So wie der sieben Monate alte "Doni" warten zahlreiche Katzen im Lahrer Tierheim auf ein neues Zuhause.                                                    Foto: Hamsch

Etliche Fundkatzen musste das Tierheim aufnehmen. Ein größeres Katzenhaus könnte helfen. Auch aus anderen Gründen gib es finanzielle Sorgen.

Lahr – In diesem Jahr hat das Tierheim bisher gut 500 Tiere aufgenommen. Etwa 60 Katzen befinden sich in der Vermittlung, dazu gibt es etwa 50 Tiere im "Katzendorf" des Tierheims, wo die eher nicht vermittelbaren Katzen leben. 26 Jungkatzen sind derzeit im Katzenhaus. "Viele Kätzchen stammen aus Kolonien verwilderter Hauskatzen", sagt Katja Spirgatis, Leiterin des Tierheims. Die streunenden Katzen und auch unkastrierte Hauskatzen gebären den Nachwuchs in der freien Natur und lassen ihn dort liegen. Menschen bringen die Kitten ins Tierheim. Das Katzenproblem sei menschengemacht, denn in Kippenheimweiler, Kuhbach, Reichenbach und auch in Friesenheim gebe es zahlreiche Freigänger-Katzen, die unkastriert sind. Ob die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen, die ab August in Lahr gilt, das Tierheim entlastet, werde sich zeigen. "Katzen kennen keine Gemeindegrenzen", sagt Katja Spirgatis.

Seit Jahren ist das Tierheim dabei, verwilderte Hauskatzen einzufangen und zu kastrieren. "Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn so viele Hauskatzen unkastriert herumlaufen", so Katja Spirgatis. Die Zahl der Fundtiere sei seit Jahren hoch.

Für die älteren Katzen, die in Kolonien leben, habe man eine Futterstelle im Außenbereich des Tierheims aufgebaut. Im Winter werden für die Streuner Räume im Katzenhaus bereitgestellt.

Der Raum im Katzenhaus ist allerdings begrenzt. Bereits 2020 hatte Martin Spirgatis, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, deshalb den Plan gefasst, das Katzenhaus zu erweitern. Aus den Plänen ist bis jetzt nichts geworden. "Wir werden das Katzenhaus nur bauen können, wenn wir die Unterstützung unserer Vertragsgemeinden haben. Diese brauchen wir, um an einem Förderprogramm teilzunehmen, die den Neubau von Tierheimgebäuden unterstützt", erklärt der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Dann würden sich der Tierschutzverein, die Gemeinden und das Land die Kosten zu jeweils einem Drittel teilen. Das Projekt wäre für den Tierschutzverein sonst unbezahlbar.

Corona und die Bau-Krise hätten das Vorhaben erschwert. "Das Risiko, mit Kosten zu planen, die am Ende nicht gehalten werden können, ist derzeit zu groß", sagt der Vorsitzende. "Erst brauchen wir die Zustimmung beziehungsweise Teilnahme der Vertragsgemeinden, dann müssen über diese die Anträge beim Land gestellt werden", erklärt Spirgatis.

"Viel dringender", so Spirgatis, seien zunächst "die Erneuerung der Hundehäuser, die derzeit geplant wird, sowie die Gewährleistung des laufenden Tierheimbetriebs".

Fast 70 000 Euro musste das Tierheim 2020 allein für die Tierarztkosten aufwenden. 2021 seien die Kosten weiter gestiegen. "Das System vereinsgeführter Tierheime steht in Deutschland vor einer Klippe. Es fehlt nur noch ein Stups", so der Vorsitzende. Die Vergütungssätze der Tierärzte wurden in diesem Jahr erhöht. Die Kosten sowie die Zahl der Fundtiere steigt weiter an. Die Kostenerstattung der Gemeinden für die Aufnahme der Fundtiere reiche schon länger nicht mehr aus, da neben den Tierarztkosten auch alle anderen Faktoren steigen. Von den Energiekosten ganz zu schweigen, meint Spirgatis. "Wir werden zeitnah den Kontakt zu den Vertragsgemeinden und nach Lösungen suchen müssen."

Das Tierheim Lahr hat mit zwölf Städten und Gemeinden Fundtierverträge abgeschlossen. Darin verpflichtet sich das Tierheim, die kommunale Aufgabe der Aufnahme und Versorgung von Fundtieren im jeweiligen Gemeindegebiet zu übernehmen. Aktuell bezahlen die Vertragsgemeinden 1,50 Euro pro Einwohner und Jahr für diese Auslagerung an das Tierheim. Eine Kostendeckung für den Gesamtbetrieb des Tierheims sei mit diesem Betrag nicht gegeben, betont Martin Spirgatis vom Tierschutzverein.