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Horb a. N. Aufschwung und Niedergang der Firma Riese

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Horb - Vor rund sechs Jahren hatte das Unternehmen Riese Electronics Insolvenz anmelden müssen. Ein Jahr später dann das endgültige Aus. Nun ist vor dem Amtsgericht die Verletzung der Buchführungspflicht gegen den damaligen Geschäftsführer Oliver Riese verhandelt worden, die sich allerdings als haltlos erwies.

Doch zunächst gab Oliver Riese einen Abriss über die Zeit vor der Insolvenz: Die Firma Riese Electronics, die sich im Bau von Lösungen im elektronischen Sicherheitssegment spezialisiert hatte, erlebte in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, wie viele anderen Unternehmen, die ersten Schwierigkeiten. Das schilderte Riese auf Nachfrage von Richter Albrecht Trick am Dienstag vor dem Amtsgericht Horb.

Ein Jahr später habe man einen Umsatzrückgang zu verzeichnen gehabt, habe aber noch mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Im Jahr 2010 erlebte das Unternehmen wieder einen Aufschwung und im Jahr darauf konnte der beste Umsatz der Firmengeschichte erwirtschaftet werden, so Riese. Danach seien zwei deutlich schwächere Jahre gefolgt.

Anfang 2014 sei klar gewesen, dass bis im Herbst das Geld ausgehen würde. Im Februar habe es die erste Bankenrunde gegeben. Zwei der Beteiligten seien gar nicht erschienen, mit den Worten "es gibt keine Krise", sagte Riese. Man einigte sich auf eine Strategie, wie das Unternehmen außergerichtlich zu sanieren sei. "Uns wurde eine positive Fortsetzungsprognose bescheinigt", erklärte der 52-Jährige den Ablauf. Sogar einen Investor habe man in Aussicht gehabt. In der zweiten Bankenrunde Mitte April, erklärten die Finanzgeber, dass sie die Strategie nicht unterstützen würden. "Dann war klar, dass die Zeit eng wird", so Riese. Ein Insolvenzverfahren in Eigenregie wurde angegangen – mit professioneller Unterstützung durch einen Berater wurde dies beim Insolvenzgericht in Rottweil eingereicht.

Richter Trick erkundigte sich beim früheren Geschäftsführer, warum es nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2011 zu solchen "Eintrübungen" gekommen sei. Riese: "Es gibt nie nur einen Grund, wenn Unternehmen in Schwierigkeiten geraten." Zum einen sei es an Kunden gelegen. So habe man gleich zwei der größten Kunden verloren – eines brachte normal 1 Million Euro Umsatz und das zweite 1,5 Millionen Euro. Beim einen sei die Halle so voll gewesen, dass dieser erklärt hätte, man würde erst im Jahr darauf wieder Aufträge vergeben können, beim anderen sei der "Preisdruck" der Grund gewesen. "Da kam alles zur gleichen Zeit", führte Riese aus. Der drittgrößte Kunde, für den man Streueinrichtungen herstellte, habe aufgrund des milden Winters eine Absage erteilt.

Und was war zur Sanierung des Unternehmens geplant? – erkundigte sich der Richter. Mit einem Unternehmenberater habe man einen Punkteplan erarbeitet. "Als wir gesehen haben, dass uns die Umsetze schneller wegbrechen als wir Einsparungen machen können, haben wir einen weiteren Geschäftsführer eingestellt", so Riese. Diese Maßnahme habe sich allerdings nicht bewahrheitet.

In der Anklage, die nun am Amtsgericht verhandelt wurde, wurde Riese die Verletzung der Buchführungspflicht vorgeworfen. Dabei ging es um Bilanzen aus den Jahren 2012 und 2013, die nicht fristgerecht eingereicht worden sein sollen. In den Jahren zuvor habe sich immer ein Steuerberater darum gekümmert, schilderte der 52-Jährige Angeklagte. Die Bilanz für das Jahr 2012 hätten Mitarbeiter der Buchhaltung dann erstmalig selbst erstellt. Diese sei dem Steuerberater fristgerecht im März zur Testierung vorgelegt worden. Dafür sprachen auch einige Schriftwechsel, die in der Verhandlung vorgelegt wurden.

Im Jahr darauf habe man den Steuerberater gewechselt. Zwar sei das Unternehmen durch die wirtschaftlichen Probleme zur kleinen GmbH geworden, dadurch sei die Frist zur Einreichung der Jahresbilanz auf 30. Juni verschoben worden, trotzdem habe man die Bilanz erneut im März zum Steuerberater gegeben. Hier sei das Insolvenzverfahren aber bereits absehbar gewesen. "Die Rechnung des Steuerberaters wäre dann zur Insolvenzforderung geworden und wir hätten sie nicht bezahlen dürfen", sagte Birgit Riese, Ehefrau des Unternehmers, die damals in der Buchhaltung tätig war und als Zeugin gehört wurde. In diesen Vorgängen vermuten die Eheleute die Verzögerung der Bilanz.

Als einen der Gründe, warum der frühere Geschäftsführer kein unterschriebenes, fertiges Exemplar der Bilanzen für 2012 und 2013 vorlegen konnte, präsentierte Birgit Riese dem Gericht Bilder von der Übergabe der Geschäftsräume durch den Insolvenzverwalter. Ein absolutes Tohuwabohu habe geherrscht. Diese Bilder wurden nun der Akte zur Verhandlung beigefügt.

Richter Trick, Staatsanwalt und Verteidiger des Angeklagten verständigten sich in einem Gespräch. Das Gericht erklärte daraufhin, dass durch die Schilderungen durchaus plausibel hervorgehe, dass die Bilanzen fristgerecht erstellt worden seien. Wenn es sich um Fahrlässigkeit handele, dann werde die Verjährung fällig, fügte Trick an. Er beantragte daraufhin die Einstellung des Verfahrens – woraufhin auch beide Seiten direkt zustimmten. Oliver Riese muss seine Anwaltskosten jedoch selber übernehmen.

Nachdem das Planinsolvenz gescheitert war, kam im Februar 2015 die bestätigte Meldung aus dem Hause Riese Electronic, dass am 23. Februar vom Insolvenzgericht Rottweil die Planinsolvenz in Eigenverwaltung aufgehoben und in ein allgemeines Insolvenzverfahren umgewandelt worden war. Bei einer Planinsolvenz handelt es sich um eine geplante Hinführung zu einer Firmeninsolvenz, bei der die Gläubiger über den ausgearbeiteten Insolvenzplan entscheiden. Der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur noch beratend auf. Die alte Geschäftsführung bleibt bei der Planinsolvenz im Amt.

Der damalige Sachwalter Rüdiger Weiß wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Er erteilte dem bisherigen Geschäftsführer Oliver Riese und dessen Frau Birgit Hausverbot und entließen Oliver Riese zudem aus der Geschäftsführung. Daraufhin gab es Gerüchte über Investoren, die einspringen würden, allerdings zerschlugen die sich wieder.

Die rund 50 Mitarbeiter des Unternehmens verloren ihren Arbeitsplatz. Einige konnten beim Bisinger Unternehmen "CM Manufactory" unterkommen.

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