Für Verkehrsteilnehmer ein Graus: Die Straße zwischen Beffendorf und Wisoch-Kreisverkehr ist nicht nur aus Sicht des Landrats „liedrig“. Foto: Schnekenburger

Seit Jahren wird über die holprige Wasserturmstraße (K5522) bei Beffendorf diskutiert. Der Landkreis will die nun endlich sanieren – vorausgesetzt: Oberndorf beteiligt sich.

Sie ist zweifelsfrei eine der holprigsten und schmalsten Straßen im Kreis Rottweil, und sie spaltet die Bürgerschaft: die Wasserturmstraße (K 5522) zwischen Beffendorf und Wisoch-Kreisverkehr. Für eine Sanierung in diesem Jahr hat der Kreistag bereits grünes Licht gegeben – die Maßnahme steht im Haushaltsplan. Doch nun scheint eine alte Wasserleitung das Vorhaben ins Wanken zu bringen.

 

Unter der Straße verläuft eine laut Martin Osieja, Leiter Straßenbauamt beim Landratsamt Rottweil, mehr als 100 Jahre alte Wasserleitung. Das Problem: Die Stadt Oberndorf will diese offenbar nicht erneuern.

Der große Nachteil: Straße wird noch schmaler

Für die Instandsetzung der Wasserturmstraße plant das Straßenbauamt deshalb einen sogenannten Hocheinbau mit einer 14 Zentimeter starken Trag- und einer vier Zentimeter starken Deckschicht. Durch eine Ausgleichsschicht darunter würden Unebenheiten der bestehenden Fahrbahn ausgeglichen, heißt es.

Der große Nachteil: Durch den Hocheinbau würde sich die Breite der ohnehin schmalen Fahrbahn um etwa 15 Zentimeter verringern. Um das zu kompensieren, wolle man die Bankette mit einem offenporigen Beton verfestigen, erklärte Osieja. Für das Straßenbauamt sei das allerdings ein Novum.

Eine alternative Instandsetzungsmethode, mit der man die Reduzierung der Fahrbahnbreite vermeiden und die Bankette gleichzeitig verfestigen könnte, habe man aus Gründen des Umweltschutzes verworfen, hieß es. Bei dieser wäre der alte Asphalt abgefräst, mit Bindemittel vermischt und als neue Tragschicht wieder eingebaut worden.

Wasserleitung wird überwacht

Während der Bauausführung soll eine messtechnische Überwachung der Wasserleitung sicherstellen, dass mögliche Schäden sofort erkannt werden. Des Weiteren will man in dieser Zeit vorsorglich Material für die Beseitigung von zwei Rohrbrüchen bereithalten, heißt es von Landratsamt-Seite.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel warf im Kreisausschuss für Umwelt und Technik die Frage auf, wie man wissen könne, an welchen Stellen die Leitung schon beschädigt sei, und welche Schäden womöglich durch die Arbeiten an der Straße verursacht werden. Falls sich bei der messtechnischen Überwachung keine Auffälligkeiten ergäben, gehe man davon aus, dass die Leitung nicht beschädigt sei, meinte Osieja dazu.

Löcher und Bodenwellen: Eine Sanierung ist überfällig. Foto: Schnekenburger

Bisher finanziert wurden laut Landkreis rund 250 000 Euro, für 2026 sind 600 000 Euro eingeplant, für 2027 weitere 650 000 Euro, so dass die Maßnahme insgesamt mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Wie wichtig ist die Straße für die Bürger?

FWV-Kreisrat Peter Schumacher äußerte Unverständnis darüber, dass die Stadt Oberndorf die Wasserleitung nicht sanieren will. Dann müsse man die Sanierung der Straße in Frage stellen, fand er. Eine Leitungserneuerung würde schätzungsweise um die 750 000 bis eine Million Euro kosten, mutmaßte Osieja auf Nachfrage von FDP-Kreisrat Franz Rohrer.

André Amon (SPD) stellte die Gretchenfrage: „Wie hoch ist der Handlungsdruck?“ Das komme darauf an, wen man frage, entgegnete Landrat Michel. Für die Dornhaner sei er groß, für die Beffendorfer nicht vorhanden.

Das zeigten auch schon Diskussionen in der Vergangenheit: Während die einen seit Jahren auf eine Sanierung der bereits vielfach geflickten und dennoch löchrigen Kreisstraße drängen, wollen die anderen davon nichts wissen und verweisen auf die „Doppelstruktur“ mit der nahe gelegenen L 415.

Eigentlich Vollausbau nötig

Jedenfalls sei die Straße „liedrig“ und benötigte eigentlich einen Vollausbau, was angesichts ihrer Bedeutung allerdings unverhältnismäßig wäre, so Michels Einschätzung. Was die Lebensdauer der Wasserleitung angehe, so könne man keine Aussage treffen. „Die Leitung kann sofort kaputtgehen oder erst in fünf bis acht Jahren“, meinte er schulterzuckend.

Schumacher plädierte dafür, erneut das Gespräch mit der Stadt Oberndorf zu suchen und die Sanierung nur dann anzugehen, wenn die Stadt in diesem Zuge die Wasserleitung saniert. Die Kreisräte votierten mehrheitlich dafür, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und diesen Weg zu verfolgen.