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Horb a. N. Baden im Neckar: Heikel oder nicht?

Von
Hat Schwabo-Reporter Jürgen Lück sich bei seinem Test in Gefahr begeben? Am Tag des Tests wahrscheinlich nicht. Das kann an anderen Tagen schlechter aussehen, warnt Josef Bendak, Leiter des Kreisgesundheitsamtes in Freudenstadt. Fotos: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jürgen Lück

Horb. Ist das alte Freibad in Horb auch hygienisch gesehen zum Schwimmen geeignet? Der Wasser-Test des Schwarzwälder Boten in Kooperation mit Test-wasser.de hat überraschend ergeben: Die Badewasserqualität des Neckars ist laut der EU-Richtlinie ausgezeichnet – zumindest zum Zeitpunkt der Probenentnahme.

Denn: Ein Kriterium bei der Beurteilung der Badewasser-Qualität ist die Belastung des Wassers mit Enterokokken und Escherichia Coli. Die Einteilung der EU sieht dabei wie folgt aus: "Ausgezeichnete Qualität": Maximale Belastung mit Enterokokken 100, Escherichia Coli 250.

Doch wie sieht es im Neckar in Horb aus? 

Ein kurzer Rückblick: Der Schwarzwälder Bote hatte am Mittwoch, 12. August, um 12.50 Uhr vor dem Bootssteg nach den Vorgaben von Wasser-Test.de zwei Wasserproben genommen. Es war heiß an diesem Tag – der Wetterrückblick meldete 28 Grad. Am Wochenende zuvor hatte es geregnet. Es gibt kaum Strömung, vor dem Bootssteg schwimmt jede Menge Zeug auf dem Wasser. Vom Boden her steigen immer wieder graue Teilchen auf. Eigentlich ein eher schlechtes Zeichen, hatte doch der Experte von test-wasser.de vor Matsch und anderen schwimmenden Teilen im Neckar als mögliche Bakterienquelle gewarnt.

Aus Sicherheitsgründen und um ein wirklich präzises Messergebnis zu bekommen, hatte der Schwarzwälder Bote zwei Wasserproben genommen. Jetzt liegt das Ergebnis vor: Probe 1: Escheria Coli: 21, Enterokokken 1; Probe 2: Escheria Coli: 10, Enterokokken 1.

Das heißt: Der Schwabo-Wassertest zeigt, dass die Bakterienbelastung weit unter den EU-Grenzwerten für "ausgezeichnete" Badewasserqualität liegt! Wer am Alten Freibad ins Wasser springt, dürfte demzufolge von der Bakterienbelastung her nichts zu befürchten haben.

Dennoch warnt das Landesgesundheitsamt vor dem Baden im Neckar.

Der Schwarzwälder Bote fragte Josef Bendak, Leiter des Kreisgesundheitsamtes in Freudenstadt.

Bendak weist zunächst darauf hin, dass es die Aufgabe des Gesundheitsamtes ist, die Bevölkerung in gesundheitlichen Fragen zu beraten und vor möglichen Gesundheitsrisiken zu schützen. 

Bekommt der Neckar jetzt das EU-Badesiegel?

Bendak: Um ein Gewässer überhaupt als Badegewässer nach der EU-Richtlinie anzuerkennen, muss über einen längeren Zeitraum die Wasserqualität beobachtet werden. Regelmäßige Untersuchungen auf Escherichia coli Bakterien und Enterokokken  sind nur ein Bestandteil der Anforderungen. Durch Ortsbesichtigungen muss die hygienische Situation der Umgebung eingeschätzt und überwacht werden. Bei einem Fließgewässer gehört selbstverständlich auch alles dazu, was oberhalb der Badestelle geschieht. Alle hygienisch relevanten Faktoren müssen berücksichtigt werden und in einem Badegewässerprofil beschrieben werden.

Hat der Neckar bei Horb dabei eine Chance?

In den nächsten Jahren rechnen wir damit auf keinen Fall. Zwar hat sich die Wasserqualität des Neckars in den letzten 30 Jahren nach öko-toxikologischen Bewertungsmaßstäben kontinuierlich verbessert, in hygienisch-mikrobiologischer Hinsicht (Bakterien, Viren, Parasiten) ist jedoch der Neckar weiterhin belastet. Nicht nur durch Ausläufe aus Kläranlagen gelangen fäkale Krankheitserreger in den Neckar, sondern auch durch landwirtschaftliche Nutzung der gewässernahen Flächen, Direkteinleitung ungeklärter Wässer, Regenüberläufe, Nagetiere wie Ratten und durch andere Verunreinigungsquellen wird die Wasserqualität stark negativ beeinflusst.

Wie kann der Neckar bei Horb Badewasserqualität bekommen?

Da die Quellen der Verunreinigungen so zahlreich und komplex sind, ist mit einer Veränderung dieses Zustandes nicht so schnell zu rechnen.

Laut Stadtwerke Chef Huber ist das Wasser, welches aus der Kläranlage in den Neckar fließt, sauberer als das im Fluss. Kann ich in Horb-Mühlen ohne Risiko Baden?

Wir müssen davon ausgehen, dass jedes fließende Gewässer, in welches Abwässer eingeleitete werden, mit Viren und anderen Krankheitserregern belastet ist. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache können wir vom Baden im Neckar nur dringend abraten. 

Selbstverständlich ist geklärtes Abwasser immer besser als ungeklärtes. Unbestritten wird der größte Anteil an Krankheitserreger durch die Kläranlage herausgefiltert. Dennoch verbleibt ein erhebliches Gefährdungspotenzial. Die wenigsten kommunalen Kläranlagen sind mit entsprechenden Desinfektionsstufen ausgestattet und so werden bei den Untersuchungen an Ausläufen der Kläranlagen immer wieder krankmachende Keime nachgewiesen.

Gibt es eine Frist, nach der sich die Bakterienbelastung abgebaut hat?

Es ist bekannt, dass zahlreiche krankmachende Bakterien, Viren und Parasiten über Wochen, teilweise über Monate im Oberflächenwasser überleben können.

Wie hoch ist das Risiko prozentual, sich beim Baden im Neckar anzustecken?

Auf Grund der schon genannten zahlreichen Faktoren, die zur Verunreinigung des Neckars und seiner Zuflüsse führen, kann ich zu keinem Zeitpunkt ein Gesundheitsrisiko ausschließen. Auch in Perioden ohne starke Regenfälle muss z. B. an eine Belastung durch das Aufwirbeln von Sedimenten vom schlammigen Flussbett gedacht werden.

Fakt ist aber auch: Am Tag des Schwabo-Wassertests gab es zumindest kaum Coli-Bakterien und Enterokokken im Neckar. Sieht also so aus, als ob das Baden im Neckar zwar ein Risiko ist. An dem Tag scheint es aber gering gewesen zu sein.

Gesundheitsamt-Leiter Bendak meint, dass der Schwabo-Reporter "Glück gehabt" habe. Jeder muss also selbst entscheiden, ob er dieses Risiko eingeht. 

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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