Die Schüler erfuhren beim Besuch der Holzmanufaktur nicht nur eine ganze Menge über den Beruf des „Restaurators im Handwerk“, sondern durften in der Werkstatt auch ihr eigenes handwerkliches Geschick unter Beweis stellen. Foto: Siegmeier

Bei den ersten „Tagen der Restauratoren“ gab die Holzmanufaktur in Rottweil vielfältige Einblicke. Schüler konnten ihr Talent in der Werkstatt selbst ausprobieren.

In der Werkstatt der Holzmanufaktur im Neckartal fallen ordentlich Späne, und es wird gesägt und gehobelt, was das Zeug hält. Die jungen Leute, die hier am Werk sind, haben sichtlich Spaß dabei. Anlässlich der bundesweit ersten „Tage der Restauratoren im Handwerk“ hatte die Holzmanufaktur ihre Werkstätten für Schüler geöffnet, diesmal unter dem Stichwort: „Handwerk hat Zukunft – Auszubildende öffnen Türen zur Praxis“.

 

Im Vorfeld hatten die Auszubildenden Jannik, Ludwig, Felix und Selina das Programm ausgearbeitet. Zu Gast war die Technikgruppe, Neunt- und Zehntklässler, der Konrad-Witz-Schule mit ihrem Lehrer Patrick Miller. Nach einer Führung über den Campus gab es im Pumpenhaus zunächst einen kurzen Vortrag und Film über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich „Restauratoren im Handwerk“. Im Anschluss durften die Schüler dann selbst Hand anlegen. Dabei sollte die Begeisterung für das Handwerk geweckt der Beruf des Restaurators erlebbar gemacht werden.

Das ist bestens gelungen. Gebaut wurde ein Hocker aus Altholz. Zunächst wurde das Holz mit der Drahtbürste bearbeitet, dann wurden die Löcher für die Hockerbeine gesägt und schließlich die achteckigen Beine rund gehobelt und geschliffen. Die jungen Leute waren voller Begeisterung dabei.

Beim Vortrag hatten die Schüler erfahren, wie der Werdegang des Restaurators aussieht, der eine Zusatzqualifizierung zum Meister ist, und warum der „Restaurator im Handwerk“ in Zukunft immer wichtiger wird.

Foto: Siegmeier

Am Samstag, dem bundesweiten Tag der Umbaukultur“, informierte Holzmanufakturgeschäftsführer Herman Klos unter dem Titel „Kreislaufdenken trifft Baukultur“ über das Weiterbauen im Bestand und die Vorteile davon. „Die Bauwirtschaft verursacht 50 Prozent der CO2-Emissionen“, führte er vor Augen. Und für den Umbau oder das Weiterbauen im Bestand würde gleich mehreres sprechen. Es schone Ressourcen und erhalte die bereits verbaute graue Energie.

Zudem sei der Erhalt alter Bausubstanz auch identitätsstiftend, machte er deutlich. Zudem würden Umfang und Abwicklung des Umbaus „step-by-step“ erfolgen, was weniger kapitalintensiv sei und man habe auch keinen zusätzlichen Flächenverbrauch.

Königsweg der Kreislaufwirtschaft

„Die nachhaltigsten Gebäude sind die, die seit 300 Jahren stehen, oder die, die gar nicht erst gebaut werden“, betonte Hermann Klos. Das Weiterbauen mit dem Bestand bezeichnete er als „Königsweg der Kreislaufwirtschaft“.

Dass man aus historischer Bausubstanz ordentlich was machen kann, auch wenn sie bereits stark geschädigt ist, das zeigte er am Beispiel Kapuziner auf. Und auch die 120 Gebäude der einstigen Pulverfabrik im Neckartal, die revitalisiert wurden, seien beste und gelungene Beispiele für Bauen im Bestand, wovon sich die Teilnehmer der Veranstaltung im Anschluss bei der Führung durch einige der Gebäude selbst überzeugen und mit den Bauherren persönlich ins Gespräch kommen konnten.

Die Tour zeigte eindrucksvoll, wie industrielles Erbe, Kreativwirtschaft und Handwerk in Rottweil eine lebendige Verbindung eingehen – und wie Baukultur durch nachhaltiges Denken neu definiert wird.