. Das sagte er beim Barrierefrei-Rundgang am Montag.

Michael Braun ist sehbehindert. Er steht an der Kreuzung Austraße/Bahnhofstraße. Er sagt: "Hier wären eigentlich Rillen gut. Dann könnte ich mit meinem Stock spüren, dass hier eine Straße kommt."

Anna Hofmann von der Stadtentwicklung: "Hier wurde vor Kurzem ein Sehbehinderter fast überfahren."

Und das, obwohl in Höhe des Hähnchenwagens zwei Tempolimit-Schilder stehen, die hier nur 20 km/h erlauben. Problem nur: Kaum einer nimmt die Schilder wahr (wir berichteten). Deshalb tappen sehr viele Autofahrer in die Geschwindigkeitskontrolle der Stadt, die hinter dem Sternhaus links steht.

Reicht das, um die Fußgänger zu schützen? Bürgermeister Zeitler: "Wir lassen gerade im Fachbereich 4 prüfen, ob die Schilder besser angebracht werden können. Und ob der Verkehr durch eine Begrenzung auf 6 km/h weiter beruhigt werden kann."

Sicher ist jedenfalls eins: Direkt links vor dem Chinesen an der Einmündung zur Aue­straße kommt ein Behindertenparkplatz hin. Zeitler: "Das werden wir vorschlagen. Nach hinten ist hier genug Platz, um Rollstühle rauszufahren. Und zur Seite müsste es auch reichen." Rollstuhlfahrerin Siska Teichert-van der Ploeg: "Das wäre perfekt. Der Parkplatz ist zentral gelegen, Du kommst zur Kreissparkasse, zur Post und zum Kaufland."

Der Ortsermin am Bahnhof – das war am Montag die vorletzte Station des Barrierefrei-Rundgangs der Stadt. Bürgermeister Jan Zeitler hatte Stadtarchitekt Thomas Hellener und Hofmann geladen, mit dabei waren Behindertenbeauftragter Hermann Knechtle, Teichert-van der Ploeg, Rollstuhlfahrerin Caren Totzauer und der Sehbehinderte Michael Braun.

"Wir werden mit der Volksbank sprechen"

Und sie deckten jede Menge Mängel auf. Fußgängerüberweg Volksbank Horb. Braun: "Hier wären Längsrillen für den Stock gut, damit ich weiß, dass eine Straße kommt." Stadtarchitekt Hellener: "Die Bordsteine sind zu hoch, der Aufgang zur Volksbank ist sehr steil." Behindertenbeauftragter Knechtle forderte einen extra Aufgang für Sehbehinderte und für Rollstuhlfahrer. Doch Braun ließ ihn abfahren: "Ein gemeinsamer Weg reicht. Hauptsache, die Rillen sind da."

Volksbank Eingang. Hohe Kante, unmöglich für Rollstuhlfahrer allein zu bewältigen. Während Stadtarchitekt Hellener misst und Caren Totzauer eine 50-Zentimeter-Rampe für ausreichend hält, stellt Braun die Frage aller Fragen: "Gibt es da eigentlich eine Klingel, dass ein Bank-Angestellter einem Rolli-Fahrer helfen könnte, reinzukommen?" Zeitler und Hellener schauen – keine Klingel. Der Bürgermeister später: "Wir werden mit der Volksbank sprechen."

Auch vor der Apotheke schräg gegenüber der Volksbank macht es die Pflasterung für Rollstuhlfahrer unmöglich, hochzukommen. Das hatte der Schwarzwälder Bote im Barrierefrei-Test aufgedeckt. Auch hier schlägt Bürgermeister Zeitler eine Rampenlösung mit gut 1,20 Meter Breite und rot gefärbtem Asphalt vor.

Doch es gibt noch ganz andere Probleme: Beim Rückweg von der Kreissparkasse prallte der Sehbehinderte Michael Braun trotz Stock gegen den grauen Laternenpfahl: "Den kann ich nicht erkennen." Stadtarchitekt Hellener: "Wir werden prüfen, ob wir diese Pfähle in Kontrastfarben anstreichen." Die Rampen an der Brücke über den Neckar sind bei den Ritterspielen wegen der Dixie-Klos gesperrt.

Der Barrierefrei-Rundgang der Stadt. Das Rathaus hat jetzt jede Menge Punkte auf der Agenda – nur für die Kernstadt. Stadtarchitekt Thomas Hellener: "Nur mit 1,50 Meter breiten Rampen ist es nicht getan. Ich sehe das Problem, dass wir auch drumherum die Steigungen anpassen müssen. Aus Bordmitteln kann das Rathaus diese Aufgaben nicht bestreiten. Da müssen Extra-Mittel her!"

Und dafür will Bürgermeister Jan Zeitler bei den anstehenden Haushaltsberatungen auch kämpfen: "Barrierefreiheit gibt es nicht für lau. Der Aufwand lohnt sich aber." Rollstuhlfahrerin Siska Teichert-van der Ploeg: "Das nützt nicht nur uns, sondern auch Familien mit Kinderwagen oder Menschen, die auf Rollatoren angewiesen sind. Für alle die bedeutet Barrierefreiheit in großes Stück mehr Lebensqualität."