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Horb a. N. Bahn kriegt die volle Ladung ab

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Startschuss für die Horber Schienen-Tage: Bahnkritiker: Ralf Jahncke, Bürgermeister Ralph Zimmermann und "Mr. Schienen-Tage" Rudolf Barth. Foto: Lück Foto: Schwarzwälder Bote

Einen besseren Auftakt können die 36. Horber Schienentage nicht haben: Mit Ralf Jahncke startet einer der härtesten Bahnkritiker die Diskussion. Er sagt: "Dass die Bahn nicht funktioniert, liegt nicht an der Technologie, sondern an den Köpfen. Der Fisch stinkt zuerst am Kopf!"

Horb. Die 36. Horber Schienentage. Organisator Rudolf Barth ist bester Laune. Denn: Mit Ralf Jahncke hat er einen seiner Wunsch-Referenten bekommen. Barth: "Der polarisiert und ist engagiert. Dass er zu uns gekommen ist, obwohl sein Flieger um 22 Uhr ab Frankfurt geht, ist ein echter Freundschaftsdienst."

Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) spricht zunächst das Grußwort: "In Relation zum Auto ist der Zug ein sehr zuverlässiges Verkehrsmittel. Es sei denn, es passiert was wie in Rastatt mit dem Tunnel-Einbruch. Dann bekommen auch die Horber mit, was es bedeutet, wenn der Güterverkehr über unsere Schienen umgeleitet wird. Horb hat eine echte Schlüsselfunktion als Bahnknotenpunkt, und wir sind gespannt, was die Horber Schienen-Tage diesmal an neuen Impulsen bringen."

Und der erste Referent bringt gleich richtig Pfeffer in die Diskussion. Jahncke, selbst Kind eines Spediteurs, ist inzwischen geschäftsführender Gesellschafter der Logistikberatung Trans Care. Er hat, wie er in Horb erzählt, zwischen 2003 und 2010 die russische Bahn umgebaut. Gerade ist er für die slowenische Bahn tätig.

Jahncke. Engagiert. Teilt kräftig aus. Betreibt fast "Bashing", also fast schon herabsetzende Kritik gegen die Bahn. Doch wenn man seine Argumente hört, hat man das Gefühl, der Mann weiß, wovon er redet. Und er verzweifelt offenbar an der Deutschen Bahn. Hat der Mann unrecht?

Seit 1990 dümpelt der Güterverkehr auf der Bahn vor sich hin. Der Marktanteil: konstant bei 17 Prozent. Dabei ist der Kostenvorteil des Lkw gegenüber der Bahn inzwischen durch Maut und Energiesteuern vorbei. Hier liegt die Bahn mit 10 Cent pro Kilometer weit vor dem Lkw mit 28 Cent. Auch die jetzt geplante Halbierung der Trassengebühren für den Güter-Schienenverkehr hält Jahncke für falsch: "Das bringt – gesehen an den Gesamtkosten der Güterzüge, drei Cent pro Kilometer. Das ist marginal. Die Leistung und die Qualität sind ein viel größeres Problem der Deutschen Bahn."

Und der Wettbewerb wird noch härter, so Jahncke: Durch autonomes Fahren sieht er bei den Lastwagen noch ein zukünftiges Einsparpotenzial von 25 bis 40 Prozent beim Transport auf der Straße.

Und hier legt Jahncke auch noch den Finger in die Wunde:

Die Umlageterminals vom Güterzug auf den Lkw. Laut Jahncke dauert das bei bahneigenen Terminals 140 Minuten. Bei privaten fünf Minuten.

Die Güterbahn-Gleisanschlüsse in die Stadt. Jahncke: "Die Bahn hat die alle verkauft –­ Immobilienstrategie. Jetzt denkt man darüber nach, zentrale Anlieferstationen für die City-Logistik zu schaffen. Dann sollen die Waren mit E-Lastern oder andere, umweltfreundlichere Mobilität unterverteilt werden. In Deutschland per Güterbahn undenkbar."

Das Lärmproblem der Güterzüge. Jahncke: "Die sogenannte Wunderbremse verspricht mehr, als sie hält. Weil weiterhin beim Waggon Eisen auf Eisen ist. Gerade dort, wo es viele kurvige Strecken gibt, wird das an den Verwindungsgeräuschen und Stößen nicht viel bringen. Und das macht den Hauptlärm – fragen sie die Bürgerinitiativen an der Rheintalbahn." Dabei habe ein Institut in Leipzig schon einen Güterwaggon aus kohlefaserverstärkten Material entwickelt. Der sei wirklich leiser. Jahncke: "Bei der Massenproduktion ist der Waggon auch nicht teurer als ein herkömmlicher Güterwagen."

Das teuer Zugsteuerungssystem ECTS. Damit will die Deutsche Bahn Milliarden Euro investieren, damit die Züge pünktlicher sind. Jahncke: "Wenn die Züge auf elektronische Sicht fahren – so ähnlich wie autonom fahrende Autos – brauchen wir das teure ECTS nicht. Dass die Deutsche Bahn es beim 5G-Mobilfunkausbau für das autonome Fahren hinnimmt, dass alle Straßen damit versorgt werden, aber nicht alle Schienen, spricht Bände."

Klare Managementfehler. Jahncke: "Bei der Schweizerischen Bundesbahn ist es normal, dass die mit Logistikern ihre Zahlen offenlegen und überlegen, wo man gemeinsam Geld einsparen kann. Das führt dazu, dass ein Logistik-Unternehmen per Bahn in der Schweiz eine Kühlkette für Gemüse aufgebaut hat, wo die Früchte noch schneller frisch im Regal sind als mit dem Lkw. Die Deutsche Bahn lehnt das sogenannte ›Open Book‹ komplett ab."

Die Organisation der Lokführer. Jahncke: "Privatbahnen oder die SBB haben ein Entlohnungssystem, welches die Lokführer mit einem höheren Gehalt belohnt, wenn sie viel fahren. Anders als bei der Deutschen Bahn. Es ist immer schlecht, wenn ein Zug halten muss. Und wenn ein Lokführer auch noch für zusätzliche Verspätung sorgt, weil erst ein Kollege anrücken muss, weil seine Schicht seit 20 Minuten zu Ende ist, bringt das nur Frust."

Die Prognose des Logistik-Spezialisten. "Je schneller die DB Cargo (die Führungsgesellschaft für das Geschäftsfeld Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn AG, Anm.d.Red.) zusammenfällt, desto schneller werden Güter auf der Schiene erfolgreicher."

Ein perfekter Auftakt für die Schienen-Tage. Denn: Heute, so erzählt Barth, kommt das Netzwerk europäischer Eisenbahnen –­ ein Verein, der für den fairen Schienengüterverkehr eintritt. Den ganzen Vormittag über wird es sich um dieses Thema drehen.

Für Bürgermeister Ralph Zimmermann ist der Auftakt der Horber Schienen-Tage "furios. Damit wurde vom ersten Moment an ein inhaltlich tiefer und energischer Austausch gestartet."

Weitere Informationen: Die Horber Schienen-Tage gehen noch bis Samstag. Am Sonntag wird die SSB in Stuttgart besucht. Das Programm der Schienen-Tage: horber-schienen-tage.de

 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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