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Horb a. N. Andenken an Horbs einzigen Rabbiner

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Der Platz vor dem ehemaligen Gebäude des jüdischen Betsaals wird "Dr. Abraham-Schweizer-Platz" heißen. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Christof Schülke

Horb. Ein fast routinemäßiges Abstimmungsverfahren in einer Gremiensitzung gewinnt diese Woche in Horb besondere Symbolkraft. Es geht um das Andenken an Horbs Rabbiner Abraham Schweizer. Der Platz vor dem Haus des ehemaligen jüdischen Betsaales wird nach ihm benannt.

Vor allem in Kirchengemeinden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird diese Woche der Deportation von 6500 Juden in Südwestdeutschland vor 70 Jahren gedacht. Hohe christliche Würdenträger erinnerten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung an die Verschleppung der Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland am 22. und 23. Oktober 1940 durch die Nationalsozialisten in das Internierungslager Gurs in Frankreich.

Es passt in diese Woche, dass die Gemeinderäte und sachkundigen Bürger des Städtebau- und Sanierungsausschusses sowie des Technischen Ausschusses einstimmig entschieden, den Platz vor dem Haus des einstigen jüdischen Betsaals nach Horbs erstem und letztem Rabbiner Abraham Schweizer zu benennen. Die Gremien folgten damit einem Wunsch der Förderstiftung jüdischer Betsaal.

Postalisch behält das Gebäude die Adresse Fürstabt-Gerbert-Straße 2; trotzdem besitzt die Entscheidung starke Symbolkraft, wird doch das Andenken an Abraham Schweizer als prominentem Mitglied der damaligen Gesellschaft wieder in die Stadtgeschichte zurückgeholt.

Schweizers wichtigste Lebensdaten sind bekannt. Als 1913 der Rabbinatssitz von Mühringen nach Horb verlegt wurde, war Horb bis 1936 Sitz eines Rabbinats, das die israelitischen Gemeinden des Bezirks Horb (dazu Tuttlingen) und die Gemeinden Rottweil, Reutlingen, Tübingen und Rottenburg umfasste. Wie der Förderverein recherchierte, wohnte Abraham Schweizer während seiner ganzen Zeit in Horb im Haus gegenüber des Betsaals, in dem heute unter anderem eine Zahnarztpraxis untergebracht ist. Weiter berichtet der Verein aus seinen Nachforschungen: "Als Rabbiner des größten Rabbinatsbezirks in Württemberg gehörte er über 20 Jahre zu den geistlichen Würdenträgern von Horb und hat das soziale und religiöse Leben der Stadt mitgeprägt."

Weiter schildert der Verein: "Trotz dieser Verdienste für die Allgemeinheit ist seine Person aus dem Gedächtnis der Stadt völlig verschwunden." Im Rahmen des Gedenkprojektes "Stolpersteine" wird für ihn in Horb kein Stein verlegt, weil sein letzter Ort, an dem er aus freiem Willen lebte, Stuttgart war. Deshalb findet es der Förderverein angemessen, den Platz an seiner ehemaligen Wirkungsstätte und seinem Wohnhaus nach ihm zu benennen.

Das Anliegen stieß auf uneingeschränkte Zustimmung. FD/FW-Stadtrat Joachim Milles merkte lediglich an, dass man in Horb mit dem Namen Abraham Schweizer "nichts anfangen" könne und eine Benennung nach dem ebenfalls jüdischen Maler Salomon Hirschfelder vielleicht geeigneter gewesen wäre.

Dazu Heinz Högerle vom Förderverein: "Dass man mit ihm nichts mehr anfangen kann, ist den Umständen geschuldet. Wir haben nicht einmal ein Bild von ihm." Aber: "Er ist aus der Öffentlichkeit verschwunden, weil das die Nazis so haben wollten. Wir müssen dazu beitragen, dass er wieder ins Bewusstsein der Bürger zurückgeholt wird."

An dem Platz soll eine Texttafel über das Leben Abraham Schweizers informieren.

u Abraham Schweizer wurde am 3. Februar 1875 in Schopfloch bei Dinkelsbühl als Sohn des Kaufmanns Joseph Schweizer und seiner Frau Jette geboren. 1890 zog die Familie nach Esslingen und 1893 nach Stuttgart um. Dort besuchte Abraham Schweizer das Karlsgymnasium. Nach seinem Abitur im Jahr 1896 studierte er zunächst an der Universität in Würzburg und von 1897 bis 1900 in Berlin. 1900 promovierte er in Tübingen, wo er ein Jahr später auch die württembergische Dienstprüfung für Rabbinatskandidaten ablegte. Bis 1904 war er Rabbinatsvikar, später dann bis 1913 Rabbiner in Weikersheim (Rabbinat 1914 aufgelöst). Dann übernahm er das Rabbinat in Horb. Abraham Schweizer war Vorstandsmitglied im Verein Baden-Württembergischer Rabbiner und Mitglied der Stuttgart-Loge. 1917 wurde er mit dem Charlottenkreuz ausgezeichnet. 1936 ging er in Ruhestand und siedelte nach Stuttgart über, 1938 kam er ins Konzentrationslager Dachau und zog nach seiner Entlassung nach Stuttgart. Im Herbst 1941 wurde er nach Oberdorf am Ipf zwangsevakuiert und von dort am 23. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 29. September kam er in das Vernichtungslanger Maly Trostinec in Polen, wo er ermordet wurde.

Schweizers Frau Zeline lebte von 1880 bis 1913. Sie hatten einen Sohn Arno, der in Auschwitz ermordet wurde. Zur 700-Jahr-Feier der Stadt Horb veröffentlichte Abraham Schweizer in der Festschrift einen Beitrag mit dem Titel "Die Israeliten in Stadt und Bezirk Horb".

 
 

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