Jessica Alexiadis arbeitet 13 Monate lang im Frauenzentrum in der Sextourismus-Hochburg Pattaya
Horb-Talheim - Das Abitur hat sie gerade in der Tasche. Nun könnte es bald mit dem Studium losgehen. Doch Jessica Alexiadis reizt erst einmal das Abenteuer. Sie wird sich in Thailand um Prostituierte kümmern.
Jessica Alexiadis holt ihre derzeitige Lieblingslektüre aus der Tasche. Ein Thailand-Handbuch. Es ist ein dicker Wälzer. Viele Informationen stecken drin über ein für die junge Talheimerin bisher unbekanntes Land mit einer fremden Kultur und einer Sprache, die sie bisher mit kaum einem Wort beherrscht. Doch in einigen Wochen soll sie in Pattaya, eine thailändische Touristenhochburg, Deutsch und Englisch unterrichten. Ihre Schülerinnen sind Frauen, die oft nur ihre eigene Sprache Thai beherrschen. Wie das funktionieren wird, weiß selbst Jessica Alexiadis nicht richtig, denn erst vor Ort wird sie die Sprache lernen. "Notfalls unterhält man sich mit Händen und Füßen", sagt sie und schmunzelt. Dennoch freut sie sich schon auf diese Herausforderung.
"Ich wollte nicht gleich anfangen zu studieren, sondern erstmal etwas im sozialen Bereich machen. Auch beruflich könnte ich mir das später einmal vorstellen", erzählt die Abiturientin des Horber Martin-Gerbert-Gymnasiums. "Auch hat mich die Aufgabe gereizt, mit Frauen zu arbeiten." Über Bekannte und Freunde erfuhr sie vom "Weltkirchlichen FriedensDienst" der Diözese Rottenburg-Stuttgart und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.
Glaube sei ihr sehr wichtig
"Es wurde immer sehr positiv darüber berichtet", erzählt sie. Schnell wurde ihr klar: Das Konzept passt – denn der Glaube sei ihr sehr wichtig. Sie bewarb sich für den Freiwilligendienst und wurde angenommen, ohne jedoch gleich zu wissen, für welches Projekt sie eingeteilt wird.
Während andere zum Beispiel ein Radioprojekt in Mexiko mitbetreuen oder in Brasilien an einer Schule arbeiten, wird sie im Frauenzentrum "Quelle des Lebens" das Projekt der Schwestern vom Guten Hirten unterstützen und den vielen Prostituierten in der Stadt helfen. "Das ist sicherlich eine Herausforderung und ein außergewöhnliches Thema", ist sich Jessica Alexiadis bewusst. Von ihrer Familie und ihren Freunden wird sie dabei voll unterstützt, was die Aufgabe vielleicht auch ein wenig einfacher macht. "Mein Vater war total begeistert."
Schlimme Schicksale aus nächster Nähe
Im Zentrum "Quelle des Lebens" soll Prostituierten aus ihrer schwierigen Situation geholfen werden. 13 Monate lang wird die Abiturientin im Frauenzentrum leben und arbeiten. Sie wird schlimme Schicksale aus nächster Nähe mitbekommen. Die betreuten Frauen werden teilweise zur Prostitution gezwungen. Auch das Thema AIDS ist allgegenwärtig. "Die Frauen haben nie irgendeine schulische Ausbildung erhalten", erzählt die 19-Jährige. "Sie fallen in der Hoffnung, der Armut zu entkommen, schnell den falschen Versprechungen von Menschenhändlern zum Opfer."
Das Frauenzentrum ist ein Rückzugsort. Die Helferinnen hören den Frauen zu, sie geben Rat und Hilfe, sie klären über AIDS und andere Krankheiten auf – und sie zeigen den Frauen Perspektiven auf. Die Thailänderinnen können im Zentrum Lesen und Schreiben sowie eine Fremdsprache erlernen, sie erhalten eine Berufsausbildung, und auch Computerkurse stehen auf dem Programm.
Am 28. Juli geht es für Jessica Alexiadis los. Auch auf einen neuen Lebensstandard muss sie sich einstellen. Sie erhält immerhin ein kleines Einzelzimmer und wird von einer weiteren "Dienstlerin" unterstützt, aber ihre Wäsche muss sie beispielsweise mit der Hand waschen. Doch das macht ihr nichts aus. Nur bei einer Sache ist ihr doch ein bisschen mulmig: "Meine Vorgängerinnen haben berichtet, dass in den Zimmern manchmal Geckos an der Decke hängen. Hoffentlich fallen sie nicht runter."
Weitere Informationen:
Wer den "Weltkirchlichen FriedensDienst" und im Speziellen das Thailand-Projekt mit einer Spende unterstützen will, kann sich mit Jessica Alexiadis (jessica.alexiadis@gmx.de) in Verbindung setzen.