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Horb a. N. Angeklagter baut in Steinbruch Marihuana an

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Weil sie Marihuana im Talheimer Steinbruch angebaut hatten, sind zwei junge Männer vom Horber Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Foto: Berg

Horb - Das war eine teure Eigentherapie: Der 24-jährige Thomas K. (Name geändert) muss jetzt 1350 Euro Geldstrafe bezahlen. Er hatte im Steinbruch von Talheim Marihuana angebaut – gegen seine Schmerzen.

Da sitzen sie im Amtsgericht: Zwei junge Burschen aus Ortsteilen von Horb. Thomas K. (24) und Christian O. (22). K. ist in Ausbildung O. im Job, und beide sind engagiert in Vereinen. Jetzt müssen sie sich wegen des "Verbrechens des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln" vor dem Schöffengericht verantworten. K.s Verteidiger Zlatko Prtenjaca: "Mein Mandant hat die ganze Woche schlecht geschlafen. Er ist ganz aufgeregt."

Doch was haben sich diese beiden so ordentlich wirkenden jungen Männer zu Schulden kommen lassen?

Am 30. August beschlagnahmte die Polizei im stillgelegten Steinbruch in Talheim sechs Cannabis-Pflanzen. Der Anlass war ein anonymer Zettel: "Lassen nicht zu, dass aus dem Steinbruch in Talheim eine Cannabis-Plantage wird." Genannt wurden die Namen der beiden und die Stelle, wo die Pflanzen wachsen. Im Polizeiverhör haben beide sofort gestanden.

Pflanzen im Internet bestellt

Verteidiger Prtenjaca verliest eine Erklärung von Thomas K.: "Mein Mandant hat feminisierte Pflanzen im Internet bestellt. Die Sorte: Durban Poison. Das ist eine Sorte, die den Wirkstoff THC in niedriger Dosierung enthält und gegen Schmerzen und Muskelkrämpfen als Entspannung eingesetzt wird. Mein Mandant konsumiert dieses Marihuana gegen sein Rheuma. Er hat diese Krankheit wohl geerbt. Seine Tante hat das auch –­ sie ist um die 60 Jahre alt. Sie nimmt seit 20 Jahren Rheumablocker. Die Nebenwirkungen: Glasknochen und abgeknickte Zehen. Weil er sich diese Nebenwirkungen nicht antun will, hat er mit 17 mit dem Marihuana-Konsum gegen die Schmerzen angefangen. Seinen Eltern hat er auch Bescheid gesagt." Dann legt der Verteidiger noch ein ärztliches Attest vor. Aus dem Jahr 2016. Dort wird K. eine "beginnende rheumatoide Arthritis" bescheinigt. Und weil K. –­ so die Erklärung des Anwalts – beim Kauf reingelegt wurde, habe er beschlossen, das Marihuana selbst anzubauen.

Auch Christian O. konsumierte THC und hat laut seinem Anwalt Achim Unden "gelegentlich konsumiert. Er hatte dann die Idee, selbst anzupflanzen. Jeder der beiden Angeklagten hat für sich angepflanzt. Seit dem Ermittlungsverfahren hat sich mein Mandant von den Drogen abgewendet. Er raucht nichts mehr."

13,8 Gramm THC

In der Beweisaufnahme schildert der 35-jährige Polizist, wie er mit einem Kollegen den Drogen auf die Spur kam: "Nach dem anonymen Hinweiszettel sind wir am 30. August losgefahren. Laut der Beschreibung sollte man die Pflanzen von oben sehen können – doch das war alles zugewachsen. Wir wollten schon wieder gehen, als wir gesehen haben, dass der Bauzaun offen war." Das fand die Streife verdächtig und fand schließlich die Pflanzen: Jeweils drei –­ im Abstand von 50 bis 80 Metern. Die Streife riss die Drogenpflanzen raus, band sie zusammen und nahm sie mit. Der Beamte: "Ich habe beim LKA nachgefragt. Die haben gesagt: Ist völlig in Ordnung. Die können auch ruhig trocknen für die Bestimmung des THC-Gehalts."

Im März wurden die Pflanzen dann untersucht. Ergebnis: Sie enthalten insgesamt 13,8 Gramm des Drogenwirkstoffs THC.

Juristisch heikel, so erläutern sowohl Richter Albrecht Trick als auch Rechtsanwalt Unden: Geht man davon aus, dass beide gemeinsam gepflanzt haben, ist das nach dem Gesetz eine "nicht geringe Menge". Wenn jeder für sich gepflanzt hat, sollte man die Menge rechnerisch teilen. Rechtsanwalt Unden: "Dann sind wir unterhalb von 7,5 Gramm für meinen Mandanten – das ist dann ­an der Grenze zur geringen Menge zum Eigenverbrauch."

Deshalb argumentierten die Verteidiger, dass jeder der beiden für sich gepflanzt hat. Staatsanwalt Frank Grundke: "Die Polizei wäre fast wieder weggefahren, so gut waren die Pflanzen versteckt. Das zeigt: Die beiden haben sich abgesprochen. Sie haben im Polizeiverhör auch angegeben, dass sie das zusammen getan haben."

Rechtsanwalt Unden: "Die Vernehmung bei der Polizei kann man in der Pfeife rauchen. Das sind jeweils nur drei oder fünf Zeiler in den Akten, wo beide das Anpflanzen sofort zugeben. Es wurde nichts gefragt. Der Abstand von 50 bis 80 Metern der Pflanzen macht bei einer gemeinsamen Tat keinen Sinn –­ müssten die Beschuldigten dann jeweils die Strecke mit der Gießkanne oder Harke ablaufen."

Hätte Angeklagter Anrecht auf Rezept?

Der Verteidiger des rheumageplagten Thomas K.: "Er gehört nicht zum Milieu. Er hat Auswege daraus gesucht und deshalb den Eigenanbau gestartet. Das Marihuana hat auch eine extrem schlechte Qualität –­ mit einem Wirkstoffanteil von 1,42 Prozent. Mein Mandant ist kein Berufsverbrecher. Er hat bei seiner Tante gesehen, was passieren kann, wenn man der Schulmedizin folgt. K. erfüllt die Voraussetzungen, sich beim Arzt medizinisches Marihuana verschreiben zu lassen. Das strafbare seiner Handlung hängt an einer Formalie – dem Rezept."

Dann zieht sich das Schöffengericht zur Beratung zurück. Richter Trick verkündet dann das Urteil: Christian O. und Thomas K. bekommen jeweils 90 Tagessätze. Weil jeder einzeln die Pflanzen angebaut hat. Richter Trick: "Mit den 90 Tagessätzen sind wir knapp unter der Grenze der Vorstrafe geblieben. Aber auch nicht weit darunter. Es erscheint glaubhaft, dass das ein einmaliger Ausflug der beiden war."

O. bekommt jetzt – wegen des höheren Verdienstes in seinem Job – 90 Tagessätze zu 40 Euro –­ 3200 Euro. Der Azubi K. muss 90 Tagessätze zu 15 Euro bezahlen, was insgesamt 1350 Euro sind – eine teure Eigentherapie.

Und warum ist Thomas K. nicht einfach zum Arzt gegangen und hat sich ein Rezept für medizinisches Cannabis geholt? Er sagt zum Schwarzwälder Boten: "Ich habe meinen Rheumatologen danach gefragt. Er hat gesagt, ich bekomme das nur, wenn all die anderen Mittel nicht anschlagen sollten. Doch diese Giftbomben wollte ich mir nicht antun."

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