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Horb a. N. Bauleiter führt über Hochbrücken-Baustelle

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An der Hochbrücken-Baustelle bei Nordstetten ist schweres Gerät aufgefahren: Ein Haufen Erde und Betonstücke liegt hinter der schon stehenden kleinen Brücke. Vorne steht die mobile Brecheranlage. Foto: Lück

Horb - Jede Menge Erde ist schon weg, Bäume sind gefallen. Die Baustelle für die Hochbrücke auf der Seite von Nordstetten. Sie ärgert alle, weil sie zwei Jahre Vollsperrung bedeutet. Doch warum dauert das so lange? Bauleiter Rainer Gumz hat den Schwarzwälder Boten über die meistdiskutierte Baustelle Horbs geführt.

Am Ende der Kurve bergab Richtung Horb ist der Asphalt schon weg. Vorne ist noch der Unterbau vor der berühmten historischen Stadtkulisse zu sehen. Drehung nach rechts. Die Bäume sind weg – man blickt über das Neckartal. Unten kurvt der Doppelstock-IC in die letzte Kurve hinter Mühlen aus Horb, daneben die Autos, die über Ahldorf und Mühlen Richtung Horb fahren. Noch weiter nach rechts Richtung Nordstetten gedreht – und da, wo die Straße war, haben die Bagger schon im Halbrund fast die komplette ehemalige Straße weggeknuspert. Nach unten geht es gut 20 Meter in die Tiefe.

Auf einmal kommt Kluft zum Vorschein

Rainer Gumz steigt bergab. Direkt neben das halbrunde Loch in der Fahrbahn. Zeigt auf ein Felsloch ein paar Meter daneben: "Da hat der Bagger gestern mal oben an der Erde gekratzt, da kam diese Kluft zum Vorschein. Wir haben mal den fünf Meter Stab reingehalten, haben noch kein Ende ertasten können!"

Wieder so ein Felsproblem … Bauleiter Gumz: "Morgen kommt der Geologe, dann werden wir diese neue Kluft überprüfen. Klar ist: Da, wo das halbrunde Loch in die ehemalige Straße gebuddelt wird, wird dann die hintere Stützmauer für das Widerlager stehen. Natürlich werden die Stützmauern als auch das Widerlager, welches später mit der Brücke ausgeschrieben und gebaut wird, auf Fels gegründet."

Doch da gibt es so manche Überraschungen, erzählt Gumz an der soeben entdeckten Felskluft.

Oben an der fertigen Brücke über die B 32 zeigt er erst auf die Stelle links neben der späteren Fahrbahn: "Dort haben wir eine Kluft entdeckt. Auf der anderen Seite, wo jetzt die Brücke steht, auch. Beim Bohren kam Staub auf der anderen Seite heraus. Da war uns natürlich klar: Das müssen wir mit geeignetem Material verfüllen. Rein rechnerisch hätten das ein Kubikmeter Verfüllmaterial sein müssen. Raten Sie mal, wie viel wir da wirklich verfüllt haben? 54 Kubikmeter!"

Schneller als in zwei Jahren fertig?

Und bei jeder neu entdeckten Felskluft wieder dieselbe Unsicherheit. Wie stabil ist das Ganze wirklich? Was sagt der Geologe? Wie schnell bekommen die Bauarbeiter von Wolf und Müller die neu entdeckte "Lücke" in der Abwasserleitungszone wirklich abgesichert?

Bauleiter Rainer Gumz vom Regierungspräsidium Karlsruhe: "Die Firma Wolff & Müller hat einen detaillierten Bauzeitenplan aufgestellt. Wir sind sehr optimistisch, dass die Bauarbeiten schneller als in zwei Jahren fertig sind." Auch die Bauleiterin von Wolff & Müller sagt: "Wir tun alles!"

Schon beim ersten Baustellenbesuch des Reporters hatte ein Bauarbeiter das ausgesprochen, was alle denken: "Ich weiß nicht, ob man den Verkehr nicht doch hier hätte weiterführen können."

