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Horb a. N. Aus Sprint ist Marathon geworden

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Der große Flüchtlingswelle ist in Deutschland abgeebbt. Damit ist es auch um den Horber Arbeitskreis Asyl ein wenig still geworden. Das Problem: Aus genau diesem Grund fehlen den Ehrenamtlichen weitere Mitstreitern – ausgerechnet in einer entscheidenden Phase ihrer Arbeit.

H orb. Erst seit gut einem Jahr lebt Omran Albakr in Horb, doch eines weiß der 25-jährige Syrer schon ganz genau: Jeden Freitag stehen die Wohnungsanzeigen in der Zeitung. Und die studiert der Flüchtling ganz genau. Denn: Seine Unterkunft in der Ihlinger Straße, die er sich momentan mit weiteren Landsleuten teilen muss, will er möglichst schnell verlassen – zu wenig Platz, zu wenig Privatsphäre, zu wenige Möglichkeiten, sich zu entfalten. Nur will die Wohnungssuche ohne fremde Hilfe partout nicht gelingen.­

"Wenn man bei den Vermietern mit gebrochenem Deutsch anruft und sagt ›Ich suche Wohnung‹, dann ist es meist schon vorbei", weiß die Horber Stadträtin Elisabeth Schneiderhan, die zu den Köpfen des Freundeskreises Asyl gehört und die jungen Syrer in der Ihlinger Straße betreut. Sie kritisiert: "Die Flüchtlinge brauchen ja keine Schlösser. Aber sie brauchen eine Wohnung, in der sie die Tür zumachen und mal durchschnaufen können. Sie waren ja in den vergangenen Monaten immer nur in Extremsituationen."

Omran Albakr ist so etwas wie ein Musterbeispiel für gelungene Integration von Flüchtlingen. Er stammt von der syrisch-israelischen Grenze unweit der Golanhöhen. Dort verbaute jedoch das ­Assad-Regime dem studierten Mathematiker die Zukunft: Weil er den Militärdienst verweigerte, wurde Omran Albakr ins Gefängnis gesteckt. Für ihn war das die einzige Option, denn er beteuert: "Ich will niemanden töten." Nach der Haft verließ der junge ­Syrer seine nun zerbombte Heimat und machte sich über die Türkei im Sommer 2015 auf den Weg nach Deutschland. Wie viele seiner Landsleute wählte er den lebensgefährlichen Weg mit einem überfüllten Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland.

Im September kam Omran Albakr schließlich in Horb an. Seit April besucht er den Integrationskurs und spricht inzwischen recht passables Deutsch. Seine Zukunft sieht der 25-Jährige in Deutschland, zumal er in Horb Fuß gefasst hat: Mit Hilfe des Freundeskreises Asyl hat er eine Stelle als Techniker bei der Firma Pleva bekommen. Elisabeth Schneiderhan merkt an: "Die Flüchtlinge finden natürlich schneller eine Arbeit oder eine Wohnung, wenn man weiß, dass ein Freundeskreis Asyl hinter ihnen steht."

Hilfe bei der Suche nach Arbeit, einer Wohnung oder einem Platz in einem Integrationskurs – das Betätigungsfeld des Horber Freundeskreises Asyl hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Jerome Brunelle, Pressesprecher des Freundeskreises Asyl, vergleicht: "Am Anfang hatten wir unheimlich viele Flüchtlinge. Da musste alles schnell gehen, das war ein Sprint. Jetzt sind wir im Marathon." Es gehe nun nicht mehr primär darum, Flüchtlinge etwa mit Kleidung auszustatten. Das Aufgabenspektrum verändert sich weiterhin permanent. Elisabeth Schneiderhan verdeutlicht: "Das Netzwerk muss ständig überdacht und ausgebaut werden. Und dafür brauchen wir Leute."

Das ist allerdings das Problem. Noch vor gut einem Jahr, als die große Flüchtlingswelle Deutschland erreichte,­ bestand der Horber Freundeskreis Asyl aus bis zu 30 Helfern. Heute ist es gerade einmal ein Fünftel davon. Und das, obwohl die wenig verbliebenen Ehrenamtlichen gerade jetzt neue Mitstreiter gebrauchen könnten. Denn an neuen Ideen fehlt es nicht.­ So soll etwa das Café United, bei dem sich jeden Donnerstag Flüchtlinge und Einheimische von 16 bis 18 Uhr im Horber Familienzentrum im Mühlgässle treffen, weiter ausgebaut werden. Bis zu 40 Personen nehmen an den wöchtenlichen Treffen teil. Hier kann auch jeder hineinschnuppern, der sich vorstellen kann, zum Helfer zu werden. Elisabeth Schneiderhahn versichert: "Viele haben Angst, dass sie den kleinen Finger geben und wir dann die ganze Hand nehmen. Man kann aber auch nur einmal im Monat Helfer sein." Gebraucht werden Helfer beispielsweise für Fahrdienste oder das Ausfüllen von Formularen. "Wir wollen mehrere kleine Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen", erklärt die Stadträtin. Auch die ersten syrischen Flüchtlinge, die gut Deutsch sprechen, sollen im Helfer-Team eingebunden werden.

Warum indes so viele Helfer in den vergangenen­ Monaten abgesprungen sind, habe laut Elisabeth Schneiderhahn verschiedene Gründe. Zum einen sei es generell stiller um das Thema geworden. Wenn etwa ein Flüchtling beim Deutsch lernen nicht voran kommt, könne das aber auch für Frust sorgen. Manche seien zudem an ihre persönlichen Grenzen gestoßen. "Mir kommen die Formulare manchmal auch im Schlaf", lacht Elisabeth Schneiderhahn, die aber betont: "Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, wo unsere Grenzen sind und eine Pause einzulegen, wenn wir sie erreichen." Das nehme einem auch keiner im Freundeskreis Asyl übel. Für die dreifache Mutter steht trotzdem fest: "Die Arbeit macht Spaß. Ich empfinde das als reine Bereicherung. Ich habe mir damals die Jungs in der Ihlinger Straße angeschaut und mir gesagt: Das könnten alles meine Söhne sein." Umso stärker setzt sie sich dafür ein, dass "ihre ­Syrer" eine Perspektive in Horb haben – und das beginne bei einer eigenen Wohnung. "Wenn man nicht alleine wohnt, kann sich bei der Integration keine Eigendynamik entwickeln", weiß Elisabeth Schneiderhahn.

Omran Albakr hat das längst verstanden. Das Syrien, das er kennt, gibt es nicht mehr. Und er ist sich sicher: Das werde es nie wieder geben. "Ich will in Deutschland bleiben", verdeutlicht der 25-Jährige. Für ihn bedeutet das erst einmal: Am Freitag werden wieder die Wohnungsanzeigen durchforstet.

 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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