Mobil ohne Auto hat sich in den letzten Jahren immer großer Beliebtheit erfreut – In diesem Jahr fällt das Event leider aus. Foto: Hopp

Axel Blochwitz musste autofreien Sonntag absagen. Wer ist schuld: Musikverein oder NET-Verein?

Horb/Rottenburg - Es ist ein bisschen wie bei Asterix: die Kommunen des "Neckarerlebnistals" sind sich einig, dass Mobil ohne Auto mit seinen 40.000 Teilnehmern am letzten Septemberwochenende stattfinden sollte. Nur der Musikverein Bieringen erhebt Einwände.

 

Er blockiert den autofreien Sonntag mit seiner Kirbe und dem Kübelesrennen.Von Freitag, 21. September, bis Montag, 24. September, ist die Kirbe, zu der zwischen 1000 und 2000 Besucher kommen, so heißt es. Damit wird der autofreie Sonntag zwischen Rottenburg, Horb und Sulz blockiert. Andererseits steht die Frage im Raum, warum der Verein Neckar-Erlebnis-Tal sich auf diesen Termin versteift hat. Etwas angesäuert äußert sich dazu Rottenburgs OB Neher, der den Schwarzen Peter bei dieser Terminpanne nicht allein den Bieringer Musikern unterschieben möchte.

Wegen Kirbe keine Straßensperrung - und daher kein autofreier Sonntag

Doch von vorn. Der Horber Axel Blochwitz, Vorsitzender des Vereins Neckar-Erlebnis-Tal, der den autofreien Sonntag zwischen Rottenburg und Sulz organisiert: "Da der Verein nicht bereit ist, auf die Zufahrtsstraße zur Kirbe zu verzichten, mussten wir Mobil ohne Auto dieses Jahr absagen."

Grund: Wegen der Kirbe lässt die Rottenburger Stadtverwaltung keine Straßensperrung der L 370 zu.

Klaus-Peter Mühleck, Vorsitzender des Verkehrsvereins Sulz: "Dafür habe ich kein Verständnis. Es kann doch nicht sein, dass eine Großveranstaltung wie Mobil ohne Auto nur wegen eines einzigen Vereins ausfällt!" Was Mühleck nicht nachvollziehen kann, ist die Hartnäckigkeit der Bieringer.

Für ihn ist das Beharren der Bieringer auf ihrem Kirbe-Termin ein "Schlag ins Gesicht für alle gut 80 engagierten Vereine, die jedes Jahr beim autofreien Sonntag mitmachen." Der Sulzer Verkehrsverein hatte – wie gut 100 Vereine auch – darauf gehofft, mit dem autofreien Sonntag im Neckartal eine Werbung für die Heimattage im nächsten Jahr machen zu können.

Mühleck: "Der autofreie Sonntag hat eine hohe touristische Bedeutung. Viele Menschen warten auf diese Veranstaltung. Dass sie gerade im Jahr vor den Heimattagen ausfallen muss, darüber kann ich nur den Kopf schütteln."

Bieringer Verein fordert Geld

Der Bieringer Musikverein blieb bei einer Kompromisslösung hart – und forderte Geld. Wie der Schwarzwälder Bote erfuhr, hatten die Verantwortlichen den Bieringern eine "Ausfallbürgschaft" für den Sonntag zwischen 8 und 18 Uhr angeboten, falls die Sperrung der Straße und die vorbeiziehenden bis zu 40.000 Teilnehmer der Kirbe einen wirtschaftlichen Schaden zufügen sollten. Im Gespräch soll eine Summe im unteren vierstelligen Bereich gewesen sein.

Mühleck kann Geldforderungen der Bieringer nicht verstehen: "Wenn Vereine wie unserer Mobil ohne Auto machen und es regnet, tragen wir auch das Risiko ganz alleine. Wenn die Bieringer gewollt hätten, hätte man sicherlich eine Lösung gefunden, die für alle tragbar ist."

Kirbe ist traditionell am letzten Wochenende im September

Dazu wurde angeboten, für Kirbe-Besucher, die mit dem Auto kommen, eine Durchfahrts-Querung dort einzurichten, wo die Wege die Radfahrer kreuzen. Doch der Bieringer Musikverein wollte mehr Geld – so heißt es – und dazu die komplette Straße als Zufahrt zur Kirbe.

Blochwitz: "Man kann die vielen Fahrradfahrer und Inline-Skater entlang der Bieringer Kirbe nicht auf einen drei Meter breiten Radweg zwängen." Eine Verschiebung der Kirbe lehnte der Musikverein ab. Blochwitz: "Weil der Termin traditionell am letzten Wochenende im September ist. Der Montag zählt für den Verein dazu. Bei einer Verlegung um eine Woche wäre der Montag dann im Oktober gewesen." Da die Bahn schon Sonderzüge von Tübingen nach Sulz mit extra Fahrrad-Platz geordert hatte, war der Termin für den autofreien Sonntag auch nicht mehr zu verschieben, so Blochwitz.

Rottenburgs OB Stephan Neher sitzt mit Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger im Beirat des Neckar-Tal-Vereins. Neher sagt: "Ich verstehe zwar, dass man sauer ist. Die Bieringer Kirbe ist schon immer am letzten Septemberwochenende. Nachdem der autofreie Sonntag letztes Jahr wegen des Neckarblühens in Horb ausgefallen war, haben wir versucht, beide Termine zu entkoppeln. Die Vorstände vom Neckar-Erlebnis-Tal waren offenbar im Vorfeld nicht in der Lage, diese Terminkollision zu sehen."

Auch ein Kompromiss – nämlich die halbseitige Sperrung der Straße vor der Bieringer Kirbe für den autofreien Sonntag – war Rottenburgs Oberbürgermeister Neher "zu heikel".

Nächstes Jahr dürfte es die Probleme nicht geben: Der autofreie Sonntag wurde auf den 15. September vorverlegt.