An der Ortsdurchfahrt Bildechingen leiden laut Berechnungen etwa 280 Menschen an Belastungen durch Verkehrslärm. Foto: Hopp

Aktionsplan setzt hauptsächlich auf Tempolimits. Lkw-Durchfahrtsverbot "wenig wahrscheinlich".

Horb - Das dürfte der Startschuss für Tempo-Limits gewesen sein. In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend stellte Wolfgang Wahl die Lärmaktionsplanung vor.

Der Experte von der Firma RappTrans: "Wir haben die Lärmbelastung nicht nur aufgrund der amtlichen Straßenverkehrszählung 2010 berechnet, sondern auch die Daten des Verkehrsmonitoring 2012 mit einberechnet. Das Ergebnis: Real sind in Horb gut 1000 Menschen von zu hoher Lärmbelastung betroffen."

Der Hintergrund, so der Experte: "Die Betroffenheitsanalyse wird nach der Verwaltungsvorschrift VBEB ermittelt. Dabei wird eine Person pro Haus an der lautesten Stelle der Fassade gezählt. Man kann aber davon ausgehen, dass durchschnittlich vier Personen in einem Gebäude wohnen, die dann auch von den gesundheitlichen Auswirkungen betroffen sind."

Der Lärmpegel, bei dem man eingreifen muss, liegt tagsüber bei 70 db (A), nachts bei 60 dB (A). Nachts, so die Berechnungen der Experten, werden gut 700 Bewohner (176 mal vier) mit 55 bis 60 dB beschallt, knapp 400 mit 60 bis 65 db, gut 100 müssen sogar Lärmpegel von 65 bis 70 db (A) erleiden. Also insgesamt 1200 Horber, die keine ungestörte Nachtruhe haben. Tagsüber leiden gut 950 Horber unter einer hohen beziehungsweise sehr hohen Lärmbelastung.

Doch wo wohnen diese lärmgeplagten Anwohner? Laut RappTrans sind knapp 500 in der Neckarstraße in Horb betroffen. An der Landesstraße 355 hinter dem Kreisel Hohenberg Richtung Industriegebiet sind es gut 280, an der Ortsdurchfahrt Bildechingen sind es auch so viel. Dazu sind die Hornaustraße Richtung Nordstetten und die Bundesstraße bei Ihlingen mit gut 80 Bewohnern Lärmschwerpunkte.

Doch wie kann der Lärm vermindert werden? Laut Wahl kann "Flüsterasphalt" zwischen 2 bis 5 db (A) bringen. Die Reduzierung von Tempo 50 auf 30 km/h bringt zwischen 2 und 3 db (A). Ein Lkw-Durchfahrtsverbot bringt 2 bis 4 db (A). Am besten schützt eine Lärmschutzwand. Die bringt 10 bis 20 db (A). Das Problem, so der Lärmexperte: Zwar muss der Baulastträger der Straßen (Bund bei Bundesstraßen, Land bei Landesstraßen) die Maßnahmen bezahlen, damit es leiser wird. Einen Rechtsanspruch auf bauliche Maßnahmen gibt es aber nicht. Deshalb seien entweder Tempolimits oder Flüsterasphalt die wahrscheinlichsten Mittel der Wahl. "Flüsterasphalt" aber nur, wenn ohnehin eine Deckenerneuerung ansteht. Ein Lkw-Durchfahrtverbot schätzt der Experte als wenig wahrscheinlich ein, weil die Brummis bei Umleitungen woanders Betroffenheiten erzeugen würden.

Und das sind einige der Vorschläge von Wahl zu den einzelnen Lärmschwerpunkten. Neckarstraße/Innenstadt: "Im Rahmen einer Abwägung soll überprüft werden, ob eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 oder 40 km/h sinnvoll und machbar ist." Da in der Neckarstraße schon 2013 eine Art "Flüsterasphalt" eingebaut wurde, könne man höchstens prüfen, ob man andere Abschnitte der B14 damit versieht. Laut Bernhard Asprion von den technischen Betrieben prüfen RP und das Straßenbauamt derzeit, wie die B14 bis zum Hohenberg saniert werden kann. Asprion: "Die Decke ist sehr dünn, Probebohrungen wurden gemacht. Im Zuge der Sanierung soll auch die Rauschbart-Kurve entschärft werden." Hier trug es im letzten Jahr einen Quad-Fahrer aus der Kurve. Der Polizist lag stundenlang am Hang, ehe er von Rettern entdeckt wurde.

An der Hornaustraße Richtung Nordstetten wäre zu prüfen, so der Lärmexperte, ob man beidseitig das Tempo auf 60 km/h reduzieren könne. In Ihlingen soll im Sommer eine Art "Flüsterasphalt" eingebaut werden. Hier schlägt das Rathaus vor, zu prüfen, ob hier dauerhaft Tempo 50 eingeführt wird.

Bei der B14 in Bildechingen schlägt das Rathaus zwischen Einmündung Mühlenbergstraße bis Höhe Brühlweg statt 70 km/h eine Reduzierung auf 50 km/h vor. In der Ortsdurchfahrt soll die Reduzierung auf 40 oder 30 km/h geprüft werden.

Die Gemeinderäte zeigten sich zufrieden. OB Peter Rosenberger kündigte eine Info-Veranstaltung für die Bürger an. Daniel Wochner (FD/FW) schlug vor, gleich rechnen zu lassen, was eine Verlegung der Neckarstraße an Lärmbelastung bedeuten könnte: "Wenn ich die Ausführung von Herrn Wahl richtig verstanden habe, könnte eine Verlegung die Lärmbelastung noch erhöhen." Auch Altheims Ortsvorsteher Andreas Bronner schlug vor, eine "freiwillige Berechnung" für Altheim zu machen: "Die Salzstetter Straße und Böblinger Straße ist durch den Lkw-Verkehr stark belastet. Hier wäre es gut, eine Berechnung zu haben, um festzustellen, ob das nur subjektives Empfinden ist oder ob es hier wirklich zu laut ist."

Lärmexperte Wahl will das Ergebnis der Bürgerbeteiligung abwarten. Wenn alles gut läuft könne der Gemeinderat vielleicht schon Ende des Jahres den Lärmaktionsplan beschließen. Voraussetzung sei, dass die Verkehrsbehörden zustimmen.

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