Die Landesbischöfin Heike Springhart nahm in Gutach am Gottesdienst teil.
Mit einem Festgottesdienst mit der badischen Landesbischöfin Heike Springhart beging die Kirchengemeinde am Pfingstsonntag ihren Teil der Festlichkeiten zum 750-jährigen Dorfjubiläum Gutach. Den musikalischen Rahmen in der voll besetzen Peterskirche setzte Kirchenmusikdirektor Traugott Fünfgeld an der Steinmeyer-Orgel und am Klavier, knapp ein Dutzend Trachtenträger nahmen zum Gottesdienst in der ersten Reihe Platz.
„An Pfingsten springt der Funke Gottes über“, mit diesen Worten eröffnete Pfarrer und Feuerwehrmann Dominik Wille den Festgottesdienst und erinnerte daran, dass mit der Nennung Gutachs im „Zehntbuch“ zur Finanzierung eines weiteren Kreuzzugs ein „fürcherlicher“ Funke Taufpate für die erstmalige Erwähnung der kleinen Gemeinde vor 750 Jahren stand, neben diesem großen Jubiläum der politischen Gemeinde feiere die evangelische Kirchengemeinde auch ein kleines Jubiläum mit dem Gemeindesaal, der just an einem Pfingstsonntag vor 40 Jahren nach einjähriger Bauzeit eingeweiht wurde.
Die Kirchengemeinderatsvorsitzende Rosemarie Armbruster las die Bibelworte aus dem Johannes-Evangelium zu den züngelnden Flammen des heiligen Geistes, der die ausländischen Gäste dazu brachte, mit vielerlei Zungen zu sprechen, die Vielstimmigkeit brachte Traugott Fünfgeld passend mit einem Kanon für die Gemeinde zum Klingen. In ihrer Predigt thematisierte Bischöfin Heike Springhart die „satte Farbe des Lebens vor dem Schwarz“ und die Kraft der klaren Abschiedsworte. So könne es befreiend sein, der Wahrheit ins Auge zu sehen und klar zu entscheiden, welche kirchlichen Gebäude finanziell nicht mehr tragbar seien, streifte die Bischöfin in einem Nebensatz die finanziellen Probleme der Kirchengemeinden vor Ort. Unbequeme Wahrheiten verlören etwas von ihrer Macht, wenn sie mutig ausgesprochen würden, fuhr Springhart fort und nannte ausdrücklich das unsägliche Töten und Aushungern lassen in Gaza und die Kriegsgräuel in der Ukraine beim Wort.
Zu Pfingsten würden die Herzen und Türen weit geöffnet für das, was noch offen ist, auch nach 750 Jahren seien in Gutach bestimmt noch viele Fragen offen, mit diesen Worten fand Springhart zum Ende ihrer Predigt zur Bollenhutgemeinde zurück.
Eintrag ins Goldene Buch
Bürgermeister Siegfried Eckert überreichte zur Eintragung ins Goldene Buch der Gemeinde einen Bollenhut als Präsent, „endlich habe ich einen“ bedankte sich Springhart sichtlich gerührt. Zu ihrer Studentinnen-Zeit sei sie von ihren Mitstudierenden immer mit dem Bollenhut gleichsetzt worden, auch wenn sie dafür im „falschen“ Tal, nämlich in Böllen im Wiesental, mit 100 Einwohnern die kleinste selbstständige Gemeinde Baden-Württembergs, aufgewachsen sei. Beim Empfang im Gemeindesaal tauchte Springhart danach noch tief in die Geschichte der Gutacherinnen und Gutacher ein.