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Horb a. N. Auf dem Weg zur Braillezeile 7.0

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Jubiläum bei Help Tech (von links): Hans Katalenic Marc, Züfle Sigfried Kipke, Edith Barth, Ralf Bohnet, Kurt Brei, Martin Hess feierten das 25-jährige Bestehen des Unternehmens.                                                                                                                                                                                                                                                                             Foto: Lück Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Grund zum Feiern: Seit 25 Jahren ist Help Tech (früher: Handy Tech) Nordstettens größter Arbeitgeber. Zur Feier gibt es nicht nur exzellente Wirtschafts-Nachrichten, sondern auch den Beweis, dass die Produkte von Help Tech helfen.

Horb-Nordstetten. Früher musste Gründer Siegfried Kipke sogar sein Haus verkaufen, damit die Firma überlebte. Jetzt sagt er: "Wir sind in einer sehr dynamischen Wachstumsphase. Dadurch haben wir auch das Kapital, um drei neue Entwicklungsprojekte auf einmal zu stemmen." Das hat Kipke auch Marc Züfle zu verdanken. Seit Längerem ist er gleichberechtigter Geschäftsführer. Der Vertriebsprofi hat aus Help Tech nicht nur den Hersteller von Computer-Hardware gemacht, die es Blinden ermöglicht, ganz normal zu arbeiten. Sondern setzt auf den Verkauf von Hilfsmitteln – wie solche Geräte offiziell heißen – damit Senioren beispielsweise mit der Orcam die Lektüre des Schwarzwälder Boten gleich aufs Ohr bekommen. Die Orcam wird einfach an die Brille geklickt. Die Texte werden erfasst und dem Nutzer vorgelesen.

Und das Geld, was über den Vertrieb hineinkommt, wird in die Entwicklung neuer Produkte gesteckt. Kipke: "Wir haben ein Softwareprodukt und zwei Hardware-Produkte in der Pipeline. Wir hoffen, damit die Mitbewerber überraschen zu können." Was genau dahintersteckt, will Kipke natürlich nicht verraten. Nur soviel: Es wird die Braillezeile 7.0 geben!

Die Braillezeile: Ein Gerät, welches die Computerschrift in die Blindenschrift – die sogenannte Braille-Punktschrift – überträgt. Klaus Peter Schönherr hatte sie 1974 in Horb erfunden. 1981 starb er bei einem Autounfall, die deutsche Blindenstudienanstalt aus Marburg übernahm die Firma. Hier stellte sich Siegfried Kipke 1988 vor. Kipke: "Damals kostete es schon viel Überzeugung, überhaupt eine feste Anstellung zu bekommen. Neun Monate, nachdem ich angefangen habe, war ich schon Betriebsleiter. In dem Büro, in dem ich heute noch sitze."

Keine Selbstverständlichkeit. Kipke: "Meine Mutter hat uns vier Kinder in einer Sozialwohnung in Stuttgart aufgezogen." Eine Kindheit, die ihn bis heute prägt. Denn: In seiner Firma arbeiten auch Blinde und Sehbehinderte. Ortsvorsteherin Edith Barth: "Ich habe Sigi als Geschäftsführer oft gesehen, wie er die Sehbehinderten von der Firma nach Hause gefahren hat oder von zu Hause abholte."

1994 übernahm Kipke die Firma. Brachte 1995 sein erstes Produkt heraus: den Buchwurm. Ein E-Reader wie Amazons Kindle für Blinde.

2007 dann das Patent für die bis dahin wohl weltweit beste Braille-Zeile. Kipke: "Sie folgt den Fingern, die Punkte sind konkav geformt, und die Braille-Zeile nimmt die Lese-Position auf."

Wie perfekt das geht, demonstriert dann Annika Flaake nach den Festreden: Der Text tickert über die Braille-Zeile in die Finger. Auf dem Monitor sieht man, wie sich die Punkte bewegen. Und Flaake liest perfekt den Text ab.

Kein Wunder, dass Ralf Bohnet, Wirtschaftsförderer des Landkreises Freudenstadt, nicht nur dafür gesorgt hat, dass Kipke als "Mittelständler des Jahres" vom Landkreis vorgeschlagen wurde. Bohnet: "Meine Tochter nutzt selber diese Produkte. Sie ist sehr begeistert. Die Produkte von Help Tech sind eine große Hilfe für Sehbehinderte und sorgen dafür, dass sie am Leben teilhaben können."

Kurt Brei vom ASM (Arbeitsgemeinschaft Soziales Miteinander) aus Nagold hat seinen Labradoodle, Blindenführhund Lando, mitgebracht – einen Mix aus Labrador und Pudel. Er sagt: "Ich bin total begeistert, was hier abgeht."

Kipke dagegen bleibt bescheiden. Bleibt bei seinem Motto: "Wir wollen die besten im Markt werden, nicht die größten. Das haben wir bis heute geschafft. Innovation ist zu ein Prozent Inspiration und zu 99 Prozent Transpiration – also harte Arbeit."

Züfle lobt Kipke als den "Innovator mit Herzblut". Und er packt im Team mit den Mitarbeitern in Nordstetten auch schon mal heimlich an, wenn Kipke nicht da ist. Züfle lächelt: "Wir haben in den letzten Wochen mit dem ganzen Team die Logistik und die Produktion komplett umgestellt. Wir haben teilweise bis 23 Uhr gemeinsam geschafft."

Kipke erinnert sich: "Ich war auf einer USA-Reise. Dann hat mir Marc die Fotos geschickt, wie er den kompletten Produktionsbereich rausgerissen und umgestellt hat. Klasse, wie sie das gemeinsam gemeistert haben. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Truppe."

Und damit ist Help Tech fit für die neue Braille-Zeile 7.0. Und für weiteres Wachstum. Nach Angaben von Kipke hat Help Tech bei den selbst produzierten Hilfsmitteln für Sehbehinderte bisher einen Marktanteil von gut 30 Prozent. In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt. Kipke: "Wir hier bei Help Tech sind in der Lage, aus einer coolen Idee ein tolles Produkt zu machen."

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