Holger Badstuber wird den VfB Stuttgart verlassen – und eine stattliche Summe auf der Gehaltsliste des Bundesligisten freimachen. Foto: Baumann

Holger Badstubers Zeit beim VfB Stuttgart endet an diesem Samstag. Sie war wechselhaft, von vielen Reizen geprägt – und für den Bundesligisten sehr teuer.

Stuttgart - Noch ein Spiel. Dann macht Holger Badstuber insgeheim wohl drei Kreuze. Denn danach ist Schluss für den 32-Jährigen beim VfB Stuttgart. Der Vertrag endet nach insgesamt vier Spielzeiten. Allerdings wird der Abwehrspieler an diesem Samstag (14 Uhr) nicht mehr das Trikot mit dem Brustring tragen. Er hat aus persönlichen Gründen diese Woche nicht trainiert und wird die letzten 90 Minuten nur als Zuschauer erleben. Gegen Eintracht Stadtallendorf. In der Regionalliga. Beim VfB II.

 

Es ist der stille Abgang eines Mannes, der in seiner Fußballkarriere mit dem FC Bayern schon viele Titel gewonnen hat und an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt seit seiner Ankunft als Reizfigur wahrgenommen wurde. Weil es Höhen und Tiefen gab. Weil er sich mit Trainern und Spielern anlegte. Weil er viel Geld verdiente und immer höchste Ansprüche formulierte – an sich und alle anderen.

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Doch Badstuber patzte gelegentlich. Das machte den Abwehrspieler angreifbar. Er selbst sieht seine Zeit beim VfB wohl als Achterbahnfahrt, wollte sich auf Anfrage jedoch nicht dazu äußern. Sie begann mit einer beachtlichen Comeback-Saison nach vielen Verletzungen. Der Innenverteidiger wollte noch einmal hoch hinaus und auf die internationale Bühne. Doch er blieb – mangels Angeboten – in Stuttgart, ausgestattet mit einem lukrativen Dreijahresvertrag. Der Ex-Manager Michael Reschke bot ihm das Arbeitspapier an. Mit einem Jahresgehalt von mehr als 3,5 Millionen Euro sagen die einen. Mit einem Verdienst von annähernd fünf Millionen Euro pro Saison sagen andere Quellen.

Spitzenverdiener Holger Badstuber

Ein Spitzenverdiener war Badstuber allemal, und vermutlich ist er der teuerste Viertligaspieler der Geschichte. Zurückgezahlt hat er stets mit Professionalität und Leidenschaft. Selbst als ihn Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat aus dem Erstligakader strichen, hat er seine Rolle drei Klassen darunter in der zweiten Mannschaft angenommen. „Holger ist getrieben von seinem Ehrgeiz – und den hat er dem Team mitgegeben. Wenn ich einen jungen Spieler ihm vorgezogen habe, ist er professionell damit umgegangen. Wenn wir bei minus drei Grad Celsius auf einem kleinen Kunstrasenplatz in Alzenau gespielt haben, hat er das klaglos akzeptiert. Holger war ein Glücksfall für uns, und wir verlieren eine Persönlichkeit“, sagt Frank Fahrenhorst, der als Trainer der U 21 mit dem Ex-Nationalspieler zusammenarbeitete.

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Badstuber hat sich beim VfB immer als Führungskraft verstanden. In der Bundesliga, in der zweiten Liga, wohin ihn der Stuttgarter Weg erstmals führte, und ebenso in der Regionalliga. So wie ihn einst der deftige Mark van Bommel beim FC Bayern als Jungprofi an die Hand nahm, hat auch Badstuber versucht, seinen Part auszufüllen. Er wusste, worauf es ankommt. Und er hat es die Mitspieler wissen lassen – ob sie es wollten oder nicht.

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Matej Maglica, der zuletzt oft an der Seite des Routiniers aufgestellt war, hat die Erfahrungen aufgesaugt. „Holger Badstuber ist etwas ganz Besonderes für mich, eine Persönlichkeit. Er bringt sehr viel Siegeswille mit und gibt immer hundert Prozent. Ich konnte mir viel von ihm abschauen. Es war mir eine Ehre, mit ihm spielen zu dürfen“, sagt der 22-jährige Innenverteidiger, der kein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen hat und nun dennoch auf dem Sprung zu den Profis steht.

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Badstuber dürfte sich in seinem Tun durch Maglicas Worte bestätigt fühlen. Er fokussiert sich auf Fußball, auf nichts anderes. Und wer sich auf ihn einlässt, erhält nicht nur Ratschläge umsonst und ein von allen Bayern-Stars signiertes Trikot geschenkt wie Maglica, sondern ebenso eine Mentalität vermittelt, die in München geprägt wurde. Eine gewisse Streitkultur gehört für ihn dazu. Ausgetragen auf dem Platz oder in der Kabine.

Bad Boy Badstuber wills noch einmal wissen

Der in Memmingen geborene Grantler nimmt dabei für sich in Anspruch, dass es ihm stets um die Sache geht, genauer um den Erfolg. Doch Badstuber überschreitet Grenzen in seiner konfrontativen Art. Weshalb es auch zum Bruch mit Matarazzo kam, als der Abwehrspieler dessen Autorität untergrub und vehement die Auswechslung eines Mitspielers forderte. Letztlich nahm der Trainer bei der Zweitliga-Derbyniederlage in Karlsruhe Badstuber raus. Das Image des Bad Boy wird ihn wohl auf seinem Weg begleiten, da er weiterspielen will. Im Profibereich.

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Badstuber liebäugelt mit einem Engagement im Ausland. Die Bundesliga traut er sich ebenfalls zu. Für zu langsam hält er sich jedenfalls nicht und alle Pläne setzen voraus, dass er fit ist. Auch deshalb hat der 32-Jährige aus der Regionalliga-Saison das Beste für sich gemacht. Er hat unter professionellen Bedingungen trainiert, er ist im Wettkampfmodus und Rhythmus geblieben. Jetzt fühlt sich Badstuber für eine neue Herausforderung bereit. Der Auftritt gegen den FK 03 Pirmasens soll nicht der letzte gewesen sein.

Übrigens: In der Bildergalerie haben wir den aktuellen Kader des VfB Stuttgart für Sie zusammengestellt.