Die finanzielle Lage des Neuenbürger Krankenhauses ist bedenklich. Wie es am Standort weitergeht, muss der Kreistag entscheiden. Foto: Martin Stollberg

Um die finanzielle Lage der Klinik ist es schlecht bestimmt: Der Träger rechnet mit einem Minus von 11,3 Millionen Euro im Jahr 2026. Offenbar fehlen dem Haus Patienten.

Vor Jahren hatten profilierte Mediziner die Bad Wildbader Sana-Klinik in Richtung Neuenbürg verlassen, und damit in gewisser Weise zu deren Aus beigetragen. Stattdessen entstand am Neuenbürger Krankenhaus das Gelenkzentrum Schwarzwald. Und etablierte sich. Jetzt allerdings gerät Neuenbürg ins Schlingern: Das Krankenhaus schreibt Millionenverluste. Aber warum? Und droht ihm deshalb nun ebenfalls das Aus?

 

Organisation Träger des Neuenbürger Krankenhauses ist die RKH Enzkreis-Kliniken gGmbh. Das Unternehmen betreibt außerdem das Krankenhaus in Mühlacker und die dortige Klinik für geriatrische Rehabilitation.

An dieser gGmbH wiederum hält der Enzkreis 49 Prozent und 51 Prozent die RKH Regionale Kliniken Holding und Services gGmbh. In dieser Holding haben sich die Landkreise Ludwigsburg, die Stadt Bietigheim-Bissingen, der Enzkreis und der Landkreis Karlsruhe zusammengeschlossen.

Geringer Anteil am Umsatz, großer Anteil am Verlust

Geldmangel Die Lage ist prekär: In der Unternehmensplanung für 2025 rechnete die Enzkreis-Kliniken gGmbH noch mit einem Minus von gut fünf Millionen Euro in Neuenbürg und einem Minus von mehr als 7,7 Millionen Euro in Mühlacker. In Jahr 2026 allerdings erwartet das Unternehmen ein Minus von etwa 5,4 Millionen Euro in Mühlacker, und Verluste von mehr als 11,3 Millionen Euro in Neuenbürg. Besonders gravierend daran ist, dass das Mühlacker Haus über 170 Planbetten verfügt, das in Neuenbürg lediglich über 82. Es ist also viel kleiner, der Verlust ist indes mehr als doppelt so groß. Dazu heißt es in der Vorlage der Dezember-Sitzung des Enzkreis-Kreistags: Der Standort Neuenbürg leide „unter deutlichen Erlöseinbrüchen und geringer Bettenauslastung“. Im September 2025 etwa waren von 80 belegbaren Betten durchschnittlich 44 belegt.

Und in Wirklichkeit kam es für Neuenbürg 2025 offenbar noch schlimmer, als in der Unternehmensplanung befürchtet. Denn wie sich abzeichnet, auch das geht aus der Vorlage hervor, beträgt das Gesamtdefizit der Enzkreis-Kliniken gGmbH für 2025 wohl tatsächlich minus 12,6 Millionen Euro, „wobei Neuenbürg trotz geringem Umsatzanteil rund 60 Prozent des Defizits verursacht“.

Investitionen In den Kreistagsunterlagen von Dezember ist noch die Rede von einem Konsolidierungsprogramm und Einsparpotenzialen. Allerdings müsse anerkannt werden, dass diese Maßnahmen „vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisentwicklung am Standort Neuenbürg“ nicht ausreichen. Zumal sowohl dort, als auch in Mühlacker Investitionen nötig seien. So heißt es: „Zur langfristigen Fortführung des Standortes Neuenbürg sind in einem Zeitraum bis 2050 hohe Investitionen und Sanierungsbedarfe notwendig.“

Politik gibt Rahmenbedingungen vor

Zukunft Während die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen, gibt sich der Krankenhausträger eher schweigsam. „Die wirtschaftliche Entwicklung der Enzkreis‑Kliniken – insbesondere am Standort Neuenbürg – steht in einem engen Zusammenhang mit der aktuellen bundespolitischen Krankenhauspolitik“, schreibt Christoph Schmale von der Unternehmenskommunikation der RKH Regionale Kliniken Holding & Services GmbH, als Antwort auf unsere Fragen zur Situation und der Zukunft des Hauses. Die Ergebnisplanung 2026 enthalte eine Risikobewertung, „die aufgrund der unsicheren Refinanzierungsbedingungen, der strukturellen Unterfinanzierung kleiner Häuser und der anhaltenden Reformdiskussionen notwendig wurde“. Diese Rahmenbedingungen seien maßgeblich politisch verursacht.

Und mit Blick auf Neuenbürg teilt Schmale mit: „Hinsichtlich der Perspektive sind wir in Abstimmung mit dem Gesellschafter. Hier möchten wir den laufenden Diskussionen und der Entscheidung des Kreistags nicht vorgreifen. Die nächste Sitzung des Kreistages ist am 26. März.“

Bürgermeister sucht neue Ideen fürs Krankenhaus

Bürgermeister
Neuenbürgs Rathauschef Fabian Bader will nicht bis zur womöglich alles entscheidenden Kreistagssitzung am 26. März warten. Aus seiner Sicht hat das Krankenhaus „für die Menschen aus Neuenbürg und des gesamten westlichen Enzkreises sowie des angrenzenden Kreises Calw eine entscheidende und wichtige Bedeutung.“

Notfallpraxis
Er erinnert zudem daran, dass die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg zum 1. April 2025 die Notfallpraxis am Krankenhaus Neuenbürg geschlossen hatte. Der Widerstand unter anderem der Stadt war vergebens. Bader sitzt für die Freien Wähler auch im Enzkreis-Kreistag. Seine Fraktion hat „im November einen Antrag gestellt auf Untersuchung der Auswirkungen der Schließung der Notfallpraxis auf unser Krankenhaus und das Defizit. Eine Antwort diesbezüglich steht aktuell noch aus“, schreibt der Schultes und deutet so an, dass er offenbar einen Zusammenhang zwischen der Schließung und der prekären Lage des Krankenhauses sieht.

Weiterentwicklung
Zusammen mit seinen zwei Kreistagskollegen Erik Schweickert (FDP) und Günter Bächle (CDU) sei er „im intensiven Austausch, um sinnvolle Ideen für einen zukunftsfähigen Standort in Neuenbürg zu erarbeiten“, teilt Fabian Bader weiter mit. So könnten sie sich eine neuerliche Spezialisierung des Krankenhauses, etwa eine Ausrichtung auf demente Patienten, vorstellen.