Die Ampel am Flößersteg bleibt schwarz: Wer Gepäck dabei hat oder schlecht zu Fuß ist, hat Schwierigkeiten, ausreichend große Lücken im dichten Verkehr zu finden, um die Bundesstraße zu überqueren. Foto: Hopp

Signal am Flößersteg funktioniert nicht immer. Junge berichtet von brenzliger Situation. Betreiber aus Detmold.

Horb - Die Fußgängerampel am Flößersteg fällt immer wieder aus. Fußgänger müssen die B14 auf gut Glück überqueren. Wer schlecht zu Fuß ist, gerät in Gefahr. Die Lösung des Problems dauert lange: Die Ampel wird von einem Dienstleister aus Detmold (Nordrhein-Westfalen) betrieben. Der Blick auf die Fußgängerampel am Flößersteg war gestern ein ratloser. Kein Leuchtsignal. Am Vormittag war die Ampel ausgefallen, wie nach Angaben von Fußgängern schon öfter in letzter Zeit.

 

Justin Arendt (15) wartet mit dem Fahrrad am Überweg darauf, dass die Autoschlange mal abreißt. Er ist vorsichtig geworden. "Mein Bruder ist hier fast angefahren worden, weil die Ampel kaputt war", erzählt er. Erst vor wenigen Wochen sei das passiert. Der Bruder sei schon auf der Straße gewesen, als ein Auto so zügig durchgefahren sei, dass er zur Seite habe springen müssen. Das Risiko ist groß. Drei Spuren müssen überblickt werden, das kann vor allem Kinder überfordern. An Schultagen queren viele Schüler die B14 in der Mittagspause, um zum Einkaufszentrum beim Bahnhof zu kommen.

Justin Arendt hat lange genug gewartet als er plötzlich seine Chance sieht: Er tritt in die Pedale und saust vor einem herannahenden Lkw noch schnell über die Straße.

Behebung dauert: Zuständiger Techniker hat weite Anfahrt

Bernd Hofer, Verkehrsingenieur beim Straßenbauamt des Landkreises Freudenstadt, ist überrascht, dass von häufigen Ausfällen berichtet wird, denn ihm ist davon nichts bekannt. Hofers Erklärungsversuch: Vermutlich schalte sich die Anlage von selbst aus und wieder an, Grund dafür könnten Stromschwankungen sein. Die Lösung des Problems liegt knappe zwei Autostunden entfernt: Der zuständige Techniker war gestern in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) unterwegs, als ihn der Anruf aus dem Freudenstädter Straßenbauamt erreichte. Der Landkreis hat die Zuständigkeit für die Lichtanlage am Flößersteg nämlich wie üblich per Ausschreibung an einen Dienstleister vergeben, der das günstigste Angebot vorgelegt hat. Der sitzt in Detmold (Nordrhein-Westfalen) und hat Techniker im Außendienst, wie der erwähnte in Weinheim. Wenn eine Störung gemeldet wird, kann es also dauern, bis die Anlage wieder in Schuss ist.

Zwar habe auch die Straßenmeisterei Dornstetten einen Schlüssel zum System der Anlage und versuche ihr Möglichstes, sagt Hofer. "Aber man braucht auch qualifiziertes Personal für diese Technik."

Viele Ampeln hätten einen Störungsmelder integriert, sodass die Betreiberfirma automatisch benachrichtigt wird. Bei einem Ausfall der Ampel am Flößersteg sei die Straßenmeisterei auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen (Telefon 07441/ 9 20 16 00).

Hofer empfiehlt den Fußgängern, bei einem Ampel-Ausfall ein Stück weiter zu gehen und die Ampel an der Kreissparkasse zu benutzen. Wenn die Ampel nicht funktioniert, habe der Fußgänger prinzipiell keine Rechte, der Überweg fungiere nicht wie ein Zebrastreifen.

Dennoch querten gestern die meisten Fußgänger an Ort und Stelle. Ein Mann, rote Sportjacke, beginnt zu rennen, als er die ersten Schritte auf die Straße getan hat. Die Autos fahren oft schneller heran, als mancher beim Losgehen erwartet. Rosemarie Gravemeier (71) ist nicht so schnell. Sie hat Multiple Sklerose und ist je nach Tagesform schlecht zu Fuß. Wenn eine Ampel gar nicht funktioniert, sind die Chancen für sie schlecht. Dabei hat sie oft schon Angst, wenn sie an einer funktionierenden Ampel steht. Sie frage sich: "Kann ich rüber oder nicht? Die Autofahrer nehmen nicht unbedingt Rücksicht."

Eher selten war gestern das Verhalten einer älteren Dame am Steuer eines Kleinwagens: Sie erkannte das Problem, hielt am Überweg an und ließ Fußgänger passieren.

Info: Grünphasen

Ältere Fußgänger beklagen kurze Grünphasen an Ampeln in der Stadt. Das zuständige Straßenbauamt sieht aber keinen Handlungsbedarf. Verkehrsingenieur Bernd Hofer spricht von "üppig" Zeit zum Überqueren und erklärt: Am Flößersteg habe der Fußgänger acht Grünsekunden, sehe dann Rot, habe aber dennoch weitere acht Sekunden Zeit, bevor die Autofahrer wieder losfahren. Will der Fußgänger am Flößersteg allein in der Grünphase überqueren, muss er 1,1 Meter pro Sekunde zurücklegen. "Das ist ein relativ guter Wert", sagt Hofer. 1 Meter pro Sekunde gelte als behindertengerecht. Schlechter sieht es am B 14-Übergang an der Gutermanngrundschule aus: 1,6 Meter pro Sekunde muss zurücklegen, wer den Weg bei Grün schaffen will. Bei Einberechnung der Zeit, die die Autos noch stehen, die Fußgängerampel aber schon Rot zeigt, ergibt eine nötige Mindestgeschwindigkeit von 0,8 Meter pro Sekunde. Hofers eindringlicher Hinweis: "Bei Rot bitte nicht umkehren!"