Durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit von 40 auf 30 Kilometer pro Stunde auf der Ortsdurchfahrt von Schömberg könnte die Lärmbelastung für die Bevölkerung weiter reduziert werden. Foto: Krokauer

Der Verkehrslärm hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Die Bevölkerung soll besser davor geschützt werden. Für die Ortsdurchfahrten von Schömberg und Lan­genbrand wird deshalb vielleicht eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde eingeführt.

Schömberg - Verkehrsingenieur Jonas Fehrenbach vom Karlsruher Ingenieurbüro Koehler und Leutwein schlug in der Sitzung des Technik- und Umweltausschusses von Schömberg am Dienstagabend Tempo 30 vor. Betroffen wären in Langenbrand die Höfener, Salmbacher und Schömberger Straße, in Schömberg die Berg-, Linden-, Schwarzwald- und Liebenzeller Straße.

Als Schwellenwert, um Maßnahmen zu ergreifen, nannte Fehrenbach eine Belastung von 8200 Fahrzeugen pro Tag. Berücksichtigt würden auch Steigungen, weil damit die Lärmbelastung durch Fahrzeuge zusätzlich in die Höhe gehe. Er sagte, dass rund fünf Prozent der Bevölkerung in Schömberg durch Lärm stark beeinträchtigt sei. Als kritischen Wert einer Lärmbelastung nannte Fehrenbach einen Schalldruckpegel von mehr als 65 dB(A) am Tag und von mehr als 55 dB(A) in der Nacht. Zum Vergleich: Ein PC hat eine Lautstärke von rund 20 dB(A), eine Kreissäge schon von 90 dB(A) und ein Flugzeug von mehr als 120 dB(A). Eine Verringerung der Lautstärke von einem dB(A) sei bereits hörbar, so Fehrenbach. Drei dB(A) empfinde das menschliche Gehör als Halbierung der Lautstärke. Gemessen wurde am 17. und 26. November sowie am 12. Dezember des vergangenen Jahres.

In den für eine Tempo-30-Zone vorgeschlagenen Straßen habe sein Büro eine hohe Lärmbelastung festgestellt. Fehrenbach gab zu bedenken, dass bei einer Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde die Lautstärke um 2,6 dB(A) sinke und sich nach dem Empfinden für das menschliche Gehör fast halbiere. Inzwischen wurde in Schömberg etwa auf der Linden-, der Schwarzwald- und der Liebenzeller Straße die zulässige Höchstgeschwindigkeit ohnehin auf 40 Kilometer pro Stunde reduziert. Eine weitere Senkung auf 30 Kilometer pro Stunde würde die Lärmbelastung noch einmal spürbar um rund 1,5 dB(A) senken.

Bundes- und Landesstraßen im Fokus

Sowohl Fehrenbach als auch Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn machten deutlich, dass die Verkehrsbelastung in den vergangenen Jahren weiter stieg.

Im Ausschuss herrschte folglich Einigkeit darüber, dass etwas getan werden muss. Gemeinderat Andreas Ehnis (CDU) hielt die für die Berechnung der Lärmbelastung gewählten Tage im November und Dezember aber für unglücklich, da dann die Lautstärke von Motorrädern nicht berechnet werde. Zudem habe es ihn überrascht, dass mit Schömberg und Langenbrand nur zwei Ortsteile berücksichtigt worden seien. Er frage sich, wo die Pforzheimer Straße in Schwarzenberg bleibe, zumal es auch dort eine Steigung gebe: "Das ist nicht vermittelbar." Er sprach von "Bürgern erster und zweiter Klasse". Nach seinen Worten sind in der Pforzheimer Straße in Schwarzenberg 70 Prozent der Verkehrsteilnehmer schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs.

Rathauschef Leyn antwortete, dass bei der anstehenden Fortschreibung des Lärmaktionsplan nur Bundes- und Landesstraßen berücksichtigt würden. Die Gemeinde setze damit EU-Recht um. Den Gemeinderäten stehe es aber frei, bei der Berechnung der Lärmbelastung auch Schwarzenberg und Bieselsberg einzubeziehen. Das müsse aber von den gesetzlichen Vorgaben getrennt werden, sagte Leyn. "Lärm ist Lärm. Ich kann so nicht zustimmen", antwortete Ehnis. Er regte an, das Thema zurückzustellen und auch die Ortsteile miteinzubeziehen.

Der Bürgermeister antwortete, dass dies nicht möglich sei, da die Gemeinde Fristen einhalten müsse: "Das eine spielt für das andere keine Rolle." Auch UWV-Fraktionschef Gerold Kraft hielt es nicht für sinnvoll, das Thema vor sich herzuschieben: "Wir können es eh nicht koppeln."

Motorräder nicht berücksichtigt

In Sachen Motorradfahrer erhielt Ehnis Rückendeckung von Gemeinderat Jörg Krax (MUZ). Hier müsse nachgearbeitet werden.

Bei der Frage der fehlenden Berücksichtigung von Motorrädern antwortete Fehrenbach, dass diese in der deutschen Richtlinie nicht berücksichtigt seien. "Das ist ein Problem", räumte er ein. Gemeinderat Jan Neuweiler (MUZ) bezeichnete dies als "sehr schade". Er forderte, dass die Politik hier nacharbeiten müsse.

Neben einer möglichen Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde gibt es noch andere Möglichkeiten, die Lärmbelastung zu verringern. Gemeinderat Michael Nothacker (CDU) nannte als Optionen den Einbau von Flüsterasphalt und Schallschutzfenster. Fehrenbach antwortete, dass bei Schallschutzfenstern Förderungen von bis zu 100 Prozent der Kosten durch das Regierungspräsidium möglich seien. CDU-Fraktionschef Joachim Zillinger wollte wissen, ob nicht auch durch die zunehmende Zahl von Elektrofahrzeugen der Lärm verringert werde. Zudem machte er deutlich, dass auch durch Schlaglöcher und nicht sauber sitzende Hydranten Lärm verursacht werde. Zu den Elektrofahrzeugen antwortete Fehrenbach, dass ab einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde das Roll- und nicht das Antriebsgeräusch entscheidend sei.

Letztlich empfahl der Technik- und Umweltausschuss dem Gemeinderat bei einer Gegenstimme von Ehnis den von Fehrenbach erläuterten Bericht öffentlich auszulegen. Außerdem soll die Verwaltung nach der Offenlage des Berichts einen Katalog von Maßnahmen zur Reduzierung des Lärms erstellen und mit der unteren Verkehrsbehörde Gespräche führen, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden können.

Unabhängig davon empfahl der Ausschuss dem Gemeinderat, auch in den Ortsteilen die Lärmbelastung zu berechnen. Bei diesem Punkt stimmte auch Ehnis zu. Fehrenbach sagte, dass die Zählungen nach den Sommerferien beginnen könnten.

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