Alleine das Kräne-Aufstellen dauert ein Jahr

Ich stelle Bauleiter Gumz diese Frage, als wir neben den Spritzbetonwänden hoch nach Nordstetten stehen. Gumz zeigt auf das "V" zwischen den aufgeschütteten, feingemahlenen Steinen und der Erde. Von dem, was noch von der Straße übrig ist. Gumz sagt: "Genau hier in der Spitze des ›V‹ entsteht das Fundament für die bis zu neun Meter hohen Stützmauern und die oben aufgesetzten Lärmschutzwände. Um das zu bauen, muss man Kräne aufstellen. Allein das dauert ein Jahr, bis wir mit den Mauerbauten fertig sind!"

Schreitet dann den Rest des ehemaligen Straßenbetts Richtung Hang ab: "Da bleiben noch drei Meter. Unten ist es noch schmaler. Und dort ist auch schon das halbrunde Loch gegraben für die Fundamente der Stützmauer. Da würde schon jetzt kein Auto mehr vorbeikommen!

Krass. Ich stelle mir gerade vor, wie ich hier auf 2,50 Meter Straßenbreite vorbeifahre. Neben mir stehen Betonmischer, Lkw und Krane. Sie hieven riesige Betonteile aufeinander. Wohl wäre mir dabei nicht.

Bewehrte Erde als Stützbauwerk

Dann stehen wir am "Mount Nordstetten" – dem Gebirge voller Erde und Betonstücken, die sich hinter der schon stehenden kleinen Brücke stapeln. Vorne steht die mobile Brecheranlage. Gumz: "Den Asphalt mussten wir entsorgen. Der enthält Teer – das ist giftig. Ansonsten haben wir hier alles herfahren lassen, was geht. Auch Boden vom Rauhen Stich. Weil wir den Felsaushub klein machen und den restlichen Bodenaushub gut wieder verbauen können. Wir lassen auch gerade prüfen, ob wir das Material für die bewehrte Erde benutzen können."

Die bewehrte Erde. Sie soll als Stützbauwerk dem Widerlager und der Stützmauer der Brücke dazu dienen, die neue Straße zu heben. Vereinfacht gesagt: Das "Abrutschen" sicher zu verhindern.

Gumz erzählt: "Dazu wird solch ein Material mit Zement und Weißkalk verbessert. Auf zehn Metern Tiefe wird dann Schicht für Schicht aufgetragen. Dazwischen kommen Geotextilien – alle 80 Zentimeter. Dieser Aufbau sorgt dafür, dass sich die Schichten aneinander reiben und somit standsicher werden – vereinfacht ausgedrückt. An der Luftseite der bewehrten Erde wird diese mit einem Gitter geschlossen. Der Vorteil des Aufbaus der bewehrten Erde ist – da wächst dann später auch grün. Das ist optisch einfach viel angenehmer als Beton!" Und zudem ist die bewehrte Erde kostengünstiger als eine Stützmauer.

1500 Lkw-Fahrten alleine dafür

Und auch diese 15.000 Kubikmeter "bewehrte Erde" müssen da, wo gerade die Baustraße am Hang aufgebaut wird, in bis zu zwölf Meter Höhe aufgebaut werden. Gumz: "Ein Baustellen-Lkw fasst acht bis zehn Kubikmeter." Ich rechne schnell durch: Allein dafür braucht es 1500 Lkw-Fahrten. Gumz: "Und der Geologe prüft auch intensiv Schicht für Schicht, ob alles stimmt."

Und was ist mit dem Rest des "Mount Nordstetten"? Gumz: "Insgesamt lagern hier gerade 45.000 Kubikmeter. Wenn die Stützwände dann stehen, werden wir dort rund 50.000 Kubikmeter verfüllen müssen. Die Berge hier werden also noch größer. Und oben auf den hinterfüllten Boden kommt dann natürlich noch Humus. Insgesamt werden in diesem Bauabschnitt rund 120.000 Kubikmeter Boden bewegt!"

Okay. Allein schon gegen die jetzigen Berge des "Mount Nordstetten" wirken die Baumaschinen wie Spielzeug. Und dieses "Spielzeug" muss – Ladung für Ladung – das ganze Zeug auch noch da hinbringen, wo es hingehört. Das kann dauern.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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