Gabi, Andreas und Karl-Heinz Becker feiern in ihrer Wahlheimat in Kalifornien Weihnachten. Zur Familie nach Mühlen kommen sie alle zwei Jahre, um deutsche Weihnachtsstimmung zu erleben. Foto: Schwarzwälder-Bote

Seit 23 Jahren lebt Familie Becker aus Mühlen in Kalifornien. Weihnachten wird mit Freunden und gutem Essen gefeiert.

Horb-Mühlen/Ojai - Karl-Heinz, Gabi und Andreas Becker feiern neun Stunden später Weihnachten als ihre Verwandten in Mühlen. Sie leben seit 23 Jahren in den USA, in der Kleinstadt Ojai (sprich O-hai) in Kalifornien. Am 24. Dezember gehen die Beckers abends zur Kirche, auch der Sohn Andreas, der als Anwalt in Los Angeles arbeitet, ist dann bei den Eltern. Für heute Abend haben sie außerdem Freunde zu sich eingeladen – "zum ›deutschen‹ Essen", schreibt Becker. Seine Freunde wünschten sich dann Spätzle, Braten, Schnitzel, Gulasch, Rot- oder Sauerkraut, schwäbischer Kartoffelsalat, heiße Himbeeren auf Eis – und deutsches Bier. Bei letzterem erlaube er keine Diskussion in seinem Haus. "Die Amis bekommen das einfach nicht richtig hin", erzählt Becker. "Ganz am Anfang als wir hier hergezogen sind und Freunde noch amerikanisches Bier mitgebracht haben, wurde das zum Blumengießen genommen", erzählt er scherzhaft.

 

Das Weihnachtsfest ist also auch nach 23 Jahren in den USA noch "deutsch". Karl-Heinz Becker hat einst einen Zweijahres-Vertrag bei einem amerikanischen Wettbewerber der Horber Firma Leuco angenommen. Er hatte schon lange den Traum gehegt, einmal in Amerika zu leben, und ergriff die Chance. "Zwei Jahre. Das war mein Plan. Irgendwie hat er nicht funktioniert. 23 Jahre später sind wir immer noch hier."

Geschenkewahn lässt Becker kalt, er vermisst Weihnachtsmärkte

Die Beckers haben sich deutsche Weihnachtstraditionen erhalten. "Der Weihnachtsbaum wird am 24. Dezember gekauft, wenn man ihn oft zu 50 Prozent Discount oder sogar manchmal umsonst bekommt", sagt Becker. Ganz der Schwabe, lässt sich an dieser Stelle ganz leicht sparen. "Die Amis kaufen ihre Bäume Ende November nach Thanksgiving, und am zweiten Weihnachtstag, der in Amerika übrigens kein Feiertag mehr ist, wird der Baum wieder auf die Straße gestellt", erklärt Becker. Bei ihm wird der Baum nach deutscher Tradition am 6. Januar abgebaut. Die Mär von der Weihnachtsgurke, die laut Medienberichten der letzten Wochen in den USA für eine deutsche Tradition gehalten wird, ist ihm nicht bekannt. Stattdessen erzählt er von einem Freund, der sich Weihnachtskugeln in Form eines Gockels in den Baum hängt. "Die Amis machen schon komische Sachen."

Angepasst hat er sich bei der Bescherung, die findet nach amerikanischer Tradition am Morgen des 25. Dezember statt. Der Geschenkewahn lässt ihn kalt, stört ihn eher. "Leider ist die Weihnachtszeit hier total kommerzialisiert. Es geht nur darum, Geschenke einzukaufen. Viele gehen daher ans Maximum, wenn es um deren Kreditkarten geht, wir sind da wohl deutsch geblieben." Die Familie kaufe sich gegenseitig ein paar Geschenke.

In der Adventszeit vermisst er die Weihnachtsmärkte in Horb, Tübingen, Freudenstadt oder in Stuttgart. An Weihnachten fehlt ihm besonders die Familie. Außerdem hätte er es lieber frostig, damit richtige Weihnachtsstimmung aufkommt. "Hier kann man am 24 . Dezember ohne Probleme mit kurzer Hose und T-Shirt einkaufen gehen." Für dieses Jahr sind 15 Grad angesagt – mit kurzer Hose wagen sich da wohl nur Hartgesottene aus dem Haus.

So wie früher, als sie noch in Mühlen gelebt haben, feiern die Beckers noch jedes zweite Jahr. "Dann fliegen wir nach Deutschland, um mit unserer Familie zu feiern", schreibt Becker.

Auswanderer spricht Einladung zum Essen in Kalifornien aus

Seine Botschaft an die Heimat: "Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2014 von der Becker Familie aus Ojai, Kalifornien, an die alte Heimat in Horb und Umgebung." Und er gibt ein Versprechen ab: "Wer eine Zeitung mit unserer Abbildung darauf mit nach Ojai, Kalifornien, bringt, wird von uns zum Essen eingeladen!"