Die Zahlen sind deutlich: In Nagold gibt es immer mehr Fälle von Betrug. Ein Fachmann sagt: „Das wird noch steigen“ - und wundert sich, wie blauäugig manche Bürger sind.
Jens Weber leitet beim Polizeirevier in Nagold den Ermittlungsdienst. Der Polizeihauptkommissar ist ein erfahrener Beamter. Und gerade deshalb weiß er die Zahlen der Kriminalitätsstatistik auch richtig einzuordnen.
Im Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss erörterte er die Statistik für das Jahr 2024. Und trotz gesunkener Fallzahlen, warnte Weber eindringlich vor den steigenden Fällen im Betrugsbereich: „Der Schaden ist dort brutal.“
Kurz die Zahlen der letzten Jahre: 93 Betrugsfälle sind für 2022 vermerkt, ein Jahr später waren es 113 und im Jahr 2024 sind schon 123 Betrugsdelikte in der Statistik für Nagold vermerkt. Dabei scheint das Ende des Anstiegs noch nicht erreicht zu sein,
„Da ist die Gier meist ein bisschen zu groß“
„Ich gehe davon aus, dass der Bereich der Betrugsdelikte noch stark ansteigen wird“, sagte Weber. Die Betrugsdelikte gingen in alle Richtungen. „Da wird einem vorgespielt, dass er einen Gewinn von 800 Prozent gemacht hat und es nur noch eine Überweisung braucht, damit der Gewinn auch fließen kann“, erzählte Weber als Beispiel. „Da ist die Gier meist ein bisschen zu groß“, so Weber weiter, der eh verdeutlichte, „wie blauäugig“ manche Menschen seien. Weber: „Zum Teil haben die der Polizei dann gar nicht geglaubt, dass der scheinbare Gewinn weg ist.“
Das wiederum zeigt auch, wie raffiniert und manipulierend im Betrugsbereich vorgegangen wird. Zum Beispiel bei Schockanrufen. „Die Täter sind verbal so gut geschult“, sagte Weber. Die Opfer würden so manipuliert, „da kommen wir als Polizisten teilweise gar nicht an die Opfer ran.“
Der Polizeihauptkommissar zeigte sich auch überrascht, was für Vermögenswerte manche Menschen bei sich zu Hause hätten – und diese dann herausgeben. „In der Annahme, dass das Polizisten sind.“
Die Cybereinheiten haben durchaus auch gute Erfolge
Der Leiter des Ermittlungsdienstes machte aber auch deutlich: „Wir haben da schon auch Erfolge bei der Aufklärung.“ Extra Cybereinheiten habe man, und die erzielten auch gute Erfolge.
Doch was kann man dagegen präventiv tun? Wie sich schützen vor der modernen Form der Nepper, Schlepper, Bauernfänger?
Weber machte hier deutlich, dass es nicht nur um ältere Menschen gehe, die auf die Betrugsversuche hereinfallen würden. „Auch wir jüngeren müssen immer mehr aufpassen.“
Weber warnt vor der Preisgabe von Daten im Netz
Das Problem sei wirklich vielschichtig, überall müsse man genau gucken, überprüfen, vor allem im Netz. Da würden identisch aussehende Webseiten von bekannten Händlern aufgebaut – wenn man dort etwas bestelle, dann werde das Geld ins Ausland transferiert. „Das siehst Du gar nicht.“
Auch vor der Preisgabe von Daten warnte Weber ganz generell – zum Beispiel sollte niemals eine Ausweiskopie verschickt werden. „Das wird unter Umständen verwendet, um weitere Straftaten zu begehen.“