Keine Alternative in Sicht: Der Handbetrieb bleibt am Bahnübergang bei Talheim bestehen. Foto: Hopp

Teuer, langwierig, nicht finanzierbar: Für Übergang in Talheim gibt's derzeit keine andere Alternative.

Horb-Talheim - Wird der Bahnübergang bei Talheim bis ins Jahr 2018 per Handbetrieb gesichert? Gibt es wirklich keine Alternative? Warum würde es so lange dauern, beispielsweise eine neue Schranke zu installieren? Wir haben nachgefragt – mit interessanten Ergebnissen.

Es hatte den Anklang eines Aprilscherzes, als wir vor einigen Tagen berichteten, dass der Bahnübergang bei Talheim möglicherweise noch rund zwei Jahre lang Tag für Tag von Hand gesichert werden muss – dort, wo es im September einen Zusammenstoß zwischen einer Regional-Stadtbahn und einem Lastwagen gegeben hatte und 18 Menschen verletzt worden waren.

Allerdings handelte es sich bei der Ankündigung, vielleicht bis 2018 keine andere Lösung zu finden, keineswegs um einen Witz. Denn, so hatte ein Bahnsprecher erklärt, eine kaputte Anlage dürfe lediglich durch eine Anlage derselben Art ersetzt werden – oder aber durch eine neue, die es jedoch zuvor zu beantragen gelte. Eine extrem zeitaufwendige Angelegenheit, die sich bis zu vier Jahre hinziehen kann.

Doch warum dauert ein solcher Prozess überhaupt so lange? Schlägt hier eine wahnwitzig scheinende deutsche Bürokratie zu, die durch unsinnige Regelungen den Bau einer einfachen Schranken verhindert?

Etwa ein- bis eineinhalb Jahre würde allein Planung neuer Anlage in Anspruch nehmen

Was für Sachunkundige kaum zu fassen ist, erschließt sich für Experten schnell, weiß ein Sprecher der Deutschen Bahn. Das Problem ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick aussieht.

Denn die Sicherung eines Bahnübergangs umfasst weit mehr als blinkende Lichter und sich hebende Schranken. "Das sind sicherheitsrelevante Anlagen", erklärt der Bahnsprecher. "Da ist die Leit- und Sicherungstechnik der ganzen Strecke betroffen. Und die hat einen extrem hohen Standard." Dies beinhalte eine komplexe Vernetzung jener Anlage mit verschiedenen Schnittstellen, die absolut zuverlässig arbeiten müsse – kein Wunder angesichts der Katastrophe, die eine Fehlfunktion und ein daraus resultierender Unfall nach sich ziehen könnten.

Gerade die Planung einer neuen Anlage sei deshalb entsprechend aufwendig. Etwa ein- bis einhalb Jahre würde allein diese in Anspruch nehmen, schätzt der Sprecher. Erst dann könne das Planfeststellungsverfahren in Gang gesetzt werden, das nochmals rund ein- bis eineinhalb Jahre dauern werde. "Eine Beschleunigung ist da nicht möglich."

Auch bei der Ausführungsplanung sowie der Sicherung der Finanzierung müsse man wiederum mit einem halben bis zu einem Jahr rechnen.

Alte Anlage ist "nicht nur funktionsunfähig", sondern "komplett zerstört"

Und hier warte ein weiterer Knackpunkt, so der Bahnsprecher. Denn zum einen wäre eine neue Anlage – samt Planung, Genehmigung und nicht zuletzt dem Bau der Anlage selbst – deutlich teurer als der derzeitige Handbetrieb. "Da gehen wir von über einer halben Million Euro aus."

Berechnungen unserer Zeitungen hatten einen Betrag von rund 300.000 Euro für die Sicherung des Bahnübergangs per Hand ergeben, was der Bahnsprecher bestätigte.

Doch selbst wenn man sich für die teurere Variante – eine neue Anlage – entschiede, würde das Projekt wahrscheinlich scheitern. Der Bahnsprecher erklärt, dass niemand wohl eine solche Summe investiere, wenn jene Anlage beinahe zeitgleich fertiggestellt würde wie die Brücke, die an diesem Bahnübergang bei Talheim bis 2018 entstehen soll – und jede Art von Anlage ohnehin unnötig machen wird.

So weit, so schlecht – alles spricht nach dieser Sachlage für den Handbetrieb.

Doch gibt es nicht vielleicht eine weitere Möglichkeit? Könnte nicht beispielsweise die bisherige Signalanlage repariert werden? Nein, sagt der Bahnsprecher. Aus einem einfachen Grund: "Die ist nicht nur funktionsunfähig. Die ist komplett zerstört."

Letztlich bleibt noch die Hoffnung, dass andernorts in Deutschland eine alte Anlage gleichen Typs abgebaut wird, um für Talheim zur Verfügung zu stehen. Dies wäre zeitnah, ohne Genehmigung und mit überschaubaren Kosten realisierbar.

"Vorgemerkt und angemeldet" sei der Bedarf an einer solchen alten Anlage bereits. Doch wann, ob oder woher diese mechanische Lösung kommen könnte, ist derzeit völlig offen. "Für den Moment haben wir da aber keine Informationen", sagt der Bahnsprecher. Klar sei natürlich, "dass niemand eine Anlage abbauen und für Horb zur Verfügung stellen wird, um dann selbst mit einem Provisorium arbeiten zu müssen".

Strecke für den Straßenverkehr zu sperren wäre einzige Alternative

Viele Hindernisse also, die dem Talheimer Bahnübergang wohl noch längere Zeit eine Sicherung mit der Hand am Arm garantieren werden. Und so seltsam es klingt, jeder Autofahrer wird wohl trotz des merkwürdig anmutenden Anblicks froh über diese Option sein.

Und warum? Das ist schnell erklärt, weiß der Bahnsprecher, der die einzig echte, derzeit mögliche Alternative kennt: "Die Strecke zu sperren – und zwar nicht für den Schienen-, sondern für den Straßenverkehr."