Die Verantwortlichen bei Holcim haben am Dienstagabend im Werkforum eine neue Möglichkeit vorgestellt, wie künftig umwelt- und ressourcenschonender gearbeitet werden kann.
Der Baustoffproduzent Holcim in Dotterhausen machte sich in der Vergangenheit bei Natur- und Umweltschutzbewegungen nicht immer Freunde. Grund ist der große ökologische Fußabdruck, den das Zementwerk hinterlässt. Diesen muss und will das Unternehmen mit einem komplexen Projekt verkleinern und hat hierzu die Öffentlichkeit zu einer Informationsrunde ins Werkforum eingeladen.
Rund 30 Besucher sind am Ende dieser Einladung gefolgt und am Dienstagabend im Werkforum erschienen. Unter den Interessierten waren auch einige NUZ-Mitglieder, die sich das Unterfangen des Unternehmens genau angeschaut haben.
Howald: müssen versuchen, ressourcenschonender zu arbeiten
„Wir müssen versuchen, ressourcenschonender zu arbeiten“, richtete Matthias Howald, Geschäftsführer von Holcim Süddeutschland, das Wort an die Runde, ehe Werksleiter Dieter Schillo das Projekt mit dem Kunstnamen „KAREm“ vorstellte.
„KAREm“ steht für „Keine Ausnahme für rohmaterialbedingte Emissionen“ und soll zur Emissionsminderung beitragen, Ressourcen schonen sowie die Kreislaufwirtschaft und die Dekarbonisierung vorantreiben.
Technisch möglich macht dies laut Schillo unter anderem ein sogenannter Oxidationskatalysator, der auf dem Gelände errichtet werden soll. Die benötigte Wärme und Elektrizität erhält der Katalysator von den Öfen – besser gesagt von deren Abwärme.
Überschüssige Abwärme, so der Werksleiter, könnte man künftig dem Kreis und Kommunen anbieten. „Mit dieser Wärme können wir 7500 Haushalte versorgen“, verspricht Schillo dem Publikum.
Schädliche Stoffe sollen verringert werden
Schädliche Stoffe wie Kohlenstoffmonoxid und Ammoniak sollen deutlich verringert werden, und auch Wasser zur Kühlung werde später nicht mehr in der jetzigen Menge benötigt, meint Schillo.
Das Holcim-Werk in Dotternhausen hat für dieses Pilotprojekt laut eigenen Angaben grünes Licht vom Konzern erhalten und freue sich, diesen Schritt im Zollernalbkreis gehen zu können.
62 Millionen Euro wird die Realisierung des Projekts laut Holcim am Ende verschlingen und soll im besten Fall Ende 2027 in Betrieb gehen. Neben dem Konzern muss auch das Regierungspräsidium (RP) Tübingen sein o.k. geben.
Eine Voraussetzung dafür war die nun abgehaltene Öffentlichkeitsbeteiligung am Dienstagabend. Weitere Unterlagen zur Prüfung wird Holcim der Behörde Mitte des Jahres vorlegen und hoffe, so Schillo, „dass die Prüfung aufgrund der Dringlichkeit des Projekts zeitnah erfolgen wird“.
Bereits genehmigt hat das RP den ersten Abschnitt des Projekts – den Abriss eines Bestandsgebäudes auf dem Firmengelände, das für die neue Anlage weichen muss.
Dem Unternehmen war es wichtig, dass die 30 anwesenden Bürger ihre Fragen und eventuelle Sorgen direkt an die Verantwortlichen richten konnten. Häufig wurde nach Referenzen und Vorerfahrungen gefragt und was bei möglichen Betriebsausfällen geschieht. Aber auch allgemeine Fragen zu Holcim, der Rohstoffnutzung und weiteren Perspektive des Unternehmens wurde gefragt.
Die Ergebnisse aus dieser Fragerunde wird Holcim bis Ende des Monats Mai auf der Homepage des Unternehmens veröffentlichen.