Der Landesmusikrat Berlin das Akkordeon zum Instrument des Jahres gewählt. Salvatore Martinelli, Direktor des Harmonikamuseums in Trossingen, erzählt von seinen Plänen.
Die Freude über die Wahl des Akkordeons zum Musikinstrument des Jahres 2026 steht Salvatore Martinelli ins Gesicht geschrieben, hat er in seinen anderthalb Jahren, die er nun Museumsdirektor im Deutschen Harmonikamuseum in Trossingen ist, ein besonderes Interesse für dieses Instrument entwickelt.
Zahlreiche Exponate von Hohner, aber auch aus der ganzen Welt, sind im Deutschen Harmonikamuseum zu sehen. Martinelli zeigt sein Lieblingsstück mit der Aufschrift C. Dallapè Trento, Italien von 1914, das im legendären Hohner-Postzimmer unter dem Bildnis von Anna Hohner ausgestellt ist. „Diese Instrumente wurden damals für Kompanien, die an der Front waren, produziert“.
„Wir haben in Trossingen eine besondere Ausstellung für das Frühjahr 2026 in der Planung“, erzählt Salvatore Martinelli. Weitere Ausstellungen seien von Februar bis April in Bochum und Ende des Jahres in Krefeld geplant. Bei den auswärtigen Ausstellungen handle es sich um ein neues Konzept des Deutsche Harmonikamuseums „mit Wissenschaftlern, die unsere Instrumente ausstellen, denn unser Wunsch ist es, unsere Raritäten auch anderswo anzubieten“, um sie auch einem Publikum, das nicht eigens nach Trossingen komme, zu zeigen.
Diese ausgesuchten Instrumente werden in Bochum in einem Museum zu sehen sein, der Ausstellungsort in Krefeld sei noch offen. Bereits in früheren Jahren habe es eine Wanderausstellung des Deutschen Harmonikamuseums gegeben, die in die Jahre gekommen sei und teilweise nicht mehr richtig funktioniere. Mit Blick in die fernere Zukunft soll diese zumindest teilweise repariert, vor allem aber auch digitalisiert werden, „und kann dann auf Wunsch als Hybrid auf die Wanderschaft gehen“, so Martinelli, dem die Digitalisierung im Museum ja ein großes Anliegen ist.
Es mag vielleicht ein Zufall sein, aber Anfang des Jahres 2026 bekommt das Deutsche Harmonikamuseum „eine tolle Akkordeonsammlung mit insgesamt 400 Instrumenten, davon sind rund 250 Raritäten dabei“, kommt Martinelli beinahe ins Schwärmen. Es handelt sich um die Sammlung eines Herrn Bruch aus Norderstedt bei Hamburg. Der heute über 90-jährige Senior habe diese Instrumente über mehr als sechs Jahrzehnte lang gesammelt. „Sie werden in die Wechselausstellungen und im Museum selbst eingegliedert“.
Exklusive Sammlung
Martinelli zeigt sich stolz auf diese Exemplare, „die es so nur ein bis zwei Mal auf der Welt gibt und die jetzt nach Trossingen kommen“. Der bisherige Besitzer trenne sich nur ungern von seiner exklusiven Sammlung. „Das verstehe ich sehr gut, aber aus gesundheitlichen Gründen ist dies nötig.“
So wird die große Sammlung passend zum Akkordeon als Instrument des Jahres 2026 Anfang nächsten Jahres in Trossingen erwartet. Allerdings seien die ersten zehn Akkordeons bereits jetzt in Essen bei Ralf Kaupenjohann, der Mitglied des Deutschen Harmonikamuseums sei und viel mit Akkordeons arbeite. „Unsere Zusammenarbeit hat sich in den letzten Monaten intensiviert, denn ich selbst interessiere mich sehr für Akkordeons und habe geschaut, was im Sinne des Museums das Richtige ist“, so Martinelli. Dies alles sei viel Arbeit, die fast 80 Prozent des nächsten Jahres einnehme, die aber „passend zum Thema Akkordeon, das Instrument des Jahres 2026, ist“.
Auch Mundharmonika gilt Aufmerksamkeit
Der Museumsdirektor blickt aber bereits ins Jahr 2030, „dann soll die Mundharmonika Instrument des Jahres werden“. Er sei glücklich darüber „dass sowohl das Akkordeon wie auch die Mundharmonika als etwas in Vergessenheit geratene Instrumente im Fokus stehen“. Man wolle mit den entsprechenden Ausstellungen und Veranstaltungen die Museumsbesucher begeistern.
„Wir werden im Jahr 2026 möglicherweise auch Akkordeons für die Besucher zum Spielen bereithalten“. Noch gebe es Überlegungen, ob man dazu Raritäten nehme, „in der Schweiz ist dies bereits in mehreren Museen unter Aufsicht möglich“. Es sei sein größter Wunsch, aus dem Deutschen Harmonikamuseum ein Museum zum Anfassen und es bespielbar zu machen, denn ein stilles Museum sei doch schade, meint Salvatore Martinelli und ist sich sicher, „es wird eine Lösung geben“.