Für immer mehr junge Leute wird der Hochschulstandort Horb attraktiv. Dieses Studierenden am Campus Horb sind aus der Daimler-Benz-Klasse. Foto: Hopp

Wohnheim-Idee des OB stößt auf positives Echo. Gastfamilien bieten Unterkünfte an. Innenstadt soll belebt werden.

Horb - Leere Wohnungen und Häuser gibt es in Horb und Umland viele. Die Einrichtung von Wohnungen für Studierende ist für einige der Hauseigentümer eine Möglichkeit, Mieter zu bekommen. Eine gute Idee zur Stadtbelebung – oder eher ein riskantes Investitionsmodell? Überhaupt: Hat Horb als Hochschulstand noch Nachholbedarf?

Ein Bericht über Leerstände in der Neckarstraße regte vergangene Woche einen Leser an, das Thema Wohnungen für Studierende kritisch aufzugreifen. In einem Leserbrief schrieb er: "Es haben sich viele in Horb durchgerungen und in Studentenwohnungen investiert." Seine Angst: Ein entsprechendes Wohnheim, das einem Vorstoß von OB Peter Rosenberger zufolge in Horb gebaut werden könnte, würde die Investitionen gefährden – weil dann viele Studierende in das Heim ziehen und die anderen Wohnungen leer bleiben würden. Wie Rosenberger vor Weihnachten in einem Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten sagte, könnte er sich vorstellen, dass die Baugesellschaft Horb solch ein Wohnheim baut: falls die Feuerwehr verlagert und das Gelände frei wird. Diese Zukunftsmusik klingt wohl einigen Hausbesitzern jetzt schrill in den Ohren

Doch wie steht es um Horbs Wohnungsmarkt für Studierende? Gibt es den überhaupt? Und wie tragfähig ist die Idee vom Hochschul-Standort Horb, der als Prädikat und Marketing-Faktor dazu beitragen kann, die Innenstadt zu beleben?

Die Duale Hochschule, Campus Horb, ist ein Teil der Dualen Hochschule Stuttgart, deren Studierenden-Zahl von 2003 bis heute von 5000 auf über 8000 gestiegen ist. Die Studierenden der DHBW Stuttgart sind laut Auskunft auf den Internetseiten des Campus Horb finanziell unabhängig. Sie erhalten für die gesamte Studiendauer, in der Regel gestaffelt nach Ausbildungsstand, eine monatliche Vergütung. Der regelmäßige Wechsel zwischen theoretischen und praktischen Phasen erfordert – anders als bei Studierenden an der Uni – mehr Mobilität. Ein Teil der Studierenden wohnt im Umland, andere kommen über ein Campus-internes Vermittlungsportal unter oder kümmern sich selbst um eine Wohnung. Wieder andere bekommen über ihren Betrieb eine Unterkunft. Verlässliche Zahlen über die in Horb und Umland wohnenden Studierenden scheint es nicht zu geben. Schätzungen gehen von tausend in Horb wohnenden Studierenden aus. Von möglichen Engpässen oder Problemen ist nach Einschätzungen aus Campus-Kreisen nichts bekannt.

Kein Wunder, sehen viele Horber die Studierenden eher als pendelnde Azubis, die mehr mit Berufsschülern als mit "echten" Studierenden gemeinsam haben. Sonst gäbe es hier ja auch eine "Studentenszene" mit Cafés und Kultur-Schauplätzen.

Einige Gastfamilien bieten Unterkünfte an

Der Horber Studierende, das fremde Wesen? Verwaiste Zimmer, in denen betrübte Hauseigentümer sitzen und jammern? "Von wegen zu viele Unterkünfte!", hält Eden Volohonsky dagegen. Der Leiter der Hermann-Hesse-Kollegs, zeichnet ein anderes Bild. Erst vor wenigen Tagen musste er für seine Einrichtung Wohnungen anmieten und diese in aller Eile herrichten, um 30 Unterkünfte für Neuankömmlinge zu schaffen. Volohonsky: "Wir wären bereit, ein Wohnheim mit aufzubauen und einzurichten." Schon vor Monaten habe er sich mit dem Vorschlag an die Stadtverwaltung gewandt, aber bis heute keine Antwort erhalten.

Volohonsky will aber nicht klagen, denn er freut sich über die Gastfamilien in Horb und Umland (so auch in Sulz, Nagold und Dornstetten), die dem Kolleg treu sind und regelmäßig Studierende aufnehmen. Das System mit den Gastfamilien funktioniere gut.

Die Idee eines Wohnheims für Studierende findet er dennoch nach wie vor gut, und als Standort hält er das Kasernenareal für geeignet. "In Horb gibt es ja keine allzu langen Wege. Und wenn man sieht, wie manche der Gebäude der Kaserne immer mehr zuwachsen, ist es doch schade, dass man nicht die Initiative ergreift."

"Es heißt immer, man werde sich melden, aber nichts geschieht"

Das Hesse-Kolleg, so Volohonsky, stehe als Kooperationspartner bereit und habe Kontakte zu Investoren und einem Bauträger, der ebenfalls interessiert sei. "Fakt ist: Wir brauchen Unterkünfte, aber das ist in Horb offenbar eine heiße Kartoffel, die niemand gern anfasst."

Mehr noch: Volohonsky ist überzeugt, dass Horb als Hochschul-Standort auch international Flagge zeigen könnte. Er selbst werbe sogar in Übersee mit dem Namen des Hesse-Kollegs für Horb und bekomme gute Resonanzen. "Aber nicht mal bei einer Neuauflage des städtischen Werbeprospekts bekommt man im Rathaus Hilfe oder auch nur eine verlässliche Antwort. Es heißt immer, man werde sich melden, aber nichts geschieht." Ein Wirtschaftsfaktor seien die Studierenden auf jeden Fall. Volohonsky schätzt, dass allein die Hesse-Kollegs-Studierenden jährlich sechsstellige Umsatzbeträge in die Region bringen.

Auch der Immobilienkaufmann Manfred Bok ist der Ansicht, dass es kein Fehler wäre, in Horb mehr Wohnraum für Studierende zu schaffen. "Es ist sinnvoll, in der Nähe des Campus Horb eine Wohnanlage zu bauen." Auch außerhalb der Kernstadt werden Wohnungen nachgefragt, weiß Bok, "denn die BA-Studierende wohnen im gesamten Umland bis Sulz." Mehr Wohnungen für sie in der Kernstadt tragen laut Bok auch dazu bei, den Pendlerverkehr in die Innenstadt zu reduzieren. Das könnte in Zukunft noch wichtiger werden, wenn die Zahl der Studierenden weiter steige.

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