Kronenbitter: "Neue Patienten haben erhebliche Probleme". Thema für "Gesundheitskonferenz".

Horb - Nach der vorläufigen Schließung der Akut-Klinik wird die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung immer schlechter. Mit allen Mitteln versucht die Stadt, die Situation zu retten.

Problem Hausärzte. Per Fax hat Allgemeinmediziner Roland Müssle der Stadt nach einem Jahr mitgeteilt, dass er aufhört. Rosenberger: "Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit." Zwar sei die Versorgung mit Hausärzten noch recht gut, durch das Altersprofil würden in den nächsten Jahren aber Probleme auf die Patienten zukommen.

Wolfgang Kronenbitter, Fachbereichsleiter und Kreistagsmitglied: "Die Lage in unserer Region ist inzwischen so, dass mehrere Hausärzte keine neue Patienten mehr annehmen können." Einzelne Praxen im Horber Umland nehmen offenbar schon seit Längerem keine Patienten mehr an. Es heißt: "Wir sind überfüllt."

Harald Brandl, Sprecher der AOK Nordschwarzwald: "Aus wirtschaftlichen Erwägungen macht das für den Arzt Sinn. Für den Patienten ist das unangenehm." Das sei aber legal. Weil der Hausarzt nur im Notfall verpflichtet ist zu helfen. Brandl: "Im Kreis Calw gibt es inzwischen Wartelisten für Patienten bei Hausärzten. Wenn man beispielsweise auf Platz 50 ist, muss man halt warten." Schwierig, denn für Vorsorgeuntersuchungen gilt für gesetzlich Versicherte die Hausarzt-Pflicht.

Dies werde in Zukunft immer mehr zum praktischen Problem. Brandl: "Wo bekomme ich eine Impfung für die Auslandsreise her, wenn ich keinen Hausarzt habe?"

Im Ausschuss für Verwaltung und Technik (VTA) hatte FD/FW-Gemeinderat Joachim Milles gefragt, ob die Stadt ähnlich wie Empfingen mit Geldprämien versucht, neue Hausärzte zu finden. OB Rosenberger: "Wir verstehen das Bemühen von Empfingen, welches bisher aber nicht von Erfolg gekrönt war. Wir sind der Meinung, dass Alleingänge wie der von Empfingen wenig bringen, sondern wollen eine kreisweite Lösung. Nicht, dass wir uns gegenseitig Konkurrenz machen."

Bürgermeister Zeitler fügte hinzu, dass man das Thema auf der vom Landrat angekündigten Gesundheitskonferenz besprochen werden soll. Laut Zeitler und Rosenberger steht Horb "noch relativ gut da."

Das bestätigt auch die Statistik der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Demnach liegt die Hausarztversorgung im Landkreis Freudenstadt noch bei 100 Prozent. Aber: Der Altersdurchschnitt der Hausärzte liegt mit 56,8 Jahren um zwei Jahre über dem Landesdurchschnitt. Die Folge: Jeder Hausarzt im Landkreis Freudenstadt hat im Durchschnitt 1100 Patienten (Landesdurchschnitt: 1000). Eine Sprecherin der KV: "Damit sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen durch die hohe Kundenzahl für einen Hausarzt hervorragend."

Und im Fall von Müssle zeigt sich die KV noch optimistisch: "Wenn man innerhalb von sechs Monaten keinen Nachfolger findet, dann wird es problematisch. Diese Frist ist noch nicht verstrichen."

Odyssee für Patienten. OB Peter Rosenberger hält an der Behauptung fest, dass Patienten seit der Schließung der Akut-Klinik in Horb teilweise Odyseen auf sich nehmen müssen. Der Stadt seien drei Fälle bekannt. Rosenberger: "Einen Fall haben wir schriftlich." Dabei geht es um einen Arbeitsunfall. Es passierte während der Zeit, als der Horber Unfallchirurg und Durchgangsarzt (D-Arzt ) Peter Olinczuk auf Fortbildung war. Der Patient rief seinen Hausarzt an – keiner da. Der Orthopäde – nicht zu erreichen. Auch Olinczuk war nicht da. Das Krankenhaus Horb gab dem Patienten den Tipp: Fahren sie nach Nagold oder nach Freudenstadt, so Rosenberger. In Nagold wurde der Patient kurz versorgt und dann nach Freudenstadt geschickt.

Auch Steiglehof-Wirt Michael Bauer kennt solch einen Fall: "Da hat sich jemand auf der Arbeit den Finger geklemmt. Der ging nach Freudenstadt. Musste da vier Stunden warten. Dann klebte man ihm ein Pflaster drauf und sagte ihm, dass er zur Klinik der Berufsgenossenschaft nach Tübingen fahren soll."

Dramatisch schlechte Versorgungslage

Horbs OB Rosenberger: "Mir geht es nicht darum, Nagold anzuschwärzen. Sondern darum, auf die dramatisch schlechte Versorgungslage in Horb hinzuweisen." Kronenbitter sagt zu den Fällen: "Es kann nicht sein, dass bei einer längeren Abwesenheit vom D-Arzt in Horb kein Vertreter für solche Fälle da ist."

Bereits vor dem Schließungsbeschluss des Kreistages hat Kreisrat Kronenbitter, Freie Wähler, in einem Interview mit unserer Zeitung am 17. November auf das medizinische Versorgungsproblem hingewiesen: "Für eine Akut- und Erstversorgung oder als Anlaufstelle für eine medizinische Versorgung ist der Krankenhausstandort Freudenstadt für uns im Ostkreis zu weit entfernt. Hinzu kommt noch, dass auch aufgrund des Ärztemangels künftig viele der bisherigen Arztpraxen keine Nachfolger finden werden. Damit ist für unseren ländlichen Raum die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet. Dies insbesondere abends oder an den Wochenenden, wenn die Praxen geschlossen haben". Dies war auch einer der Hauptkritikpunkte von Kronenbitter am Schließungsbeschluss zum Horber Krankenhaus. Schneller als von Kronenbitter befürchtet hat sich die medizinische Versorgungslage bereits dramatisch verschlechtert.

Reiner Klinger, Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Horb, sagt: "Das sind Zeichen für eine dramatische Verschlechterung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Was für die Menschen und die Horber am wichtigsten ist, wird auf allen Ebenen gekürzt."

Die Stadt hofft, dass die Lage nach dem Markterkundungsverfahren durch ein neues Betriebsmodell für die Akut-Klinik verbessert wird. Im nichtöffentlichen Teil des VTA stellte sich deshalb der vom Landkreis ausgewählte Markterkunder Kai Drigalla von PricewaterhouseCoopers den Fragen.

Gestern Vormittag war ein Treffen mit Stadt und der Bürgerinitiative. Heute wollen beide in einer Pressekonferenz darüber berichten. Um 20 Uhr wird die Bürgerinitivative für das Krankenhaus im Schiff alle Interessierten informieren.