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Horb a. N. Autokauf endet mit gefährlicher Körperverletzung

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Ein Autohändler und sein Sohn wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. (Symbolfoto) Foto: dpa

Horb - Ein Polizisten-Pärchen aus der Region erlebte bei einem Autokauf ein "blaues Wunder" mit schmerzhaften Folgen. Der Polizist wurde verprügelt, die Frau unsanft aus dem Büro-Container herausgeschubst. Deshalb verurteilte das Horber Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Albrecht Trick nun einen Autohändler und seinen Sohn wegen gefährlicher Körperverletzung.

Allen im Gerichtssaal war nicht ganz klar, wie die Situation so aus dem Ruder laufen konnte. Denn die beiden Angeklagten waren in der Vergangenheit noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Das Polizisten-Pärchen hatte den Kleinwagen in einer Internet-Anzeige entdeckt. Auch bei der Besichtigung gefiel den beiden das Auto, sodass sie den Kauf mit dem Autohändler aus dem Kreis Freudenstadt verabredeten. Sie leisteten eine Anzahlung von 300 Euro, damit sie die Fahrzeugpapiere erhielten, um den Wagen anzumelden. Doch bei der Anmeldung fiel dem Käufer auf, dass der TÜV bald abgelaufen wäre. Er kontaktiere den Verkäufer, der ihm zusicherte, dass der Wagen noch vor der Übergabe eine neue Plakette bekommen würde. "Wir übergeben nur Autos in korrektem Zustand", berichtete der 60-jährige Autohändler auch vor Gericht.

Kaufvorgang "stottert"

Doch der Kaufvorgang "stotterte". Kleinere Mängel, die der Käufer festgestellt hatte, wurden nicht wie vereinbart gleich abgestellt. Auch der Kundendienst fehlte. "Als ich an dem Tag, als der TÜV eigentlich schon erledigt sein sollte, zum Autohandel kam, hatte der Wagen immer noch keine neue Plakette." Als der Polizist einen Tag später wieder fragte, ob der Wagen nun "durch den TÜV" sei, erklärte der Autohändler, dass der Wagen leider durchgefallen sei. Bemängelt worden sei die Bremse und der Abgassensor. Der Händler versprach die Reparatur.

Das alles sei dann doch des Guten zu viel gewesen, erklärte der Käufer. "Aufgrund dessen wollten wir vom Kaufvertrag zurücktreten." Der Verkäufer willigte ein. Der Polizist hatte noch den Fahrzeugbrief und meldete den Wagen wieder ab.

Doch dann weigerte sich der Händler, die Anzahlung wieder zurückzugeben und begründete es damit, dass er Kosten gehabt habe. Der Kunde erklärte dagegen: "Ich habe aber auch Kosten gehabt und habe ihm dann persönlich gesagt, dass ich dann zum Rechtsanwalt gehe." Wenig später klingelte das Telefon. Der Verkäufer war wieder am Apparat und fragte, was der Kunde sich vorstelle. Beide Seiten einigten sich auf die goldene Mitte: Zumindest 150 Euro wollte der Polizist zurückhaben.

Er kam zusammen mit seiner Frau zur Übergabe im Verkaufsraum. Was dann geschah, erzählten beide Parteien ganz unterschiedlich. Der Polizist berichtete vor Gericht: "Wir beide waren im Büro. Ich hatte den Fahrzeugbrief in der Hand. Der Autohändler kam dann auf mich zu und fragte ›Ja, was jetzt?‹. Ich sagte, dass wir es so machen, wie am Telefon vereinbart. Danach schlug er mir mit dem Handrücken auf die Brust und sagte: ›Ich schlag Dir auf die Fress’‹. Im Nachhinein glaube ich, dass es nie den Plan gab, uns das Geld zu geben. Denn da lag nirgendwo Geld. Ich sagte, so funktioniert das nicht und dass wir wieder gehen."

Überraschender Kinnhaken

Unterdessen war auch der Sohn des Autohändlers ins Büro gekommen. "Wir wollten dann Richtung Tür. Doch dann kam völlig unvermittelt ein Faustschlag vom Sohn gegen mein Kinn. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich hatte Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Danach kamen von links und rechts Faustschläge gegen den Kopf." Kurz danach habe der Sohn ihn dann in den Schwitzkasten genommen. "Ich hatte gar nicht die Chance, mich zu wehren, weil der Sohn seinen Arm auf dem Waschbecken abstützte. Es ging für mich nur noch darum, irgendwie Luft zu bekommen." Der Arzt attestierte später mehrere Hämathome und Abschürfungen.

Die Aussage der Ehefrau bestätigte das Geschehen. Sie sei vom Autohändler aus dem Büro geschubst worden. Den Kinnhaken konnte sie dann aber sehen. "Ich bin dann noch mal rein, um den Händler davon abzuhalten, weiter auf meinen Mann einzuschlagen." Als sie den Fahrzeugbrief vom Boden aufheben wollte, habe ihr der Händler diesen aus der Hand gerissen.

Vater und Sohn erzählen andere Variante

Autohändler und Sohn kamen vor Gericht mit einer anderen Variante. Der Kunde habe wild um sich geschlagen. "Ich habe ihn nie geschlagen, mein Sohn hat ihn nur geschubst", so der 60-Jährige. Der Junior erklärte, aus Notwehr den Mann in den Schwitzkasten genommen zu haben. "Ich habe ihn nicht geschlagen. Ich wollte ihn nur beruhigen." Die Frau sei auf den Autohändler gestürmt. "Ich bin über Stuhl und Tisch geflogen und habe seitdem starke Schulterschmerzen", so der Angeklagte.

Richter Trick wollte den beiden ihre Version allerdings nicht abnehmen. Auch wenn die Tochter des Autohändlers das Geschilderte bezeugte. "Sie stand aber vor dem Bürocontainer und konnte das Geschehen gar nicht verfolgen. Sie hat nur das berichtet, was Sie ihr erzählt haben."

Der Richter bewertete: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie sich entschlossen hatten, dem Kunden den Schein abzuluchsen und ihm eine Abreibung zu verpassen." Die Schilderungen des Polizisten-Pärchens seien in sich schlüssig. "Der Schlag muss den Polizisten völlig überraschend erwischt haben. Denn beide sind durch ihren Beruf trainiert. Sie hätten sonst keine Chance gegen die beiden gehabt." Und er fügte hinzu: "Sie glauben doch nicht, dass die beiden Polizisten wegen so einer Sache mit einer Falschaussage ihren Job riskieren."

Da Händler und Sohn jedoch bisher nicht vorbestraft seien, blieb er beim geringsten Maß für gefährliche Körperverletzung: jeweils ein halbes Jahr auf Bewährung. Den Händler verurteilte Richter Trick noch zusätzlich wegen Nötigung, da er der Frau den Fahrzeugbrief aus der Hand gerissen hatte.

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